Der Toblerone-Chef wehrt sich

Obwohl der Bund die Regeln bei der Swissness nicht so streng auslegen will wie geplant, bleibt Toblerone-Herstellerin Mondelez kritisch. Ihr Schweiz-Chef Daniel Meyer nimmt Stellung.

Möchte einen Termin bei Bundesrätin Sommaruga: Daniel Meyer, Länderchef Schweiz bei Toblerone-Herstellerin Mondelez.

Möchte einen Termin bei Bundesrätin Sommaruga: Daniel Meyer, Länderchef Schweiz bei Toblerone-Herstellerin Mondelez.

(Bild: zvg/Howard Brundrett)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Die Milch in Toblerone und anderen Lebensmitteln muss nun doch nicht zu 100 Prozent aus der Schweiz stammen, damit diese das Label «Swiss made» erhalten. Ist Ihr Problem nun gelöst?
Daniel Meyer: Nein. Es ist zwar schön, dass der Bund wenigstens in diesem Punkt nachgibt. Aber das löst unser Problem nicht.

Sie müssen nur noch die «normale» Vorgabe der Swissness einhalten: 80 Prozent der Rohstoffe müssen von hier stammen. Geht das nicht?
Im Moment halten wir diese Quote bei der Toblerone knapp ein. Aber ich weiss nicht, ob wir uns das mittelfristig noch leisten können. Die Lage der Nahrungsmittelexporteure ist aufgrund der Frankenstärke und der hohen Rohstoffpreise dramatischer, als man das im Bundeshaus wahrhaben will. Unser Verband Promarca versucht schon seit einiger Zeit, bei Bundesrätin Simonetta Sommaruga einen Termin zu bekommen, um ihr die Lage aus Herstellersicht darzustellen. Leider hatte sie bisher keine Zeit.

Was würden Sie ihr sagen?
Dass die Swissness die Probleme unserer Branche gefährlich verschärft. Wir leben vom Export. 97 Prozent der Toblerone verkaufen wir im Ausland, zu einem grossen Teil in Europa. Nach dem Absturz des Euro in den letzten Jahren kamen wir nicht darum herum, im Euroraum massive Preiserhöhungen vorzunehmen. Prompt sind unsere Verkäufe eingebrochen.

Wie stark?
Zahlen nennen wir nicht, aus Konkurrenzgründen. Aber es sind deutliche Einbussen. Die Exportfähigkeit der Schweizer Nahrungsmittelhersteller wird infrage gestellt. Das liegt auch daran, dass wir unsere Rohstoffe – Milch und Zucker – im abgeschotteten und entsprechend teuren Schweizer Agrarmarkt einkaufen müssen.

Der Bund gleicht diesen Nachteil ja durch die «Schoggigesetz»-Millionen weitgehend aus...
... nur zum Teil. Der Ausgleich funktioniert seit Jahren immer schlechter, da die Preisdifferenzen grösser werden. Und nun kommt auch noch die Swissness-Vorlage dazu. Mit ihr will man uns zwingen, mindestens 80Prozent der Rohstoffe bei den Schweizer Bauern einzukaufen. Andernfalls werden wir abgestraft: Wir dürften Toblerone nicht mehr als «Swiss made» bezeichnen und das Schweizer Kreuz nicht mehr verwenden.

Aber wenn Sie heute 80 Prozent der Rohstoffe im Inland beziehen, warum soll das künftig nicht mehr gehen?
Ich sage nicht, dass es nicht mehr geht. Ich sage nur, dass die Swissness unseren Spielraum extrem einschränkt: Wir können nicht mehr entscheiden, aus Kostengründen vorübergehend etwas mehr Milchpulver und Zucker aus dem Ausland beizumischen, da wir sonst gleich das Schweizer Markenzeichen verlieren. Zudem wird unsere Verhandlungsposition gegenüber den Lieferanten geschwächt, wenn wir auf ihre Produkte angewiesen sind, um die Swissness-Vorgaben zu erfüllen. Sie kommen so quasi in eine Monopolsituation.

Was unternehmen Sie konkret, wenn die Swissness-Vorgaben wie geplant in Kraft treten?
Entscheide haben wir noch keine gefällt, wir arbeiten aber an verschiedenen Szenarien. Das Unerfreulichste sieht vor, dass wir gar keine Rohstoffe aus der Schweiz mehr verwenden, um unsere Kosten und damit auch die Preise im Ausland zu senken.

Gar keine Schweizer Rohstoffe mehr? Warum nicht einfach etwas weniger?
Weil wir die Herkunftsbezeichnung Schweiz sowieso verlieren, auch wenn der Anteil ausländischer Rohstoffe nur leicht steigt. Dann können wir auch gleich alle Rohstoffe aus dem Ausland beziehen – so sparen wir mehr. Aber ich möchte betonen: Das ist nicht unser bevorzugtes Szenario.

Wie sähe dieses aus?
Wir möchten weiterhin mindestens 80 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz beziehen, aber zu tieferen Preisen. Wir könnten uns vorstellen, dass der Bund das «Schoggigesetz»-System umbaut. Heute überweist er die Millionen an uns, wir geben sie an die Bauern weiter. Einfacher wäre, wenn das Geld direkt an die Bauern ginge und diese im Gegenzug ihre Rohstoffe günstiger verkauften, soweit sie für den Export bestimmt sind.

Dazu müsste der Bund aber mehr als die heutigen 95 Millionen Franken pro Jahr ausgeben.
Das kann sein. Das ist nun mal der Preis für die Landwirtschaft im heutigen Rahmen. Ich verstehe gut, dass die Schweizer Bauern nicht zu europäischen Preisen produzieren können. Aber man kann nicht einfach unsere Branche zwingen, dieses Problem auszubaden. Die Bauern haben es geschafft, uns mit der Swissness-Vorlage noch stärker unter Druck zu setzen. Irgendwann geht diese Rechnung nicht mehr auf.

Denkt Mondelez ernsthaft daran, die Schweiz als Produktionsstandort aufzugeben, wie das mehrere Medien berichteten?
Nein. Wir stehen zur Schweiz und möchten Toblerone weiterhin in Bern produzieren. Dazu benötigen wir aber faire, flexible Rahmenbedingungen beim Einkauf, denn wir stehen im globalen Wettbewerb.

Berner Zeitung

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