Haefner kauft bei Schmolz + Bickenbach Gründerfamilie aus

Der Amag-Besitzer hat den Nachkommen der Gründer ihre Aktien abgekauft und besitzt nun 49,6 Prozent des Stahlkonzerns. Der Deal geht auf Kosten der Kleinaktionäre.

Laut «Bilanz» hat Haefner bis 4,5 Milliarden Franken Vermögen. Foto: PD

Laut «Bilanz» hat Haefner bis 4,5 Milliarden Franken Vermögen. Foto: PD

Martin Haefner hat noch einmal Geld in die Hand genommen und schafft klare Verhältnisse in der Besitzstruktur des angeschlagenen Stahlherstellers Schmolz + Bickenbach (S+B).

Die von ihm kontrollierte BigPoint Holding hat alle S+B-Aktien von der Schmolz Bickenbach Beteiligungs GmbH übernommen, in der die Nachkommen der Gründerfamilien ihre Anteile gebündelt hatten. Das teilten sowohl der Konzern als auch Bigpoint am Dienstag mit.

Zudem wird mit dem per 3. Januar vollzogenen Schritt die Rekapitalisierung von S+B gesichert, wie es weiter heisst. Nach der Transaktion hat die Beteiligungs GmbH ihre Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Gewährung einer Ausnahmebewilligung durch die Finma zurückgezogen.

Die Nachkommen der Gründerfamilie hatten vor der Kapitalerhöhung einen Anteil von 10,09 Prozent an S+B gehalten. Der Kaufpreis betrug 0,45 Franken pro Aktie, wie Bigpoint weiter schreibt. Dies verglichen mit dem gestrigen S+B-Schlusskurs von 0,267 Franken. Rein rechnerisch betrug der Kaufpreis damit gut 46 Millionen Franken.

Mit dem jetzigen Kauf und nach Vollzug der Kapitalerhöhung wird Martin Haefner 49,6 Prozent an dem Konzern halten, verglichen mit 44,9 Prozent ohne den Kauf der Anteile der Gründerfamilie. Damit ist der Machtkampf um S+B wohl endgültig entschieden, den sich mit dem anderen S+B Grossaktionär, dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg, vereinbart hat. Mit ihm hat sich Haefner eigentlich schon am 2. Dezember geeinigt. Gegen diesen Deal hatte aber die Erbenfamilie kurz vor Weihnachten Rekurs eingereicht. Darauf hin hat Haefner gedroht, er würde sich vom Sanierungsplan zurückziehen. In seinem Umfeld wurde auch der Verdacht geäussert, dass Vekselberg ein Doppelspiel betreibe und hinter dem Rekurs der Erbenfamilie stecke.

Das Nachsehen haben nun Vekselber und die Kleinaktionäre. Grundsätzlich muss ein Aktionär, dessen Anteil über 33,33 Prozent steigt, allen Aktionären ein öffentliches Kaufangebot zum selben Preis zu unterbreiten. Eine Ausnahme von dieser Angebotspflicht war eine der umstrittenen Bedingungen von Haefner für seine Geldspritze. Dass die Finma dies absegnete, sei rechtlich nicht zu begründen und gehe auf Kosten der Kleinaktionäre, kommentierte der Aktienrechtler Peter V. Kunz. Im konkreten Fall heisst das jetzt, die Kleinaktionäre bekommen keine Gelegenheit ihre Aktien Haefner zu 45 Rappen anzudienen, sonder sie bleiben auf ihren Titeln sitzen, die an der Börse nur etwa halb so viel wert sind. Das gilt auch für Vekselberg.

anf/sda

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