Eine Schwedin hat den süssesten Job in der Stadt Bern

Toblerone ist eine der bekanntesten Schweizer Marken. Seit sechs Monaten führt die Schwedin Linda Junel das weltweit einzige Toblerone-Werk in Bern Riedbach. Für sie ist es der Traumjob.

  • loading indicator
Rahel Guggisberg

Genüsslich steckt Linda Junel einen Kaffeelöffel in einen Topf mit flüssiger brauner Toblerone-Schokolade und kostet. «Jeden Tag esse ich Toblerone. Ich bekomme einfach nie genug davon», sagt die Schwedin in gebrochenem Deutsch. Es gebe Tage, an welchen sie im Werk so grosse Mengen Toblerone nasche, dass sie denke, nun könne sie definitiv nie mehr Schokolade anrühren. Doch schon am nächsten Tag esse sie wieder. Damit sie ihr Gewicht einigermassen halten könne, gehe sie täglich joggen.

Seit einem halben Jahr führt die gebürtige Schwedin nun das Toberlone-Werk in Bern Riedbach neben dem Einkaufszentrum Westside. Für den Job ist die 40-Jährige mit der Familie von Deutschland nach Gümligen gezogen. Ihre beiden Söhne, 8 und 10 Jahre alt, besuchten nun dort die internationale Schule.

Mitarbeiter faszinieren sie

Ihr Mann habe sein Pensum reduziert, damit sie sich nun voll auf ihren Traumjob konzentrieren könne: «Ein Schokoladewerk zu führen, war schon als Kind mein Traum», sagt Junel. Warum das so sei, könne sie nicht mit Worten erklären. Man könne das einfach nur nachfühlen, wenn man in einem Schokoladewerk gearbeitet habe. Sie suche intensiv den Kontakt zu den Mitarbeitern. 220 sind es, zu drei Vierteln Männer.

Viele sind aus dem Kanton Bern, und sie sind dem Arbeitgeber seit Jahrzehnten treu. «Die Menschen sind unglaublich stolz, für Toblerone zu arbeiten», sagt Junel. So eine Identifikation mit dem Unternehmen habe sie noch nie erlebt, sagt die Frau, die seit ihrem Studienabschluss in Industriechemie in Schweden mit Schokolade arbeitet. Ihre erste Station war bei der schwedischen Schokoladeherstellerin Marabou. Danach folgte ein Job bei Milka in Lörrach.

Schritt in eine andere Welt

Jeden Tag verbringt Junel mindestens eine Stunde in der Produktionsstätte. Hier gelten strengste Hygienevorschriften. Das merkt der Besucher rasch, wenn er die Welt der dreiecki-gen Schockoladezacken besucht. Nur selten dürfen Journalisten kommen. Gestern machte Junel eine Ausnahme.

Vor dem Betreten der Produktionsstätte müssen die Besucher strengste Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen beachten: Schmuck muss man abziehen, weil man damit an einer Maschine hängen bleiben könnte. Die Kleider bedecken Besucher mit einer Schürze, die Haare verschwinden unter einer Haube. Mit dem Schritt in die Produktionshalle betritt man eine andere Welt.

Riesige, ohrenbetäubend laute Maschinen mischen und walzen Kakao. Es ist 30 Grad warm. Der Geschmack nach Schokolade ist so intensiv, dass es einem fast schlecht wird. Maschinen umhüllen die fertig geformten Schokoladeriegel mit Aluminiumfolie und danach mit Karton. Alles geht so schnell, dass die Augen den Prozessen kaum folgen können.

Produziert wird die Toblerone seit 1991 nur noch in Riedbach. «Bern und die Toblerone gehören zusammen», sagt Junel. Der Bern-Bezug sei wichtig, schliesslich sei die Schokolade vor über hundert Jahren in der Berner Länggasse erfunden worden. Etwas Bedenken bereiten Junel der starke Franken und der Einkaufstourismus. Damit Arbeitsplätze nicht verlegt werden müssten, setze sie konsequent auf effizientere Maschinen, die Energie sparten. Grosse Sorgen macht sich Linda Junel aber nicht, denn die dreieckige Milchschokolade wird zu 95 Prozent ausserhalb der Schweiz abgesetzt. Die zackige Kalorienbombe gehört zum Standardsortiment in den Schokoladeregalen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt