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Lehman Brothers kämpft mit der Finanzkrise

Wenige Tage nach der Rettung der US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac durch den Staat droht dem amerikanischen Finanzmarkt die nächste schwere Krise: Die Investmentbank Lehman Brothers kämpft hart mit den Folgen der Finanzmarktkrise.

Am Mittwoch beendete nun auch noch die staatseigene Korea Development Bank (KDB) die Verhandlungen über einen Einstieg bei der US-Traditionsbank. Schon am Vortag hatte sich der Lehman-Aktienkurs um fast die Hälfte auf nur mehr 7,79 Dollar reduziert.

KDB begründete die Entscheidung mit «Differenzen» und dem Verweis auf die Finanzmarktlage. Spekulationen über den Abbruch der Gespräche hatten die Lehman-Aktie am Vortag auf die Talfahrt geschickt. Statt der eigentlich für kommende Woche geplanten Bekanntgabe zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal will sich Lehman Brothers nun bereits am (heutigen) Mittwoch um 07.30 Uhr Ortszeit (13.30 Uhr) äussern.

Lehman Brothers hatte schon im zweiten Quartal wegen der US-Hypothekenkrise einen Verlust von 2,87 Milliarden Dollar hinnehmen müssen und damit erstmals seit seiner Ausgliederung aus American Express im Jahr 1994 rote Zahlen geschrieben.

Börsenwert sinkt von 36 auf 5,4 Milliarden Dollar

Analysten erwarten, dass die bereits 1850 gegründete Bank auch im dritten Quartal einen Verlust von mehreren Milliarden Dollar gemacht hat. An der Börse ist ihr Wert drastisch gesunken: Gegenwärtig ist Lehman Brothers nur noch 5,4 Milliarden Dollar wert, vor einem Jahr waren es noch 36 Milliarden. Die Kreditkrise hat Lehman bisher schon 8,2 Milliarden Dollar an Abschreibungen und Kreditverlusten gekostet.

Nach dem Fast-Kollaps von Bear Stearns im März und staatlichen Rettung der Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac droht dem amerikanischen Finanzmarkt damit erneut eine schwere Krise. Die internationale Bankbranche hat im Zusammenhang mit der seit mehr als einem Jahr grassierenden Hypothekenkrise mittlerweile mehr als 300 Milliarden Dollar verloren.

«Tiefe Wirtschaftskrise» möglich

Wie lange die Krise noch dauert und welches Ausmass sie annimmt, hängt nach Expertenansicht auch davon ab, wie tief die Immobilienpreise noch fallen. So sagte Professor Martin Hellwig vom Bonner Max-Planck-Institut der Online-Ausgabe des «manager-magazin»: «Wenn die Abwärtsspirale noch in diesem Jahr gestoppt wird, besteht die Chance, dass sich die Krise auf den Subprime-Bereich und damit auf rund 15 Prozent des US-Hypothekenmarktes beschränkt.»

Sollten die Immobilienpreise aber auch 2009 weiter fallen, könne ein erheblicher Teil des «normalen» Häusermarktes betroffen sein, erklärte Hellwig weiter. Dann könnten auch Hypothekenschuldner mit besserer Bonität und damit viele Menschen aus der amerikanischen Mittelschicht Probleme bekommen. «In diesem Fall kann uns eine tiefe Wirtschaftskrise bevorstehen, denn ich habe Zweifel, dass die US-Zentralbank in der Lage ist, einen so grossen Teil des amerikanischen Immobilienmarktes zu schützen.» Denkbar sei dann eine Krise, wie es sie in den 90er Jahren in Japan gegeben habe.

AP/cpm

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