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Bei den Gemüsebauern liegen die Nerven blank

Der Absatz von Gurken ist europaweit eingebrochen. Dies, weil das Gemüse als Träger des EHEC-Bakteriums identifiziert wurde. Wahrscheinlich zu unrecht, wie sich nun herausstellt.

Liegen wie Blei im Regal: Spanische Gurken auf einem deutschen Gemüsemarkt.
Liegen wie Blei im Regal: Spanische Gurken auf einem deutschen Gemüsemarkt.
Keystone

Wegen der Angst vor einer Ansteckung mit dem Darmbakterium EHEC ist in der Schweiz der Verkauf von Gurken aus inländischer Produktion stark rückläufig. Je nach Region sank der Absatz bis zu 50 Prozent. Die Produzenten versichern, Schweizer Gemüse sei EHEC-frei.

Gurken würden in der Schweiz überall produziert, sagte am Dienstag Simone Kamber, Leiterin Anbautechnik beim Verband schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP), auf Anfrage. Der Absatzrückgang habe letzte Woche eingesetzt, richtig spürbar sei er seit Montag dieser Woche, und zwar in allen Regionen.

Absatzrückgang auschliesslich bei Gurken

«Es ist regional sehr unterschiedlich», sagte Kamber. «Je nach Region werden bis zu fünfzig Prozent weniger Gurken bestellt.» Die entsprechenden finanziellen Einbussen für die Produzenten konnte Kamber nicht beziffern.

Vom Absatzrückgang seien ausschliesslich Gurken betroffen. Ausländische Gurken sind momentan in der Schweiz wegen des grossen inländischen Angebots kaum im Verkauf.

Möglicherweise doch nicht der Auslöser

Derweil wurde bekannt, dass die mit den Durchfallerreger EHEC belasteten spanischen Salatgurken vom Hamburger Grossmarkt sind offenbar nicht für die schweren Darmerkrankungen in Norddeutschland verantwortlich. Das sei das Ergebnis von Laboruntersuchungen des Instituts für Hygiene und Umwelt bei zwei der drei sichergestellten spanischen Gurken, teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Dienstag mit. Unterdessen stieg die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen bundesweit auf 15 an.

Auf den zwei Gurken seien die Bakterienstämme identifiziert worden, sagte Prüfer-Storcks. Diese stimmten nicht mit den HUS-Fällen von Patienten in Hamburg überein. Damit bleibe die Quelle der schweren Erkrankungen mit dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) weiter ungeklärt. Bei zwei weiteren infizierten Gurken, davon eine aus Spanien und eine mit noch unbestätigter Herkunft, wurden die Erreger bislang noch nicht identifiziert.

Die Nerven liegen blank

EHEC bedroht auch die wirtschaftliche Existenz der Gemüsebauern in Deutschland. «Da liegen die Nerven blank», sagte Hans-Dieter Stallknecht vom Deutschen Bauernverband (DBV) der Nachrichtenagentur dapd am Dienstag. Die Bauern seien mitten in der Haupterntezeit und müssten täglich Gemüse im Wert von zwei bis drei Millionen Euro wegwerfen. Solange der Infektionsherd, der als Auslöser der EHEC-Epidemie gilt, nicht gefunden sei, sei keine Besserung in Sicht.

Nach den Warnungen des Verbraucherschutzministeriums und des Robert-Koch-Instituts vor rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten liegt der Markt für diese Gemüsesorten am Boden. «Wir sind mitten in der Katastrophe», sagte Stallknecht. Das Gemüse könne nun frisch verzehrt und deshalb nicht gelagert werden.

«So etwas hat es in der Form noch nie gegeben», sagte der DBV-Referent. Deshalb seien die Schäden auch nicht versicherbar gewesen. Anders als bei Tierseuchen hätten sich die Bauern gar nicht vor den Einnahmeausfällen schützen können. Da Gemüse seit Donnerstag schwer verkäuflich ist, beträgt der Schaden für die Bauern bisher zwischen 12 und 18 Millionen Euro.

Spanien fordert Entschädigung

In Spanien fordert die Regierung in Madrid Entschädigungen für die Landwirte. Spanien werde für die «irreparablen Schäden» eine «Antwort im Rahmen der Europäischen Union» fordern, sagte Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar am Montag auf einer Pressekonferenz im Madrid. Auch Deutschland müsse seinen Teil der Verantwortung übernehmen.

Als eine Quelle der gefährlichen Erkrankungen mit dem Keim hatten die Behörden in Deutschland mit EHEC belastete Salatgurken aus Spanien ausgemacht. Wie und wo der Darmkeim auf das Gemüse gelangte, ist aber weiter unklar. Die Regierung in Madrid könne nicht hinnehmen, dass das Image des Landes sowie die spanische Landwirtschaft beschädigt würden, kündigte Aguilar an. Die Auswirkungen für die spanischen Bauern seien bereits «enorm».

SDA/mrs

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