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Frankenstärke, Rauchverbot und die Biervorlieben der Expats

Der Bierkonsum hierzulande ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Der Marktanteil von Importbieren ist mittlerweile jedoch auf 24 Prozent geklettert. Dies ist nicht die einzige Sorge der hiesigen Brauer.

Marktanteil erhöht: Deutsche Biersorten in einer Tankstelle.
Marktanteil erhöht: Deutsche Biersorten in einer Tankstelle.
Keystone

In der Schweiz wird immer mehr ausländisches Bier getrunken. Der Marktanteil beträgt inzwischen fast 24 Prozent. Trotz des Booms an Kleinbrauereien ist der Absatz der heimischen Hersteller im Braujahr 2011/12 (per Ende September) dagegen erneut gesunken. Damit setzten sich die Trends der letzten Jahre fort, wenn auch weniger prägnant. Für den Schweizer Brauerei-Verband (SBV) ist es ein Hoffnungsschimmer, dass sich das Absatzwachstum der Importbiere von 7,1 Prozent im Vorjahr auf 4,1 Prozent verlangsamt hat und sich das Minus der schweizerischen Bierproduktion (-0,3 Prozent) in Grenzen hält.

Insgesamt wuchs der Schweizer Biermarkt im vergangenen Braujahr um 0,7 Prozent auf rund 4,6 Millionen Hektoliter. Der Pro-Kopf-Konsum dürfte aber weiter gesunken sein, nahm doch die Wohnbevölkerung in den letzten Jahren stets um rund 1 Prozent zu.

Die Einwanderer bleiben teils Biermarken aus der Heimat treu. So stammen 12,2 Prozent der importierten Biere aus Portugal, 14,5 Prozent aus Frankreich und 51 Prozent aus Deutschland. Dieser Neuzuzüger-Effekt sei aber nicht entscheidend für den Markttrend, sagte SBV-Direktor Marcel Kreber an einer Medienkonferenz in Zürich.

Bier vom Discounter statt in der Beiz

Gewichtigere Faktoren seien die Frankenstärke und das unsichere Wirtschaftsumfeld. Der Einkaufstourismus habe nochmals zugenommen, ebenso die Verlagerung weg von der Gastronomie in den Detailhandel. Diese Entwicklung werde durch Rauchverbote verstärkt, sagte Verbandspräsident Markus Zemp.

Allerdings müssen die Restaurantbesucher für Bier auch immer tiefer in die Tasche greifen: Für Aufsehen sorgte im Sommer der Wirteverband Basel-Stadt, der sich gegen neuerliche Preiserhöhungen von rund 4 Prozent der dominierenden Lieferanten Heineken und Carlsberg wehrte und Direktimporte organisierte.

Den Bierkonsum drückten auch die rückläufigen Gästezahlen in den Tourismusregionen. Entscheidenden Einfluss hat das Wetter: so lasteten die durchzogenen Sommermonate auf dem Absatz, wie Zemp sagte. Gutes Grill-Wetter sei für die Brauereien wichtiger als einzelne Grossereignisse wie die Fussball-Weltmeisterschaft.

Kleinbrauereien bleiben Marktnische

Der Wettbewerb sei intensiv. Dies begünstige Innovation und steigere die Qualität, auch wenn nicht alle neuen Biersorten lange bestehen blieben, sagte Kreber. Der Boom von Klein- und Kleinstbrauereien sei gut für die Vielfalt und damit das Image von Bier. Sie erreichen aber nur eine Marktnische.

Von den über 350 Brauereien in der Schweiz gehören die 16 grössten zum SBV. Diese brauen über 97 Prozent des in der Schweiz hergestellten Bieres. Ihr Umsatz beträgt rund 1 Milliarden Franken.

Immer bedeutender wird der Marktanteil der Importbiere, der von 22,9 Prozent im Vorjahr auf 23,7 Prozent weiter gestiegen ist. Der Anteil der ausländischen Marken ist noch höher, denn das in der Schweiz gebraute Bier der beiden dominierenden Konzerne Carlsberg und Heineken wird vom SBV zum inländischen Bier gezählt.

Gegen Eingriffe

Angesichts des schrumpfenden Absatzes wehren sich die Schweizer Bierbrauer gegen Eingriffe der Politik, auch wenn sie ebenfalls keine Freude an Alkoholexzessen von Jugendlichen oder an Abfallbergen auf Ausgangsmeilen haben.

So wehrt sich der Verband bei der laufenden Revision des Alkoholgesetzes gegen nächtliche Alkoholverkaufsverbote im Detailhandel. Auch das Ansinnen von Getränkegrossisten für ein Pflichtpfand lehnt er ab, betrage doch der Glasrücklauf gut 95 Prozent.

SDA/bh

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