«Gefährliche Versprechen»: Gwyneth Paltrows Firma unter Beschuss

«Goop» soll gesundheitsschädigende Produkte vermarkten. Das hat nun Konsequenzen.

Verkauft mit ihrem umstrittenen Unternehmen Goop zweifelhafte Gesundheitsprodukte: Gwyneth Paltrow.

Verkauft mit ihrem umstrittenen Unternehmen Goop zweifelhafte Gesundheitsprodukte: Gwyneth Paltrow.

(Bild: Keystone Joel C. Ryan)

Caroline Freigang@c_freigang

Die Produkte versprechen Abenteuerliches: Eines namens «High-School-Gene» soll Frauen in der Menopause beim Abnehmen helfen, ein sogenanntes «Vampir-Schutzmittel»-Spray soll vor «psychischen Angriffen» und «emotionalen Schäden» schützen, der Nahrungsergänzungsmittel-Cocktail «Wieso bin ich so verdammt müde» gegen Antriebslosigkeit und Stress wirken.

Die Produkte von Gwyneth Paltrows Firma Goop spalten die Geister. Das eine Lager sind die Fans. Sie äussern sich begeistert auf sozialen Medien: Die Produkte hätten ihnen in der Menopause geholfen, in der Lebenskrise, gegen einen Kater oder beim Abnehmen. Ihre Devise: Es muss ja etwas dran sein an den Geheimrezepten der Schauspielerin, dass diese mit ihren 46 Jahren immer noch so fantastisch aussieht. Immerhin gibt sie an, alle Produkte selbst auszutesten. Gleichzeitig schlägt Paltrow aus dem anderen Lager massive Kritik entgegen.

113 Fälle mit irreführenden Behauptungen

Musste sich Goop bereits mit mehreren Rechtsfällen rumstreiten, kommt nun Ärger in Europa hinzu. In Grossbritannien hat die Pro-Wissenschafts-Organisation Good Thinking Society Goop bei den Behörden gemeldet. Der Organisation zufolge soll Goop insgesamt 113 irreführende Behauptungen auf ihrer Website aufstellen. Das verstosse gegen das britische Werberecht. Dem sollen nun zwei Regulierungsbehörden nachgehen: Die National Trading Standards und die Advertising Standards Authority.

Die Good Thinking Society wirft Goop vor, dass die Produktversprechen möglicherweise sogar gefährlich für die Gesundheit sein könnten. Bei den kritisierten Produkten handelt es sich der «Sunday Times» zufolge etwa um Sonnenschutzprodukte und um eine Medizintasche mit einer Auswahl an «gesundheitsspendenden» Steinen, die für 76 Pfund über den Tisch geht.

Auch ein pränatales Ergänzungsmittel mit dem Namen «The Mother Load» steht in der Kritik. Das Mittel enthält Goop zufolge «110 Prozent der täglich empfohlenen Dosis Vitamin A». Die britischen Gesundheitsbehörden sowie auch die Weltgesundheitsorganisation raten schwangeren Frauen aber davon ab, Produkte mit Vitamin A zu sich zu nehmen, da dies gefährlich für das Baby sein könnte.

«Nur weil sie einen Oscar hat»

«Es ist schockierend zu sehen, wie viele unbewiesene Behauptungen von Gwyneth Paltrows Goop über ihre Produkte aufgestellt wurden, zumal einige ihrer Gesundheitsratschläge potenziell gefährlich sind», sagte Laura Thomason von der Good Thinking Society dem britischen «Independent». Paltrow möge gute Absichten haben, aber sie und ihr Unternehmen verkauften Produkte mit Behauptungen, die Kunden eindeutig irreführten. «Nur weil sie einen Oscar hat, bedeutet das nicht, dass es Goop einfacher haben sollte als andere Unternehmen.»

Goop lancierte am 24. September dieses Jahres einen britischen Onlineshop sowie einen Pop-up-Laden im Londoner Stadtteil Notting Hill. Es ist der erste Schritt von Paltrows Unternehmen auf dem europäischen Markt. Im Pop-up, der britischen Medien zufolge enorm erfolgreich anlief, gibt es alles, von Klamotten über Kosmetik bis hin zu Nahrungsergänzungsmittel.

Behauptungen wissenschaftlich nicht gestützt

Die neue Beschwerden kommen einen Monat nachdem sich Goop in den USA bereit erklärt hatte, auf eine Klage mit einer Zahlung von 145'000 Dollar zu reagieren. Eine Gruppe von Anwälten hatte die Konsumentenschutzklage in Kalifornien eingereicht. Dabei ging es um Vaginal-Eier aus Jade, die Goop über seine Website verkauft. Die Eier könnten bei Frauen eine «spirituelle Entgiftung» ermöglichen, indem sie bei täglicher Anwendung negative Energie entzögen, so die Behauptung. Ausserdem würden sie Menstruationszyklen regulieren.

In der Klage hiess es, die medizinischen Behauptungen über Vaginaleier seien nicht durch kompetente und zuverlässige Wissenschaft gestützt. Gynäkologen hatten die gesundheitsfördernden Eigenschaften seit der Markteinführung angezweifelt. Die Gegenstände könnten im Intimbereich sogar eher zu Irritationen und Erkrankungen führen, sagten Fachärzte. Die Eier – ein Jade-Ei, das für 66 US-Dollar verkauft wird, und ein Rosenquartz-Ei für 55 US-Dollar – werden weiterhin auf der Goop-Website angeboten.

Gwyneth Paltrow selbst verteidigt ihr Geschäft derweil vehement. Ob die von ihr verkauften Produkte auf Pseudo-Wissenschaft basierten, wurde sie vor Kurzem im BBC-Frühstücksfernsehen gefragt. «Wir widersprechen dem mit ganzem Herzen», so Paltrow. «Wir glauben, dass es Heilmethoden gibt, die seit Jahrtausenden existieren und die vielleicht einen sehr konventionellen westlichen Arzt in Frage stellen, der nicht an die Heilkraft von ätherischen Ölen und Akupunktur glaubt.» Diese seien aber sehr hilfreich.

Hotdog-Wasser

Kritik nimmt derweil auch auf sozialen Kanälen zu. Unter Beiträgen Goops zum Thema «Nimm Matcha in deine Ernährung auf» kommentierte ein Nutzer etwa: «Wer eine Leber hat, braucht kein Detox.» Unter einem Artikel mit Tipps, wie man am besten einen Kater bekämpft – inklusive Produktempfehlungen auf der Goop-Website –, schreibt ein Nutzer auf Twitter: «Hotdog-Wasser?»

Er spielt damit auf ein Ereignis an, das sich am vergangenen Wochenende zutrug. Da fand im kanadischen Vancouver der erste sogenannte Goop Health Summit statt. Vor dem Eingang zur Konferenz, für die Teilnehmer 400 Dollar zahlten, verkaufte ein Aktivist und Künstler Wasser mit Hotdog-Einlage. Douglas Bevans, angeblicher CEO der Scherzfirma, verteilte Muster des Wurstwassers, welches er als «keto-kompatibel» und «vitalitätsfördernd» beschrieb.

Es war ein Versuch, sich über die zweifelhaften Gesundheitsprodukte von Paltrows Firma lustig zu machen und darüber aufzuklären. «Goop ist das Aushängeschild für schlechtes und fragwürdiges Marketing», sagte Künstler Bevans dem «Time»-Magazin.

Paltrow startete ihr umstrittenes Lifestyle-Geschäft im Jahr 2008 mit einem Newsletter. Darin gab sie Empfehlungen wie «Verzichtet auf weisse Lebensmittel» oder «Pflegt das innere Aussehen». Hinzu kamen Produktempfehlungen, wie ein Vaginaldampfbad. Dann expandierte Paltrow mit einem Onlineshop. Ihr Unternehmen wird Experten zufolge mit rund 250 Millionen Dollar bewertet.

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