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Rekordgewinn trotz teurem Brandfall

Bei der Emmental Versicherung winkt den Kunden dank des guten Geschäftsgangs nächstes Jahr eine Gewinnausschüttung. Die stark in der Landwirtschaft verankerte Gruppe will zudem expandieren.

Julian Witschi
Der Brand einer Lagerhalle in Schmerikon SG kostete die Emmental Versicherung 5 Millionen Franken.
Der Brand einer Lagerhalle in Schmerikon SG kostete die Emmental Versicherung 5 Millionen Franken.
Kantonspolizei St. Gallen

Die Rauchsäule war am oberen Zürichsee kilometerweit zu sehen. Am 28. März 2019 brannte eine Lagerhalle des Kunststoffverarbeiters Wild & Küpfer in Schmerikon (SG). 88 Feuerwehrleute bekämpften den Brand. Zwei Einsatzkräfte erlitten eine Rauchgasvergiftung. Die Lagerhalle wurde komplett zerstört. Der Brand verursachte mit rund 5 Millionen Franken den grössten Schaden im vergangenen Jahr bei der Emmental Versicherung.

Er kostete auch mehr als die vielen Schäden des Sturms Burglind im Vorjahr, die bei der Emmental mit 4 Millionen Franken zu Buche geschlagen hatten. Trotzdem weist das Unternehmen für 2019 einen Rekordgewinn von 10,6 Millionen Franken aus. Das sind gut 3 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

Während bei anderen Unternehmen nun die Aktionärinnen und Aktionäre frohlocken könnten, profitieren bei der Emmental die Kunden, die automatisch Genossenschafter sind. Statt 4 Millionen Franken wie im Vorjahr, kommen nun 7 Millionen Franken in den Gewinnfonds der Genossenschafter. «Die Gewinnzunahme von 3 Millionen Franken geht also vollumfänglich an die Kunden weiter», sagt der Chef der Emmental Versicherung, Christian Rychen.

Alle drei Jahre zahlt das Unternehmen den Gewinnfonds aus. Es sind über das Land verteilt rund 200 Anlässe mit Volksfestcharakter. 2021 ist es wieder so weit. 15 Prozent der Jahresprämie gibt es zurück, und zwar in bar. Profitieren kann, wer am Stichtag vom 1. Dezember 2020 Kunde ist.

Schub für Kundengewinnung

Die Emmental Versicherung kündigt die Höhe der Ausschüttung erstmals gut ein Jahr im Voraus an. Für sie ist es auch eine grosse Marketingaktion, die neue Kunden bringen soll. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Kunden weniger stark als auch schon gestiegen, nämlich um 106 auf 59'373. Seit 2010 beträgt die Zunahme gut 15 Prozent. Zu den Kunden zählen Private, KMU und knapp jeder dritte Landwirt in der Schweiz. Etwa die Hälfte der Kunden sind aus dem Kanton Bern. Unter den Sachversicherern in der Schweiz ist die Emmental die Nummer 9.

Die Prämieneinnahmen stiegen letztes Jahr um 3,2 Prozent auf 82,6 Millionen Franken. Damit sei das Marktwachstum übertroffen worden, sagt Geschäftsleiter Rychen. Der Gewinn machte einen Sprung in die Höhe, weil die Prämieneinnahmen stärker gestiegen sind als der Schadenaufwand, und vor allem weil die Kapitalanlagen mehr als erwartet eingebracht haben. Das Kapitalanlageergebnis hat sich im Zuge steigender Finanzmärkte von 2,5 auf 5,9 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

Einnahmen erzielt die Versicherung auch mit Immobilien. Sie vermietet inzwischen rund 300 Wohnungen. In Burgdorf waren per Mitte 2019 in einem Neubauprojekt an der Thunstrasse 28 Wohnungen hinzugekommen. Diese waren ebenfalls in kurzer Zeit alle vermietet.

In die Subzentren

Ein Blick in die Bilanz zeigt, das Unternehmen ist schuldenfrei und kann in die Expansion investieren. Um neue Kunden zu gewinnen, zieht es die Emmental in die Subzentren. Sie ist bereits mit je einem Standort in Thun und Burgdorf vertreten. In diesem Jahr soll eine Agentur in Münsingen eröffnet werden, wie Rychen ankündigt.

Das ist noch längst nicht alles. Im Rahmen der neuen Strategie «Kompass 2026» sollen die 24 Hauptagenturen in den nächsten drei Jahren jede eine zusätzliche Agentur eröffnen. Die Emmental sucht deshalb zusätzliche Mitarbeitende. Das können Quereinsteigerinnen sein, häufig sind Teilzeitpensen, wie Rychen erklärt. Sehr wichtig ist ihm die lokale Verankerung seiner Verkäufer.

Ein Trend ist auch bei der Emmental die Digitalisierung. So soll Gerhard Wittwer aus Wiggiswil in den Verwaltungsrat gewählt werden. Der Mitinhaber des Beratungsunternehmen Kiwi Consultants bringe fundierte Digitalisierungskenntnisse ein, heisst es.

Wittwer folgt auf Peter Gfeller, der nach 12 Jahren wegen der Amtszeitbeschränkung zurücktritt. Und in der Geschäftsleitung geht mit Rainer Senn der Leiter Finanzen und Informatik in Pension. Seine Aufgaben übernimmt der 41-jährige diplomierte Wirtschaftsprüfer Jörg Kalbermatter.

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