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Google-Aktie stürzt nach Informationspanne ab

Schwarzer Tag für Google: Weil der Internetkonzern seine Bilanz zu früh veröffentlichte, verlor die Aktie bis zu 10 Prozent. Das Quartalsergebnis blieb deutlich unter den Erwartungen.

Kleine Panne mit grosser Wirkung: Ein Fehler bei der Übermittlung der Google-Bilanz zum dritten Quartal an die US-Börsenaufsicht (SEC) hat am Donnerstag die Aktien des Internet-Giganten tief ins Minus stürzen lassen. Da die Zahlen weit unter den Erwartungen blieben und ein Kurseinbruch um neun Prozent folgte, wurde der Handel mit den Google-Aktien zeitweise ausgesetzt. Die Anleger sollten Zeit bekommen, die Nachricht zu verdauen. Google erklärte, eine Druckerei habe den Bericht zu früh an die SEC übermittelt.

Nach dem Absturz um neun Prozent kostete die Google-Aktie noch 687,30 Dollar - damit lag sie unter dem Preis von Microsoft, das von Google erst Anfang des Monats überholt worden war. Die Bilanz für das dritte Quartal sollte eigentlich erst nach Börsenschluss am Donnerstag veröffentlicht werden. Der Beinahe-Ausverkauf drehte den positiven Trend, der die Aktie in diesem Jahr bereits zu einem absoluten Hoch geführt hatte. In den drei Monaten vor der Panne vom Donnerstag waren die Aktien um 27 Prozent gestiegen.

Google-Chef entschuldigt sich

Google-Chef Larry Page hat sich für die Panne mit der vorzeitigen Veröffentlichung des aktuellen Quartalsberichts entschuldigt. Er bedauere das Durcheinander, sagte Page in einer Telefonkonferenz nach US-Börsenschluss.

Offensichtlich hatte der Dienstleister R.R. Donnelley die Quartalszahlen mehrere Stunden zu früh noch während des Börsenhandels öffentlich gemacht. Ursache sei vermutlich menschliches Versagen gewesen, sagte der Chef der Firma, Tom Quinlan, dem «Wall Street Journal». Es werde noch untersucht, was genau passiert sei.

Analystenerwartung deutlich verfehlt

Dem Quartalsbericht zufolge verdiente Google von Juli bis September 2,18 Milliarden Dollar, oder 6,53 Dollar pro Aktie. Im Vorjahreszeitraum betrug das Nettoeinkommen 2,73 Milliarden Dollar, oder 8,33 Dollar pro Aktie. Ohne die Kosten, die aus dem Erwerb von Motorola stammten, hätte es bei 9,03 Dollar gelegen. Die Analysten von FactSet hatten 10,63 Dollar erwartet.

Der Umsatz stieg um 45 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar. Nach Berücksichtigung von Vermittlungsprovisionen für Werbung waren es 11,33 Milliarden Dollar, Analysten hatten 11,86 Milliarden erwartet.

Motorola spielte ein wichtige Rolle für die schlechten Google-Quartalszahlen. Im Mai für 12,4 Milliarden Dollar gekauft, machte der Handykonzern 527 Millionen Dollar Minus, mehr als drei Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum, als er noch eigenständig war. Google hat dem Konzern einen einschneidenden Sparkurs verordnet: 20 Prozent der Belegschaft, also etwa 4.000 Mitarbeiter werden entlassen, jede dritte der 90 Fabriken geschlossen. Die Einsparmassnahmen kosteten zunächst 349 Millionen Dollar in dem Quartal.

Der starke Dollar ist offenbar auch für die unerwartet schlechten Google-Zahlen mit verantwortlich: Bei gleich gebliebenen Kursen wären die Einnahmen 136 Millionen Dollar höher gewesen, hiess es.

Knatsch mit Frankreich um Suchmaschinensteuer

Fernab der Börsenzahlen entbrannte zwischen dem Internetriesen und Frankreich ein Streit: Google droht der Regierung in Paris damit, künftig nicht mehr auf die Websites französischer Medien zu verlinken. Grund sind Pläne für eine Besteuerung von Suchmaschinen, wie aus einem Brief des US-Konzerns an mehrere französische Ministerien hervorgeht, der der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Google-Verantwortliche sollen am Freitag Vertreter der französischen Regierung treffen. Frankreichs Verleger hatten im September von der Regierung eine Steuer für Suchmaschinen wie Google verlangt. Fällig werden soll sie, wenn Internetnutzer etwa über die Google-Suchergebnisse auf einen online veröffentlichten Artikel zugreifen.

Kulturministerin als Befürworterin

Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti hat sich für eine solche Steuer ausgesprochen, die auf einer Erweiterung des Urheberrechts basieren würde. Ein entsprechendes Gesetz sei bereits in Arbeit, sagte die Ministerin am Mittwoch. Google erzielt gewaltige Werbeeinnahmen, indem es auf Web-Inhalte anderer Seiten verlinkt.

SDA/mrs

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