SBB behalten die Pannen-Software

Mal acht Lokführer, mal gar keiner: SBB-Angestellte müssen fehlerhafte Dienstpläne ausbügeln.

Probleme gibt es nicht beim Lokfahren, sondern bei der Dienstplanung. Foto: Thomas Egli

Probleme gibt es nicht beim Lokfahren, sondern bei der Dienstplanung. Foto: Thomas Egli

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einmal erschienen acht Lokführer. Gemäss Dienstplan sollten sie alle denselben Zug fahren. Manchmal kam auch gar keiner. Dann fiel der Zug aus, wie Hans-Ruedi Schürch, Lokführer und Zentralpräsident des Lokomotivpersonalverbands, sagt. Der Grund für das Chaos ist Sopre, eine von der Firma Accenture entwickelte Software. Mit ihr erstellen die Personaldisponenten der SBB seit November die Dienstpläne der Lokführer. Und seither gibt es Probleme. Die SBB schreiben, die Einführung sei kein Glanzstück gewesen. Auch heute sei man mit der Qualität noch nicht zufrieden.

Dennoch wird sich das Personal weiter mit Sopre herumschlagen müssen. Die SBB haben sich vorgestern gegen einen Übungsabbruch entschieden. ­Sopre soll bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 weiter verwendet werden. Wie es danach weitergeht, ist offen. Über die Zukunft des Systems wollen die SBB Ende April entscheiden.

Der Lokomotivpersonalverband und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) haben kein Verständnis für den Entscheid. Für die Mitarbeitenden, die täglich mit Sopre arbeiteten, seien die Probleme eine Zumutung, heisst es in einer gestern verschickten Mitteilung des SEV. Die Geduld des Personals sei schon mehr als strapaziert worden. Nun müsse die Sopre-Übung abgebrochen werden.

«Bis die Probleme gelöst sind, müsste man dringend auf die alte Plattform zurückwechseln», sagt auch Schürch vom Lokomotivpersonalverband. Wegen fehlender Schnittstellen in Sopre müssten die Lokführer ihre Dienstinformationen im Moment von drei, vier verschiedenen Websites und Papieren zusammensuchen. Dabei gehe es um Angaben, wie und wo ein Zug nach Ende der Fahrleistung abgestellt werden müsse. Das müssten die Lokführer in ihrer Freizeit herausfinden. Aber die grössten Leidtragenden seien nicht die Lokführer, sondern die Personaldisponenten, die mit dem Programm arbeiten müssten. Vor allem Tagesdisponenten bekämen Probleme, wenn sie aus aktuellem Anlass viele Anpassungen machen müssten. Dann falle das gesamte System zusammen und werde komplett unübersichtlich.

Das Personal kommt an seine Grenzen

Die SBB bestätigen, dass die noch fehlende Leistungsfähigkeit bei Störungen das grösste Problem von Sopre sei. Für die Lokführer und die Diensteinteiler habe das eine grosse emotionale Komponente, so die SBB. Ihr Berufsstolz sei die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Entsprechend hoch sei ihre Bereitschaft, bei Problemen auszuhelfen.

Das heisst: Mit Mehraufwand schaffen es Disponenten und Lokführer, die Probleme von Sopre auszubügeln. Das Personal habe seit November einen grossen Einsatz geleistet, sagt Jürg Hurni, Gewerkschaftssekretär beim SEV. Aber auf Dauer könne das nicht so weitergehen. Sonst komme das Personal psychisch und physisch an seine Grenzen. Auf dem Spiel stehe dann auch die Gesundheit der Mitarbeiter. Dazu komme, dass Sopre bei der Zeitabrechnung Fehler mache. In manchen Fällen seien Zulagen nicht ausbezahlt worden. Die Lokführer müssten die Abrechnungen selbst nachkontrollieren.

Dass es bei einem neuen Programm Kinderkrankheiten gebe – dafür habe man Verständnis, sagt Hurni. Aber bei Sopre glaube man nicht mehr an eine Besserung. Schliesslich sei das Programm schon vor eineinhalb Jahren bei den Kondukteuren eingeführt worden. Schon da habe es Probleme gegeben, einfach mit geringeren Auswirkungen. Diese Probleme bestünden bis heute.

Das stellen die SBB anders dar: Die Umstellung für die Zugbegleiter vor eineinhalb Jahren sei praktisch reibungslos erfolgt, so Mediensprecher Reto Schärli. Und beim System für die Lokführer seien unterdessen spürbare Fortschritte gemacht worden. Man sei aktuell mit einer Taskforce und dem Lieferanten daran, das System stabil zu halten. Bekommen die SBB die Probleme nicht in den Griff, wäre das teuer. 18,8 Millionen Franken betrug der Kaufpreis für Sopre. Unterdessen fielen Mehrkosten an. Wie hoch diese sind, geben die SBB nicht bekannt. Der «Blick» zitierte diese Woche eine in das Projekt involvierte Person mit der Aussage, die 70-Millionen-­Franken-Grenze sei schon vor einiger Zeit überschritten worden.

(Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 23:31 Uhr

Artikel zum Thema

An diesen Bahnhöfen gibt es rauchfreie Zonen

An sechs Schweizer Bahnhöfen führt die SBB rauchfreie Zonen ein. Der Test startet am 1. Februar. Mehr...

Die SBB senken die Temperatur in Zürcher S-Bahn

In einem Testprojekt senkt die SBB die Raumtemperatur in einigen Zügen der Zürcher S-Bahn von 22 auf 20 Grad Celsius. Sie will damit Energiesparpotenzial aufzeigen. Mehr...

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Langenthaler Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Schnee rund um die Welt: Ein Mann hält einen Regenschirm auf seinem Weg durch den heftigen Schneefall in Davos.
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...