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Leiden im Reich der Scheichs

Seine Öl-Milliarden steckte Katar in VW, Glencore und andere Weltkonzerne. Die Verluste sind immens.

Minus 13,7 Milliarden Dollar in drei Monaten: Abdullah bin Saud al-Thani, Chef des katarischen Staatsfonds Qatar Investment Authority.
Minus 13,7 Milliarden Dollar in drei Monaten: Abdullah bin Saud al-Thani, Chef des katarischen Staatsfonds Qatar Investment Authority.
Reuters

Der Wüstenstaat Katar ist berühmt für seinen Ölreichtum – und für die Investments in aller Welt, die er sich damit kauft. Bis zu 40 Milliarden Dollar legt der katarische Staatsfonds Qatar Investment Authority über seine Investmentsparte Qatar Holding LLC jedes Jahr an. Er kaufte sich so in zahlreiche einflussreiche Firmen ein, darunter Grossgewichte wie die Credit Suisse, Glencore oder VW. Bei der CS sind die Katarer mit einem Anteil von 5,2 Prozent achtgrösster Aktionär, beim Rohstoffkonzern Glencore stehen sie mit 8,99 Prozent sogar an der Spitze, vor Chef Ivan Glasenberg.

«Ausgefuchste Investoren» seien die Katarer, sagte ein Analyst vor nicht allzu langer Zeit zur Nachrichtenagentur Reuters. «Sie konzentrieren sich darauf, gute Anlagen zu erkennen, die sie günstig kaufen können – unabhängig von der Geografie oder der Anlageklasse.» Doch auch ausgefuchste Investoren sind vor unschönen Überraschungen nicht gefeit, wie das Beispiel der Qatar Holding zeigt.

Bei der Credit Suisse vorne dabei

Am meisten dürfte die Katarer der Absturz der VW-Aktie in den letzten zwölf Tagen geschmerzt haben. Nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals sackte sie um fast 50 Prozent ab. An VW ist die Qatar Holding mit 15,4 Prozent beteiligt – daraus ergibt sich auf dem Papier ein Verlust von mindestens 4,4 Milliarden Dollar (berechnet auf Grundlage der frei gehandelten Aktien). Auch die Krise bei der Zuger Rohstofffirma Glencore bekommen die Scheichs zu spüren. Wegen fallender Rohstoffpreise und seiner hohen Verschuldung stürzte der Aktienkurs von Glencore seit Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent ab. In den letzten zwölf Tagen betrug das Minus 28 Prozent, das entspricht einem Papierverlust von fast einer Milliarde Dollar für die Qatar Holding. Insgesamt hat sie innert der letzten zwei Wochen also mehr als 5 Milliarden Dollar verloren.

Laut Berechnungen der «Financial Times» hat die Holding im letzten Quartal mit acht ihrer zehn grössten Beteiligungen Verluste erzielt. Darunter mit jenen an der Agricultural Bank of China, am deutschen Industriekonzern Siemens, an der britischen Bank Barclays oder am Ölkonzern Shell. Einzig die Beteiligung am französischen Baukonzern Vinci sei mit einem Plus von rund 200 Millionen Dollar ertragreich gewesen. Insgesamt beträgt das Minus im dritten Quartal laut diesen Zahlen 13,7 Milliarden Dollar.

Bei einem totalen Fondsvolumen von 170 Milliarden Dollar dürfte die Qatar Investment Authority diese Verluste zwar verschmerzen können. Dem erklärten Ziel von 17 Prozent Rendite im Jahr sind sie aber wenig zuträglich. Der Geschäftsgang der Katarer interessiert in der Schweiz nicht nur wegen ihrer Beteiligung an Glencore, sondern vor allem wegen jener an der Credit Suisse. Die Holding besitzt zusätzlich zu den 5,2 Prozent der CS-Aktien Anrechte auf weitere 16,5 Prozent. Katar hat sogar einen eigenen Vertreter im Verwaltungsrat: Jassim bin Hamad J.J. al-Thani vertritt seit 2010 die Interessen der Scheichs an der CS-Spitze.

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