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Investor der geplanten Schweizer Metro hat Probleme

Ist Cargo sous Terrain in Gefahr? Ein Geldgeber des Grossprojekts im Mittelland ist in China mit drastischen Sperren belegt worden.

Yvonne Debrunner
Die Cargo-sous-Terrain-Delegation bei Doris Leuthard. Rechts neben der Bundesrätin ist Verwaltungsratspräsident Guan Jianzhong. Foto: PD
Die Cargo-sous-Terrain-Delegation bei Doris Leuthard. Rechts neben der Bundesrätin ist Verwaltungsratspräsident Guan Jianzhong. Foto: PD

Es ist eines der visionärsten Projekte, die in der Schweiz derzeit vorangetrieben werden: Cargo sous Terrain, die Metro, die Güter dereinst vollautomatisch durch das gesamte Schweizer Mittelland transportieren soll. Neben grossen inländischen Playern wie Migros, Coop, Post oder Swisscom standen auch ausländische Investoren Schlange, um sich an dem Projekt zu beteiligen.

Mit von der Partie ist die chinesische Dagong Global Investment. Dagong ist kein gewöhnlicher Investor. Denn in erster Linie handelt es sich bei dem Unternehmen aus Peking um eine Ratingagentur. Sie ist die bekannteste Konkurrentin der US-Riesen Standard & Poor’s oder Moody’s in China.

Nun scheint der chinesische Geldgeber aber selbst in Problemen zu stecken: Das Unternehmen wurde vom Staat mit Sperren belegt, wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg meldete. Dagong darf für ein Jahr keine Wertschriften mehr bewerten. Es handle sich um die strengste Strafe, die je gegen eine Ratingagentur verhängt worden sei, schreibt Bloomberg.

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Die chinesischen Behörden bezeichneten Dagongs Management als «chaotisch». Das Unternehmen habe dem Regulator falsche Informationen zukommen lassen. Zudem habe Dagong die Kreditwürdigkeit von Unternehmen bewertet und ihnen gleichzeitig teure Beratungsdienstleistungen verkauft. Die Unabhängigkeit als Ratingfirma sei damit «schwerwiegend verletzt» worden.

Dagong entschuldigte sich. In einer Stellungnahme, welche das Unternehmen auf seiner Website aufschaltete, war von Problemen bei der internen Risikokontrolle die Rede. Dagong versprach, die geforderten Änderungen vorzunehmen.

Cargo sous Terrainist nicht alarmiert

Ist nun das Projekt Cargo sous Terrain in Gefahr? Verwaltungsratspräsident Peter Sutterlüti ist am Samstag über die Probleme bei Dagong informiert worden. Nun kläre Cargo sous Terrain mit Hochdruck ab, was die Folgen seien, sagt er. Sutterlüti geht davon aus, dass die Investition nach wie vor zustande komme. Denn gerügt worden sei Dagong Global Credit, die Ratingfirma. Beim Schweizer Metro-Projekt sei dagegen Dagong Global Investment beteiligt. «Juristisch gesehen sind es zwei unterschiedliche Unternehmen», sagt Sutterlüti. Das hätten ihm die chinesischen Partner bestätigt.

Formal mag das stimmen. Faktisch steht hinter beiden Unternehmen aber derselbe Mann: Guan Jianzhong. Der Chinese ist Verwaltungsratspräsident beider Unternehmen. Und er war es auch, der Anfang dieses Jahres persönlich nach Bern reiste, ins Hotel Bellevue. Dort nahm Guan an einer Medienkonferenz teil, an der verkündet wurde, dass die 100 Millionen Franken für die Planung des ersten Streckenabschnitts zwischen Härkingen und Zürich nun zusammen seien.

So soll die unterirdische Metro funktionieren. Video: CST

Das Foto vom Januar zeigt Bundesrätin Doris Leuthard umringt von den Männern, die hinter Cargo sous Terrain stehen, wie Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen, Coop-Chef Joos Sutter oder Post-Logistikchef Dieter Bambauer. Und direkt neben Leuthard: Guan Jianzhong.

Bedeutet die prominente Platzierung, dass die Chinesen der grösste Geldgeber sind? Das ist unklar. Bislang wurde nicht bekannt gegeben, welchen Anteil der 100 Millionen sie beisteuern. Sicher ist nur, dass es weniger als 50 Millionen sind. Denn mehr als die Hälfte des Kapitals stammt aus der Schweiz. Das war eine Bedingung des Bundesrates.

Projektunterlagen liegen beim Bundesamt für Verkehr

Die Landesregierung wird sich demnächst mit dem Projekt befassen. Sie ist bereit, dieses unter gewissen Bedingungen mit einem Spezialgesetz zu unterstützen. Dies würde die Planungs- und Bewilligungsphase erleichtern. Denn anstelle der verschiedenen kantonalen und kommunalen Bauvorschriften käme eine einheitliche Rechtsgrundlage zur Anwendung.

Derzeit liegen die Projektunterlagen beim Bundesamt für Verkehr (BAV). Dieses prüft, ob die Bedingungen des Bundesrates erfüllt sind. «Ungefähr im Herbst» soll die Prüfung abgeschlossen sein, erklärt BAV-Sprecherin Olivia Ebinger. Über die Probleme bei Dagong sei das Amt informiert. «Wir behalten die Entwicklung im Auge», sagt Ebinger.

Bildstrecke: Unterirdischer Gütertransport durch die Schweiz

In einem Logistikzentrum sollen die Güter von der Strasse auf die U-Bahn, genannt Cargo sous terrain (CST), verladen werden und umgekehrt.
In einem Logistikzentrum sollen die Güter von der Strasse auf die U-Bahn, genannt Cargo sous terrain (CST), verladen werden und umgekehrt.
Cargotube, Keystone
Dort gliedern sie sich in den Verkehr ein.
Dort gliedern sie sich in den Verkehr ein.
Cargotube, Keystone
Die vollautomatischen Elektrofahrzeuge sollen mit 30 km/h verkehren.
Die vollautomatischen Elektrofahrzeuge sollen mit 30 km/h verkehren.
Cargotube, Keystone
Cargo sous terrain will Logistikzentren unterirdisch mit Schweizer Innenstädten verbinden. Die unbemannten Fahrzeuge sollen an Hubs beladen und in den Tunnel hinuntergelassen werden. In den Städten erfolgt die Feinverteilung laut Projekt «in umweltfreundliche und leise Fahrzeuge».
Cargo sous terrain will Logistikzentren unterirdisch mit Schweizer Innenstädten verbinden. Die unbemannten Fahrzeuge sollen an Hubs beladen und in den Tunnel hinuntergelassen werden. In den Städten erfolgt die Feinverteilung laut Projekt «in umweltfreundliche und leise Fahrzeuge».
Cargotube, Keystone
Querschnitt durch einen Tunnel.
Querschnitt durch einen Tunnel.
Cargotube, Keystone
Industrie- und Logistikzentren.
Industrie- und Logistikzentren.
Cargotube, Keystone
Das Gesamtnetz.
Das Gesamtnetz.
Cargotube, Keystone
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