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Die Schwächen der Käufer

Saint-Gobain, das Unternehmen, das Sika übernehmen will, ist deutlich grösser als die Schweizer Firma, und seine Ursprünge gehen bis zum Sonnenkönig zurück.

Nicht ganz so beeindruckend wie der Hauptsitz von Saint-Gobain in der Pariser Défense und die 350-jährige Geschichte sind die Ergebnisse des Unternehmens.
Nicht ganz so beeindruckend wie der Hauptsitz von Saint-Gobain in der Pariser Défense und die 350-jährige Geschichte sind die Ergebnisse des Unternehmens.
Keystone

Das französische Unternehmen Saint-Gobain ist um ein Vielfaches grösser als Sika, das Schweizer Unternehmen, das die Franzosen mit einer Stimmenmehrheit von 52 Prozent und einer Kapitalminderheit von 16 Prozent beherrschen werden. 190'000 Personen arbeiten weltweit für Saint-Gobain, im Vergleich zu nur rund 17'000 Beschäftigten bei Sika.

Saint-Gobain hat eine besonders lange Tradition. Sie reicht zurück bis in die Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert. Das Unternehmen stammt von der königlichen Manufaktur von Spiegelglas ab und hatte seinen Hauptproduktionsstandort im kleinen Örtchen Saint-Gobain im Nordosten Frankreichs. Von da stammt der Name des Unternehmens.

Wie Sika Bauzulieferer

Zwei Konstanten sind seit jener Zeit geblieben: die Spezialisierung auf Glas und die Nähe zu den französischen Obrigkeiten – später zum Staat. Flachglas dominiert zwar heute nicht mehr den Umsatz des Unternehmens, hat aber nach wie vor eine grosse Bedeutung: Mit 3,7 Milliarden Euro hat Saint-Gobain in den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres 12 Prozent des Gesamtumsatzes von 31,6 Milliarden Euro erzielt. 26'000 Beschäftigte hat der Bereich, der in Europa Nummer 1 und weltweit Nummer 2 ist.

Auch mit seinen weiteren Produkten ist das französische Unternehmen Zulieferer für den Bau. Dazu gehören Stoffe wie Gipskartonplatten, Akustikdecken, Glas- und Steinwolle, Putze, Mörtel und Rohrleitungsguss. Des Weiteren ist Saint-Gobain stark im Baufachhandel und hat auch ein Bein im Bereich Verpackungen. In der Schweiz gehört dem Unternehmen seit 2005 bereits die Firma Sanitas Troesch, die auf Bad- und Küchenbau spezialisiert ist. Ausserdem kooperieren die Franzosen mit dem Batterieunternehmen Leclanché.

Saint-Gobain zählte stets zu den Champions der französischen Wirtschaft und hat – wie so viele grosse französische Unternehmen – zwischenzeitlich auch dem Staat gehört. Auch ein Zusammenschluss mit dem Zementriesen Lafarge wurde schon diskutiert, was dann aber doch nicht zustande kam. Lafarge will sich mit dem Schweizer Zementkonzern Holcim zusammenschliessen.

Mässiger Geschäftserfolg

Weniger beeindruckend ist Saint-Gobain beim geschäftlichen Erfolg, wenn man die jüngste Vergangenheit zum Massstab nimmt. Im Jahr 2013 ging der Umsatz verglichen zum Vorjahr um 2,7 Prozent zurück, bereinigt um Währungseffekte blieb er unverändert. Der Gewinn reduzierte sich sogar um 14 Prozent (währungsbereinigt um 7 Prozent). Seither liegen nur Zahlen zum Umsatz vor. Dieser ist in den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zur gleichen Vorjahresperiode ebenfalls geschrumpft – um 1,8 Prozent, bereinigt um Effekte, die einen Vergleich verzerren, ist er gemäss dem Unternehmen immerhin um 2,7 Prozent gewachsen.

Hier kommt Sika deutlich besser weg. In den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres haben die Schweizer ihren Umsatz um fast 16 Prozent erhöht (9,6 Prozent in Schweizer Franken), der Gewinn ist in der gleichen Zeit um 21 Prozent angestiegen. Um 23,8 Prozent stieg er schon im Jahr 2013 an, der Nettoumsatz um 6,5 Prozent. Die Unterschiede in der Profitabilität zeigen sich denn auch in den Börsenkursen: Seit Anfang 2013 bis vor dem Kurssturz am Montag hat die Aktie von Saint-Gobain um 15,6 Prozent zugelegt, diejenige von Sika um 84,2 Prozent. (mdm)

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