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Der Rucksack quoll über vor lauter Banknoten

Die Cyber-Gangster mit ihrer 45-Millionen-Dollar-Beute hackten Prepaid-Kreditkarten und pilgerten dann von Bancomat zu Bancomat. Wie der Coup genau ablief und wie die Diebe danach mit dem Geld posierten.

Geld abgehoben und zwecks Geldwäsche Rolex gekauft: Die Ermittler zeigten Bilder der Cyberbande und deren Beute.
Geld abgehoben und zwecks Geldwäsche Rolex gekauft: Die Ermittler zeigten Bilder der Cyberbande und deren Beute.
Reuters
Innert weniger Stunden Millionen erbeutet: Diese zehn Männer sollen an den gekennzeichneten Bancomaten in New York zugeschlagen haben.
Innert weniger Stunden Millionen erbeutet: Diese zehn Männer sollen an den gekennzeichneten Bancomaten in New York zugeschlagen haben.
Keystone
Mit gewöhnlichen Magnetkarten, die zu Prepaid-Kreditkarten umfunktioniert wurden, gingen die Kriminellen auf Beutezug. (Archivbild)
Mit gewöhnlichen Magnetkarten, die zu Prepaid-Kreditkarten umfunktioniert wurden, gingen die Kriminellen auf Beutezug. (Archivbild)
Keystone
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Es ist ein Raubüberfall der besonderen Art: In zwei Aktionen manipulierten Kriminelle aus mehreren Ländern Kreditkarten und erbeuteten so zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 rund 45 Millionen Dollar. Ermittler vergleichen den Coup mit dem Überfall auf eine Lufthansa-Maschine im Jahr 1978, bei dem rund sechs Millionen Dollar aus einem Frachtraum gestohlen wurden und von dem sich Martin Scorsese zum Mafiafilm «Good Fellas» inspirieren liess.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der New Yorker Staatsanwaltschaft mussten sich die Gangster dafür nicht einmal die Finger schmutzig machen. Anstelle von Pistolen und Masken benötigten sie für ihren Raubzug nur Laptops und das Internet. Ihr Opfer: Die Anbieter von Prepaid-Kreditkarten – Kreditkarten also, die per E-Banking oder Einzahlungsschein mit einem bestimmten Geldbetrag aufgeladen und danach weltweit zum bargeldlosen Bezahlen benützt werden können, bis der Wert aufgebraucht ist.

PIN-Codes auf beliebige Karten geladen

Die US-Ermittler erklärten gestern, wie die modernen Bankräuber vorgegangen sind: Sie hackten sich zunächst in die Datenbanken der Prepaid-Kreditkartenfirmen ein und hoben die Obergrenze für Barbezüge auf. Danach kreierten sie PIN-Codes und luden diese auf beliebige Magnetkarten, die nun als Prepaid-Kreditkarten fungierten, zum Beispiel alte Hotel-Schlüsselkarten.

Mit diesen hoben dann Komplizen in mehreren Grossstädten – darunter auch New York – an Tausenden Geldautomaten Cash ab. Im Dezember 2012 erbeuteten sie so 5 Millionen Dollar. Im Februar 2013 starteten sie eine zweite Aktion und stahlen rund 40 Millionen Dollar innerhalb von etwa zehn Stunden, wie die «New York Times» berichtet. Von der zweiten Aktion haben Überwachungskameras in Manhattan entlarvende Aufnahmen gemacht: Darauf zu sehen ist einer der Verdächtigen, der von Bancomat zu Bancomat geht und seinen Rucksack mit immer mehr Bargeld befüllt, bis dieser schliesslich fast überquillt.

Am Raubzug beteiligt waren kriminelle Zellen in mehr als 20 Ländern. Im ersten Fall war das Opfer eine indische, im zweiten Fall eine britische Firma, die zuständig für die Zahlungsabwicklung sind. Das US-Unternehmen Mastercard erklärte in einer Stellungnahme, man arbeite mit den US-Ermittlungsbehörden zusammen. Die eigenen Systeme seien von den Cyberattacken nicht betroffen gewesen, Sicherheit stehe für Mastercard an erster Stelle.

Die betroffenen «Prepaid Debit Cards» werden nach Branchenangaben vor allem in den USA, aber auch in Italien und in fast allen anderen europäischen Ländern genutzt. In der Schweiz sind diese Guthaben-Karten laut der Nachrichtenagentur sda hingegen weniger verbreitet.

Mit der Beute vor der Kamera posiert

Die Crew von New York hat sich laut der Staatsanwaltschaft nach der zweiten Aktion schnell ans Geldwaschen gemacht. So kauften die Gangster sich unter anderem Luxuslimousinen und Rolex-Uhren. Doch nicht nur das: Mit der Beute posierten sie nach der Tat auf Fotos (siehe Bildstrecke), die Ermittler fanden die Bilder auf dem Handy eines Verdächtigen.

Sieben von ihnen – die meisten stammen aus einem New Yorker Vorort und sind zwischen 22 und 24 Jahre alt – wurden von der New Yorker Staatsanwaltschaft festgenommen. Bei ihnen wurden offenbar mehrere Hunderttausend Dollar Bargeld sichergestellt. Sie sind jedoch nach ersten Erkenntnissen nur Handlanger. Der mutmassliche Anführer der Crew soll Ende April in der Dominikanischen Republik ermordet worden sein. Ob sein Tod mit dem Bankenraub in Verbindung steht, ist laut den Behörden noch nicht klar.

«Ein systemisches Risiko für das Finanzsystem»

Der Fall ist aus mehreren Gründen spektakulär. Einerseits taten sich Computer-Hacker und Strassenkriminelle aus aller Welt zusammen und stellten eine straff orchestrierte Aktion auf die Beine. Andererseits zeigten die Diebstähle, wie verwundbar das Prepaidsystem sei, schreibt die NYT. Weil die Prepaidkarten nicht zu persönlichen Bankkonten gehören, hätten die Täter zudem Millionen von Dollars abheben können, ohne dass ihnen jemand auf die Schliche kam. Erst nach dem zweiten Beutezug habe Mastercard den Sicherheitsservice alarmiert, schreibt die NYT. Unklar ist deshalb bislang auch noch, wem durch die Bezüge ein finanzieller Schaden entstanden ist. Klar sei jedoch, dass Überfälle solcher Art «ein systemisches Risiko für das Finanzsystem» darstellen könnten, sagt ein ehemaliger Staatsanwalt gegenüber der NYT.

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