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«Der Fehler ist unverzeihlich»

Eine Datenaffäre erschüttert Informationsdienst Bloomberg. Journalisten des Konzerns hatten Einblick in das Verhalten von Kunden. Zu diesen zählen auch US-Notenbank und Finanzministerium.

Bloomberg verdient Geld mit der Verbreitung von Börseninformationen, Unternehmensdaten und Wirtschaftsnachrichten: Stand des Informationskonzerns am WEF in Davos. (Archivbild Keystone)
Bloomberg verdient Geld mit der Verbreitung von Börseninformationen, Unternehmensdaten und Wirtschaftsnachrichten: Stand des Informationskonzerns am WEF in Davos. (Archivbild Keystone)

Der US-Finanzinformationsdienstleister Bloomberg steht wegen fragwürdigen Umgangs mit Kundendaten unter Druck. Das vom heutigen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gegründete Unternehmen räumte ein, dass seine Redakteure bis vor kurzem Einblick in das Verhalten von Nutzern des Dienstes hatten.

«Der Fehler ist unverzeihlich», erklärte Chefredakteur Matthew Winkler in einer Stellungnahme. «Wir haben unsere Regeln im vergangenen Monat sofort geändert.»

Eingschränkter Zugriff

Bloomberg verdient sein Geld mit Informationen für die Finanzbranche. Die sogenannten Bloomberg-Terminals stehen weltweit auf den Schreibtischen von Bankern und anderen Finanzexperten. Auf den Computern laufen börsenrelevante Daten und Nachrichten ein, von denen milliardenschwere Investitionsentscheidungen abhängen. Entsprechend sensibel sind die Nutzer in Sachen Datenschutz.

Winkler schrieb, dass Bloomberg-Journalisten erkennen konnten, wann ein Nutzer sich an seinem Terminal angemeldet hatte. Die Journalisten konnten demnach auch sehen, für welche übergeordneten Themenfelder sich der Kunde interessierte, und sie bekamen seine Anfragen an den technischen Kundendienst mit. Winkler hielt allerdings fest, dass der Zugriff der Journalisten stets eingeschränkt war. Demnach war für die Journalisten nicht ersichtlich, welche Artikel und Börsendaten im Detail von den Nutzern abgefragt wurden.

Die Journalisten konnten aber herausfinden, wann sich ein Nutzer zuletzt eingeloggt hatte. Dies sorgte dann auch dafür, dass einer der Kunden von Bloomberg auf die Zugriffsrechte aufmerksam wurde: Ein Bloomberg-Journalist erkundigte sich laut der Nachrichtenagentur Reuters bei einem Angestellten von Goldman Sachs danach, ob dessen Arbeitskollege noch bei der Firma arbeite – denn dieser habe sich schon länger nicht mehr in das Bloomberg-System eingeloggt.

Anschliessend beschwerte sich Goldman Sachs offenbar bei Bloomberg und bewog den Konzern damit zur nun angekündigten Einschränkung der Zugriffsrechte.

Auch andere Kunden von Bloomberg sind nun wenig erfreut: Laut Angaben von Reuters wollen die amerikanische Nationalbank und das amerikanischen Finanzministerium sich den Fall genauer anschauen.

15'000 Mitarbeiter

Der Informationskonzern Bloomberg war 1982 gegründet worden und beschäftigt heute 15'000 Mitarbeiter, davon 2400 Journalisten. Hauptkonkurrent ist Thomson Reuters.

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