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Novartis schmeichelt Donald Trump

Der Pharmakonzern friert die Preise in den USA bis Ende Jahr ein. Ob die Patienten profitieren, ist ungewiss.

Novartis und der Rest der Pharmabranche erzielten in den USA zuletzt ansehnliche Gewinne. Bild: Arnd Wiegmann (Reuters)
Novartis und der Rest der Pharmabranche erzielten in den USA zuletzt ansehnliche Gewinne. Bild: Arnd Wiegmann (Reuters)

Nach Pfizer ist Novartis der zweite Pharmakonzern, der auf die geplanten Preisaufschläge für die zweite Jahreshälfte verzichtet und dem US-Präsidenten ein Lob entlockt. «Wir üben grossen Druck aus, die Preise für rezeptpflichtige Medikamente möglicherweise substanziell zu senken», rühmte Trump gestern in einem Tweet die zwei Firmen – und sich selber. Von sinkenden Preisen ist allerdings nichts zu sehen. Zahlreiche andere Pharmafirmen haben die Preise bereits hochgeschraubt, ohne von Trump belästigt zu werden. Zu erwarten ist auch, dass Novartis und Pfizer die sistierten Aufschläge noch nachholen.

Novartis hat gemäss Konzernchef Vas Narasimhan bereits im Juni den in Sachen Preistransparenz führenden Staat Kalifornien informiert, bis Ende Jahr keine Preise mehr zu erhöhen. «Wir dachten, dies sei angesichts des dynamischen Umfelds klug.» Geschickt war der Entscheid in der Tat. Dank der Gunst des Präsidenten sichert sich Novartis einen Sitz in der vordersten Reihe in der Diskussion um die künftige Regulierung der Pharmapreise.

Bilder: Trump lobt Novartis

«Vielen Dank an Novartis, dass Sie Ihre Preise für verschreibungspflichtige Medikamente nicht erhöht haben», schreibt Trump auf Twitter. Der US-Präsident während einer Sitzung im Weissen Haus. (18. Juli 2018)
«Vielen Dank an Novartis, dass Sie Ihre Preise für verschreibungspflichtige Medikamente nicht erhöht haben», schreibt Trump auf Twitter. Der US-Präsident während einer Sitzung im Weissen Haus. (18. Juli 2018)
Leah Millis, Reuters
Gleiches gelte für Pfizer.
Gleiches gelte für Pfizer.
Leah Millis, Reuters
Man sei dabei eine grossen Schritt zu machen, um die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu reduzieren oder sogar «substanziell» zu senken, sagte der US-Präsident.
Man sei dabei eine grossen Schritt zu machen, um die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu reduzieren oder sogar «substanziell» zu senken, sagte der US-Präsident.
Arnd Wiegmann, Reuters
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Trump hatte im Mai ein Programm nach dem Motto «American Patients First» skizziert und versprochen, die grossen Pharmafirmen würden die Preise «freiwillig massiv» reduzieren – und dies innerhalb weniger Wochen. Die Behauptung erwies sich erwartungsgemäss als absurde Erfindung. Sämtliche Pharmafirmen konnten ihre Preise für rezeptpflichtige Medikamente im ersten Halbjahr wie gewohnt anheben. Im Fall Novartis waren es gemäss Wells Fargo 75 Medikamente mit einem Plus von 2,9 Prozent bis 9,9 Prozent. Mit Ausnahme von Novartis und Pfizer setzten die Hersteller diese Praxis auch für das zweite Halbjahr fort. Roche, Celgene und Novo Nordisk etwa fielen durch markante Aufschläge auf. Die Drohungen des Präsidenten hatten die Branche im Frühling vorübergehend unter Druck gesetzt, doch hat sie sich wieder erholt. Seit Ende Mai haben an der Börse Novartis (plus acht Prozent), Roche (plus sieben) und Pfizer (plus vier) zugelegt, dies als Reaktion auf ansehnliche Gewinne in den USA.

Darüber hinaus geht es für Novartis darum, den Schandfleck Michael Cohen zu löschen. Der Konzern hatte den zwielichtigen Trump-Anwalt für 1,2 Millionen Dollar engagiert und gehofft, mit ihm einen direkten Zugang zum Präsidenten zu erlangen. Cohen hielt nicht, was er versprochen hatte, und Novartis trennte sich von ihm. Doch die Kontakte gingen offenbar tiefer und dauerten länger, als zunächst bekannt wurde. Vier demokratische Senatoren deckten letzte Woche auf, dass es Novartis gelungen sein dürfte, Vorschläge zur Preispolitik im trumpschen Fahrplan unterzubringen. Novartis bestreitet das und erachtet den Fall als erledigt. Doch ein definitives Urteil wäre verfrüht, da noch nicht klar ist, wie einschneidend Trumps Preispolitik sein wird.

Bescheidener Effekt

Pharmaexperten erwarten, dass sich die Branche bis Ende Jahr zurückhält, das Lobbying gegen zu strikte Preisvorschriften aber verstärken wird. Bei Gesundheitsminister Alex Azar dürften die Türen offen stehen, leitete er doch früher den Pharmakonzern Eli Lilly. Vermutlich versuche die Branche auch, jeden Aufruhr zu vermeiden, indem sie die Preise nicht mehr geballt am 1. Januar und am 1. Juli erhöhe, schreibt Bernstein-Analyst Ronny Gal. Am Ende bleibe der Novartis-Effekt aber bescheiden. «Alle werden für eine gewisse Zeit langsamer fahren, aber über kurz oder lang wieder beschleunigen.»

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