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Darum hat Thiam bei der Credit Suisse versagt

Tidjane Thiam ist nicht gescheitert, weil die Zahlen schlecht waren, sondern weil er es verpasst hat, Vertrauen zu vermitteln.

Arthur Rutishauser
Tidjane Thiam geht, nachdem er gute Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentieren konnte. Thiam an der Pressekonferenz vom Donnerstag. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Tidjane Thiam geht, nachdem er gute Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentieren konnte. Thiam an der Pressekonferenz vom Donnerstag. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Es hätte ein grosser Auftritt werden sollen, als Tidjane Thiam gestern ein letztes Mal als CS-Konzernleiter auf der Bühne stand. Immerhin hatte er doch einen Konzerngewinn von 3,42 Milliarden auszuweisen – fast 70 Prozent mehr als letztes Jahr. Seine Bank, so der abtretende CEO in seinem Schwanengesang, stehe viel besser da als bei seinem Amtsantritt 2015. Doch als er das sagte, fiel die CS-Aktie am Markt durch, und einmal mehr zeigte Thiam ziemlich offen, dass er es überhaupt nicht verstehen kann, warum ihm nicht einfach alle danken und er trotz seiner Erfolge abtreten muss.

Es ist auch nicht so einfach zu verstehen. Als Thiam 2015 seinen Job antrat, lagen ihm alle zu Füssen: die Medien, die Investoren und nicht zuletzt auch das Zürcher Establishment. Sie alle sahen in ihm eine Art Obama der Banken, der der CS zu neuem Glanz verhelfen würde. Der mächtigste Mann der Schweizer Wirtschaft und Ehrenpräsident der CS, Rainer E. Gut, war persönlich anwesend bei der Pressekonferenz, an der Thiam vorgestellt wurde; in seinen Kreisen ist das quasi der Ritterschlag.

Thiam baute ein Viererteam auf, das alles beherrschte – vom Sicherheitsdienst bis zur Kommunikation mit den Investoren.

Danach passierten zwei Dinge, die Thiam scheitern liessen. Erstens versprach er viel zu viel. 10 Milliarden Gewinn sollte die CS jährlich machen, verkündete er im Herbst 2015. Seither wurden die Ziele bei jedem Investorentag heruntergeschraubt. Darum liegt der Aktienkurs heute 40 Prozent tiefer als am Tag seines Amtsantritts. Zweitens fing Thiam an, sich innerhalb der CS zu isolieren. Er baute ein Viererteam auf, das vom Sicherheitsdienst über das Personalwesen bis zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit und den Investoren alles beherrschte. Es herrschte bald ein Klima des Misstrauens, das darin gipfelte, dass zwei Mitglieder der Geschäftsleitung von Detektiven überwacht wurden.

Als dann die Überwachungsaffäre aufflog, versuchte Thiam mit seiner Gefolgschaft, sie totzuschweigen. Anstatt hinzustehen und die Verantwortung zu übernehmen, kam schweigende Distanz. Thiam hat es verpasst, Vertrauen zu vermitteln – und innerhalb der Bank jeden Support verloren. Schade, ich hätte ihm einen besseren Abgang gegönnt.

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