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Machtkampf bei Volkswagen

Bei Europas grösstem Autobauer VW droht ein erbitterter Machtkampf um die Führungsspitze. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wendet sich plötzlich von seinem Ziehsohn ab.

Damals war die Welt noch in Ordnung: VW-Chef Martin Winterkorn (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch. (13. September 2011) (Bild: Torsten Silz/dapd)
Damals war die Welt noch in Ordnung: VW-Chef Martin Winterkorn (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch. (13. September 2011) (Bild: Torsten Silz/dapd)

Im Mittelpunkt steht die Zukunft von Vorstandschef Martin Winterkorn, nachdem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch von seinem langjährigen Wegbegleiter abgerückt ist. Winterkorn scheint entschlossen, um seinen Posten kämpfen. Er wolle sich von Piëch nicht vom Hof jagen lassen, erfuhr die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» aus dem Unternehmen. Die «Bild am Sonntag» zitierte einen «Vertrauten» Winterkorns mit den Worten: «Piëch will ihn killen, aber Winterkorn kämpft.»

Der 77-jährige Piëch war völlig überraschend öffentlich vom 67-jährigen Winterkorn abgerückt. Piëch sagte dem Nachrichtenmagazin «Spiegel»: «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.» Der VW-Aufsichtsratschef sagte ausserdem: «Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.» Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen.

Winterkorn ist seit 2007 VW-Chef. Sein Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus. Konzerninsider hatten zuletzt übereinstimmend berichtet, dass Winterkorn Piëch im Kontrollgremium ablösen dürfte. Nur der Zeitpunkt schien unklar. So liess es auch Winterkorn zuletzt offen, ob für ihn eine Vertragsverlängerung infrage komme.

Rückhalt für Winterkorn

Im VW-Aufsichtsrat bräuchte es rein rechtlich eine Mehrheit von 11 aus 20 Stimmen, um Winterkorn abzusetzen. Zwar könnte Piëch als Vorsitzender von seinem Doppelstimmrecht Gebrauch machen. Er müsste aber auch die weiteren Mitglieder der Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen auf seine Seite ziehen.

Das Land ist nach den Familien Porsche und Piëch grösster VW-Anteilseigner. Betriebsratschef Bernd Osterloh und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil haben sich bereits hinter Winterkorn gestellt. Beide sitzen im VW-Aufsichtsrat.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, ebenfalls Mitglied im VW-Aufsichtsrat, sagte, er sehe der Ankündigung Piëchs auch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat «sehr gelassen» entgegen. Das Land schätze die Arbeit Winterkorns sehr. Die Porsche-Familie will bis auf weiteres in der Öffentlichkeit keine Stellung beziehen.

Kernmarke unter Druck

Der «Spiegel» führt für die Verstimmung zwischen Winterkorn und Piëch auch die grossen strategischen Probleme an, vor denen Volkswagen allem Erfolg zum Trotz seit Jahren steht. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz beständig hinterher. Daher greift seit vergangenen Sommer ein milliardenschwerer Sparplan. Im Juli gibt Winterkorn das Amt als VW-Markenchef, das er in Personalunion mit dem Konzernvorstand führt, an den früheren BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess ab.

International fehlen VW in den USA die richtigen Modelle, so dass der Konzern seit Jahren in einem wachsenden Markt Anteile verliert. In Summe werden diese Probleme verdeckt durch den insgesamt seit Jahren laufenden Rekordkurs des Konzerns, der sich mit grossem Tempo bei Absatz, Umsatz und Gewinn verbessert. Der Rivale General Motors (GM) ist schon überholt. Nur noch Toyota liegt vorne.

SDA/thu

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