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Alpiq-Chef Leonardi nimmt den Hut

Die starken Veränderungen in der Branche waren ihm zu viel: Giovanni Leonardi, Leiter des Energiekonzerns, gibt seinen Rücktritt bekannt. Der Verwaltungsratspräsident der Alpiq übernimmt den Posten ad interim.

Führte Atel und EOS zur Alpiq zusammen: Giovanni Leonardi während einer Pressekonferenz.
Führte Atel und EOS zur Alpiq zusammen: Giovanni Leonardi während einer Pressekonferenz.
Keystone

Giovanni Leonardi ist ab sofort nicht mehr Konzernchef von Alpiq. Inmitten der eingeleiteten Umbauphase des Stromversorgers ist er zurückgetreten, wie Alpiq heute bekanntgab.

Der Rücktritt sei Leonardis eigene Entscheidung gewesen, betonte Verwaltungsratspräsident Hans E. Schweickardt gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Schweickardt übernimmt die Konzernleitung interimistisch, bis ein Nachfolger gefunden ist. «Wir sind vom Rücktritt überrascht worden», sagte er.

«Das ist für mich nachvollziehbar»

Der Führungswechsel erfolgt vor dem Hintergrund schlechter Geschäftsergebnisse in der jüngeren Vergangenheit. Der grösste Schweizer Stromkonzern hatte im August einen Rückgang des Halbjahresgewinns um fast die Hälfte bekanntgeben müssen. Unter anderem musste Alpiq infolge des eingeleiteten Ausstiegs der Schweiz aus der Atomenergie Projektierungskosten für den Bau eines neuen Kernkraftwerks in der Höhe von 35 Millionen Franken abschreiben.

«Es wirkt momentan sehr viel von aussen auf uns ein», erklärte Hans E. Schweickardt. Neben den Veränderungen in der Energiepolitik des Bundes mache Alpiq auch der starke Franken zu schaffen. Das mache eine Neuausrichtung des Konzerns nötig. «Offenbar war Herr Leonardi der Ansicht, dass es für diese Umbauphase neue Persönlichkeiten braucht», sagte Schweickardt. «Das ist für mich nachvollziehbar.»

«Herr Leonardi und ich standen in sehr engem Kontakt. nicht nur in den letzten Tagen», sagte er weiter. Uneinigkeiten über die Ausrichtung des Konzerns habe es aber nicht gegeben.

Sparmassnahmen eingeleitet

Gleichzeitig mit dem Halbjahresergebnis hatte Alpiq Sparmassnahmen angekündigt und auch einen Stellenabbau ins Auge gefasst. Diesen bestätigte Giovanni Leonardi am vergangenen Montag in der Sendung «Eco» des Schweizer Fernsehens. Dass unmittelbar vor dem Abgang Leonardis noch ein Portrait über ihn ausgestrahlt wurde, ist laut Alpiq-Sprecher Martin Bahnmüller reiner Zufall.

«Der Verwaltungsrat ist daran, das eingeleitete Massnahmenpaket auszuarbeiten», erklärte Hans E. Schweckardt. «Das Paket wird in Kürze verabschiedet werden.» Bis dahin wolle er keine Stellung nehmen zum Stellenabbau.

Schlechte Konjunkturentwicklung

Nicht nur Alpiq durchlebt wirtschaftlich schwierige Zeiten. Auch die beiden anderen grossen Schweizer Stromkonzerne, Axpo und BKW, hatten nach schwachen Halbjahreszahlen Einsparungen beim Personal angekündigt. Die Branche kämpft unter anderem mit der schlechten Konjunkturentwicklung und tiefen Strompreisen.

Mit der Suche nach einem Nachfolger für Giovanni Leonardi wird laut Hans E. Schweickardt in den nächsten Tagen begonnen. Er rechnet damit, dass die Stelle nicht vor dem Sommer nächsten Jahres neu besetzt werden wird. Fest steht für Schweickardt, dass er die Konzernleitung nicht definitiv übernehmen wird.

Giovanni Leonardi hatte als operativer Chef die Zusammenführung der beiden Stromversorger Atel und EOS geleitet. Die Fusion war 2009 abgeschlossen worden.

SDA/kpn

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