Chliforst: SBB-Angebot als Hoffnungsschimmer

Im Streit um den Fernverkehr unterbreiten die SBB der BLS ein Angebot. Dieses schürt auch die Hoffnungen der Gegner einer BLS-Werkstätte bei Bern.

Würden sich SBB und BLS eine Werkstätte zur Wartung ihrer Züge teilen, könnte ein Neubau im Chliforst überflüssig werden.

Würden sich SBB und BLS eine Werkstätte zur Wartung ihrer Züge teilen, könnte ein Neubau im Chliforst überflüssig werden. Bild: Keystone

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Im Streit um mehrere Linien des Fernverkehrs hat die SBB der BLS ein Angebot vorgelegt. Die SBB will der BLS zwar einige Fernverkehrs- und Regionalverkehrslinien abtreten. Im Gegenzug soll die BLS aber darauf verzichten, eine Fernverkehrskonzession anzustreben.

Laut einem Brief der SBB-Verwaltungsratsspitze an die BLS ist die SBB bereit, Fernverkehrsverbindungen von Bern nach Olten, Biel und La Chaux-de-Fonds NE der BLS abzugeben. Die SBB möchte allerdings, dass die Züge, wenn es zur Kooperation kommt, mit beiden Logos unterwegs wären. Die SBB würde die BLS für den Betrieb entschädigen.

Im Regionalverkehr abtreten würde die SBB der BLS die Linien von Biel nach La Chaux-de-Fonds, Moutier und Solothurn und von Neuenburg nach La Chaux-de-Fonds. Ausserdem ist sie bereit, im Raum Bern in einer Werkstatt Züge gemeinsam mit der BLS zu warten.

BLS verweist auf Stillschweigen

SBB-Mediensprecherin Rahel Meile bestätigte am Samstag auf Anfrage, dass ein solches Angebot der SBB an die BLS vorliege. Die beiden Zeitungen «Der Bund» und «Tages-Anzeiger» schrieben am Samstag, sie hätten Kenntnis vom Inhalt des Briefs an die BLS.

Bestandteil des im Brief formulierten Angebots ist laut den Zeitungen die Bedingung, dass der Kanton Bern bei einem allfälligen Aktienverkauf der SBB ein Vorkaufsrecht für seine BLS-Aktien gewährt. Dem Kanton Bern gehören 55,75 Prozent des BLS-Aktienkapitals.

BLS-Sprecher Stefan Dauner sagte am Samstag auf Anfrage, die Verhandlungen zwischen SBB und BLS über Fernverkehrslinien dauerten an. In diesen Verhandlungen sei Stillschweigen vereinbart worden. Die BLS halte sich daran.

Die Linie von Bern nach La Chaux-de-Fonds betreibt die BLS heute schon. Sie gilt derzeit noch als Regionalverkehrslinie, künftig als Fernverkehr.

Fernverkehrskonzessionen laufen aus

Die SBB hält derzeit das Monopol auf den Fernverkehrslinien in der Schweiz. Ein Grossteil der Fernverkehrskonzessionen läuft aber Ende 2017 ab. Das Bundesamt für Verkehr hat sie neu ausgeschrieben. Bis Anfang September müssen Konzessionsgesuche eingereicht werden.

Im April hatte die BLS bekanntgegeben, sie interessiere sich für eine Linie von Brig über Bern, Aarau, Zürich und Zürich-Flughafen nach Romanshorn SG. Eine weitere würde Interlaken mit Bern, Aarau, Zürich, Zürich-Flughafen und St. Gallen verbinden. Zudem wolle sie die bestehende Linie von Interlaken via Bern und Olten nach Basel übernehmen.

Auch die Südostbahn (SOB) interessierte sich noch im Frühling für eine Fernverkehrskonzession. Sie hat sich inzwischen mit der SBB darauf geeinigt, dass sie in deren Auftrag und unter dem Dach der SBB-Konzession zwei Linien betreibt, darunter die Gotthard-Bergstrecke. Dies mit gemeinsamem Logo, wie das nun die SBB der BLS vorschlägt.

Auftrieb für Chliforst-Gegner?

Dass die SBB der BLS auch anbietet, im Raum Bern gemeinsam Züge zu warten, dürfte vor allem den Gegnern des BLS-Werkstätten-Neubauprojekts Chliforst bei Bern Auftrieb geben. Die BLS will dort - teilweise auf gerodetem Gebiet - eine neue Werkstätte auf der Fläche von 21 Fussballfeldern bauen.

Anwohner fordern schon lange eine Kooperation von BLS und SBB bei der Wartung von Zügen. Sie erhoffen sich, dass diese Kooperation den Bau der neuen Werkstatt überflüssig machen würde. 2015 forderte auch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz eine Zusammenarbeit der beiden Bahnunternehmen. (mb/sda)

Erstellt: 12.08.2017, 12:41 Uhr

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