Die grossen Pläne der «Swiss Skies»-Gründer

Die angekündigte Fluggesellschaft soll schon im nächsten Jahr starten. Noch fehlen aber 100 Millionen Dollar zur Umsetzung. Experten bleiben skeptisch.

Derer Airbus A321neo ermöglicht Langstreckenflüge mit tieferem Kerosinverbrauch. Das Flugzeug bietet rund 190 Sitzplätze.

Derer Airbus A321neo ermöglicht Langstreckenflüge mit tieferem Kerosinverbrauch. Das Flugzeug bietet rund 190 Sitzplätze.

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«Die Fluggesellschaft wird mit einer Flotte von 38 Flugzeugen 45 Ziele auf 5 Kontienten bedienen und 1900 Mitarbeiter beschäftigen», heisst es in der Medienmittteilung der «Swiss Skies»-Macher. So ambitiös soll die erste Schweizer Fluggesellschaft, die Langstreckenflüge zu Billigpreisen anbieten will, durchstarten. Erstmals gaben die Köpfe hinter dem derzeit «heissesten Aviatik-Projekt» heute weitere Informationen zu ihrem Vorhaben bekannt.

Was nach den jüngsten Pleiten von Fluggesellschaften wie Skywork oder AirBerlin bei vielen in der Branche nur Kopfschütteln auslöst, ist aber kein Hirngespinst von ein paar Startup-Unternehmern. Die vier Projektverantwortlichen meinen es ernst mit der Geschäftsidee. Bereits seit Monaten arbeiten sie an «Swiss Skies». So fanden bereits im Frühling Gespräche mit wichtigen Exponenten aus der Branche und der Region Basel statt - darunter Vertreter des EuroAirports und der Basler Regierung.

Die neue Fluggesellschaft will Geschäfts- und Freizeitreisende ansprechen, «indem sie regionale, nicht überlastete und kostengünstige Flughäfen nutzt», wie es in der Medienmitteilung heisst. Dadurch sollen Reisezeit sowie die Ticketkosten um bis zu 30 Prozent tiefer sein, als bei anderen Anbietern.

A321neo als Langstreckenflugzeug

Zwei zentrale Erfolgsfaktoren stehen im Mittelpunkt der Strategie. Der Flughafen in Basel, der ein Einzugsgebiet mit potenziellen Kunden aus drei Ländern zählt und bisher keine Langstreckenverbindungen kennt. Hinzu kommt, dass die neue Generation an Flugzeugen, genauer gesagt der Airbus A321neo LR, es ermöglicht, Langstreckenflüge mit tieferem Kerosinverbrauch durchzuführen. Das Flugzeug bietet rund 190 Sitzplätze. Dadurch ist eine volle Auslastung bei tieferen Kosten leichter möglich.

Die «Swiss Skies»-Leute sehen vor allem bei der Basler Pharma- und Life Science-Industrie Potenzial für Geschäftsflüge in die USA. Auf Anfrage heisst es bei Novartis dazu: «Grundsätzlich ist die Novartis sehr interessiert an einer guten Anbindung des EuroAirports Basel-Mulhouse-Freiburg an weltweite Destinationen. In den USA sind vor allem Newark und Boston unsere wichtigsten Ziele.» Des weiteren soll die neue Airline aber auch Feriengäste im Direktflug in die Karibik bringen.

Fragezeichen Flugzeugbeschaffung

Der frühere Crossair-Kadermann und heutige Berater Thomas Frischknecht betrachtet das Projekt nicht als chancenlos. «Das Businesskonzept tönt grundsätzlich interessant», sagt Thomas Frischknecht. «Durch den neuen Airbus A321neo LR wird das Geschäftsmodell, wie es Swiss Skies vorsieht, ermöglicht». Für Frischknecht macht auch die Konzentration auf den EuroAirport Sinn. Fragezeichen setzt der Aviatikkenner jedoch bei den hochgesteckten Zielen. «In Basel sehe ich mittelfristig das Potenzial von höchstens 3 bis 5 Flugzeugen im Langstreckenbereich», sagt er. Eine weitere Herausforderung werde die rechtzeitige Beschaffung der Flugzeuge sein. Airbus habe zahlreiche Bestellungen von anderen Airlines und werde nicht alle der begehrten Flugzeuge rechtzeitig ausliefern können.

Auch für den deutschen Aviatikjournalist Heinrich Grossbongardt sind die Pläne von «Swiss Skies» aufgrund der neuen Technik und der Marktlücke «Langstrecken-Billigflüge» nicht chancenlos. Er erinnert jedoch an das grosse Risiko. «In den letzten zehn Jahren hat es in Europa keine erfolgreiche Gründung einer unabhängigen Airline mehr gegeben», sagt Grossbongardt. Die Branche wachse zwar, das mache sie attraktiv für neue Mitbewerber und Geschäftsmodelle. «In dem Moment, wo es aber attraktiv wird, auf einer Strecke Geld zu verdienen, werden auch die grossen Marktplayer aktiv», erklärt Grossbongardt. Das habe man immer wieder erlebt. «Die Marktmacht der Grossen ist überwältigend», sagt Grossbongardt.

Treffen mit Investoren geplant

Hinter «Swiss Skies» stehen vier Kenner der Aviatik-Branche, wie es heisst. Drei Namen sind bereits bekannt. Der Schweizer Alvaro Oliveira ist Pilot und arbeitete als Flugoperationschef beim brasilianischen Billigflieger Azul. «Wir wollen zu einem echten Disruptor für die Luftfahrtindustrie werden…» und «… die Nachfrage nach Langstreckenflügen mit niedrigem Preisniveau wächst…», wird er in der Medienmitteilung zitiert. Ein weiterer Mitgründer der geplanten Airline ist Armin Bovensiepen. Er ist als selbständiger Berater tätig und war zuvor Manager bei Air Berlin sowie Verkaufschef bei der österreichischen Niki Luftfahrt.

Die für die Kommunikation von «Swiss Skies» zuständige PR-Agentur Farner bestätigt noch einen dritten Namen. Philippe Blaise, ehemaliger Mitarbeiter der Fluggesellschaften Etihad und Swiss. Er hat mit Oliveira im November die «CH Airways Holding» mit Sitz in Zug gegründet, wie die Aargauer Zeitung schreibt.

Den vierten Gründer der möglichen neuen Airline und weitere Informationen zum Projekt «Swiss Skies» soll es am Freitagmorgen an einer kurzfristig festgelegten Medienkonferenz geben. Wie ein Sprecher von Farner sagt, sei man in den letzten Tagen «total überrannt worden mit Anfragen». Anscheinend haben die Verantwortlichen das grosse Medieninteresse unterschätzt.

Gespannt darf man erstmals sein, ob es den vier Airline-Planern gelingen wird, die nötigen 100 Millionen Dollar Startkapital zu erhalten. Am Donnerstag findet dazu ein Treffen mit geladenen Investoren in Basel statt. Lässt sich niemand finden, der an die tollkühnen Pläne glaubt und das nötige Geld locker macht, war das Ganze nicht viel mehr als heisse Luft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2018, 18:40 Uhr

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