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Ein Fall für die Finma

Thomas Knellwolf, Leiter Recherchedesk, über die heiklen Praktiken der Schweizer Grossbanken in China.

Thomas Knellwolf

Schweizer Vermögensverwalter verteidigen ihr Geschäftsgebaren bis heute mit einem Lieblingsargument: Das Bankgeheimnis und andere Spezialitäten des helvetischen Finanzsektors schützten Verfolgte. Dies mag im Falle von Oppositionellen aus autoritären Regimes stimmen. Als Beleg mögen einige historische Einzelfälle (aus dem Zweiten Weltkrieg) und ein paar wenige aktuelle (Chodorkowski) dienen. Und trotzdem ist vieles davon Mythos.

Neue Enthüllungen aus dem Fundus von Offshore-Leaks deuten darauf hin, dass global agierende Banken bis vor kurzem kriminelle Strukturen schützten. Das gilt nicht nur für die schweizerischen – aber es gilt auch für sie. Trotz all der Anti-Geldwäscherei-Bemühungen der Schweiz. Undurchsichtige Offshore-Konstrukte ermöglichten es der korrupten Elite in China, Vermögen aus fragwürdigen Geschäften ausser Landes zu schaffen. So werden im kommunistisch-kapitalistischen Mischsystem die Mächtigen immer mächtiger, die Reichen reicher.

Dazu tragen Schweizer Unternehmen nicht nur durch ihre Tresor­systeme bei. Sie wissen sich in der Volksrepublik China auch Vorteile zu sichern, indem sie die Gunst von Angehörigen der Machthaber erwerben. Vieles in den Offshore-­Leaks-Enthüllungen deutet auf Vetternwirtschaft hin, die mit einer Stange Geld gefördert wird. Weniges deutet darauf, dass die Banken ihre mit viel Eigenlob bedachte Weissgeldstrategie auch in Wachstumsmärkten mit letzter Konsequenz durchsetzen wollen.

Für die Schweiz und ihren Finanzsektor bringt das ein enormes Reputationsrisiko mit sich. Die US-Börsenaufsicht SEC hat wegen der mutmasslichen Beziehungskorruption Untersuchungen gegen die Banken aufgenommen. Die Finanzmarktaufsicht Finma darf nicht passiv bleiben. Sie muss die Deals der CS und der UBS mit Angehörigen der chinesischen Machthaber unter die Lupe nehmen – ungeachtet des Freihandelsabkommens des Bundes mit China, ungeachtet der Bemühungen der Schweiz, Europas Handelsplatz für die chinesische Währung Renminbi zu werden. Zu viel steht für unser Land auf dem Spiel.

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