Zum Hauptinhalt springen

Die Aktionäre stützen einhellig die umstrittenen Löhne der Konzernspitze

Mit einer Monstermehrheit von 96,02 Prozent akzeptierten die Aktionäre im Berner Kursaal am Freitag die jüngst kritisierte Vergütung des BKW-Kaders.

Über 90 Prozent Zustimmung im Kursaal für BKW-Präsident Urs Gasche.
Über 90 Prozent Zustimmung im Kursaal für BKW-Präsident Urs Gasche.
Franziska Rothenbühler

Nach dem Grossandrang im Kursaal zu schliessen, stand dort am Freitag Nachmittag eine weitere Berner Meisterfeier an. 811 Aktionärinnen und Aktionäre, die volle 92 Prozent der BKW-Aktien vertraten, strömten in den grossen Saal an die Generalversammlung des Berner Energieunternehmens.

Im imposanten Rund herrschte Fullhouse, man sah dicht geschlossene Reihen auf der Theaterbestuhlung.

Wie eine Meisterfeier

Zu feiern gab es Meisterleistungen, die dem Tor- und Punkterekord der Berner Young Boys in nichts nachstehen. BKW-Verwaltungspräsident Urs Gasche verkündigte eine Gewinnsteigerung um 11 Prozent innert Jahresfrist auf 239 Millionen Franken.

Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit 2017 um 18 Prozent gewachsen. Die Firma ist auf dem Erfolgsweg und heute 2 Milliarden Franken mehr wert als 2014. Zur Freude der Aktionäre fällt auch die Dividende höher aus.

Der Aktionärsansturm war aber wohl auch eine Reaktion auf die Debatte um die Spitzenlöhne des BKW-Kaders. Insbesondere der Lohnsprung von CEO Suzanne Thoma von 1,3 auf 2 Millionen Franken gab jüngst in der Berner Öffentlichkeit und Politik zu reden.

Weil das siebenmal mehr sind als die 275'000 Franken, die ein Regierungsrat verdient, sprachen etwa linke Kritiker von «Lohnexzessen» wie in der Privatwirtschaft. Die stünden einem Unternehmen, das zu 52 Prozent im Besitz des Kantons sei, schlecht an.

Selbst die Kantonsregierung griff in die Debatte ein und forderte den BKW-Verwaltungsrat am Dienstag auf, die Vergütung der Konzernleitung zu überprüfen und anzupassen. Der Regierungsrat beantragte allerdings keine Ablehnung der Vergütung.

Revolte blieb aus

Das Ambiente im Kursaal war in sanftes Blaulicht getaucht, der Verwaltungsrat musste aber in keinem Moment eine Alarmstimmung oder eine Revolte befürchten. Mit Zustimmungsraten von nordkoreanischem Ausmass stützten die Aktionäre die Lohnpolitik des Verwaltungsrats.

86,36 Prozent der vertretenen Aktienstimmen waren bei der Konsultativabstimmung für den Vergütungsbericht 2018, gar 96,02 Prozent für den Lohnrahmen von 8,8 Millionen Franken für die Konzernspitze in der Periode 2019/20.

«Wie bei den Young Boys braucht es Spitzenleute für Spitzenleistungen, und den Goalgetter Guillaume Hoarau fragt auch niemand nach seinem Lohn», verteidigte Aktionär Fritz Störi das Salär von CEO Suzanne Thoma.

Mit seinem Votum erfasste Störi die Stimmung im Saal wie auch den Anklang an eine Meisterfeier präzis. Störi störte sich am «Shitstorm» rund um die Lohnfrage, der das gute Ergebnis der BKW verdecke und dem Aktienkurs des Unternehmens zuletzt eine Baisse beschert habe.

Aktionär Eduard Lee hielt ein Plädoyer für die Unternehmensfreiheit und erinnerte die Politik daran, dass die BKW nicht mehr ein staatliches, sondern ein börsenkotiertes Unternehmen sei. Die BKW-Verteidiger Störi und Lee ernteten warmen Applaus.

Nur eine kritische Stimme

Obwohl die Salärfrage die Betriebstemperatur der Berner Politik in den jüngsten Wochen erhöht hatte, gab es an der BKW-Generalversammlung am Freitag nur wenige und noch weniger kritische Wortmeldungen. Aktionärin Gabriela Schguanin erinnerte daran, dass draussen auf den Berner Strassen gerade die Klimajugend demonstriere, und sie wünschte sich, dass die BKW vermehrt mit der Bevölkerung über Innovation rede.

Einzig Aktionär Willy Tschopp vermisste kritische Voten und schlug scharfe Töne an. Ohne die Kritik der Kantonsregierung an den Spitzenlöhnen hätte der Verwaltungsrat gar nicht reagiert, fand er und schloss: «Jetzt plötzlich zu beteuern, man gehe über die Bücher, ist mir zu billig.» Applaus erntete er keinen. Vertreter der Stiftung Ethos, die die Vergütung 2019/20 zur Ablehnung empfohlen hatten, meldeten sich gar nicht zu Wort.

Urs Gasches Verteidigung

Verwaltungsratspräsident Urs Gasche hatte vorher in seiner Eröffnungsrede tatsächlich beteuert, man nehme die Einwände des Regierungsrats ernst und werde das Lohnsystem überprüfen. Wie das genau geschehen soll, erklärte er nicht.

Er versicherte aber, der von den Aktionären genehmigte Vergütungsrahmen von 8,8 Millionen Franken für 2019/20 werde nicht überschritten. Eine weitere generelle Lohnerhöhung für die Konzernleitung sei nicht geplant.

Gasche monierte, nun «mitten im Spiel» ins Lohnsystem eingreifen zu wollen, sei unfair. Den Verdacht, die Lohnkompensationen seien willkürlich, wies Gasche in aller Form zurück.

Er betonte die herausragende Performance der Konzernleitung, die eine Einbusse von 80 Millionen Franken infolge Strompreiszerfall wettgemacht habe. Im Übrigen verwies er darauf, dass die schrittweise Anpassung des Lohnniveaus an das der Privatwirtschaft schon vor einiger Zeit kommuniziert worden sei.

«Wie bei den Young Boys braucht es auch bei der BKW Spitzenleute für Spitzenleistungen.»

BKW-Aktionär Fritz Störi

Auch Gasche erzielte grandiose Zustimmungsraten. Mit 99,27 Prozent der Aktionärsstimmen wurde er als Verwaltungsrat, mit 98,33 Prozent als Präsident des Verwaltungsrats bestätigt. Einzig bei seiner Wiederwahl in den Vergütungsausschuss, der die grosszügigen Spitzenlöhne beschlossen hat, musste er mit 88,37 Prozent einen kleinen Dämpfer hinnehmen.

Suzanne Thomas Dank

CEO Suzanne Thoma verlor in ihrer Ansprache kein Wort über die Salärfrage. Sie thematisierte den harten Gegenwind des Energiemarkts, freute sich über das wachsende, neu aufgebaute Dienstleistungsgeschäft der BKW, das schon ein Drittel des Gesamtumsatzes beisteuere, und bedankte sich bei der Belegschaft im AKW Mühleberg, dass sich diese nun auch beim pionierhaften Rückbau des Werks kraftvoll engagiere.

Die unumstrittene Generalversammlung schloss zeitig und entliess die Aktionäre an die wohlverdiente BKW-Meisterfeier – beim Apéro riche in der Kursaal-Wandelhalle.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch