Postauto macht 69 Millionen Franken Verlust

Der Skandal um erschlichene Subventionen schmälert das Jahresergebnis von Postauto und Post.

Skandal drückt auf Jahresergebnis: Der Gewinn ist gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass es keine normale Bilanzmedienkonferenz werden würde, war klar. Wie viele Briefe die Post ausgeliefert und wie viel Gewinn sie damit verdient hatte, das interessierte gestern eigentlich kaum jemanden. Dennoch mussten die Resultate präsentiert werden – ein Spiessrutenlauf für Postchefin Susanne Ruoff. Um sie ein Stück weit aus der Schusslinie zu nehmen, informierte Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller von sich aus über die Entwicklungen im Postautoskandal und wiederholte, dass die Verfehlungen gravierend seien und durch nichts gerechtfertigt werden könnten. Unter Schwaller, das sollte klargestellt werden, würden die Aufklärungen lückenlos erfolgen und die Schuldigen nicht geschont.

Noch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres, sagte er, sollten die Untersuchungsberichte zu den Buchungstricks bei Postauto vorliegen. Auf der Basis dieser Fakten werde der Verwaltungsrat dann die Konsequenzen beschliessen – auch die personellen Folgen. Ruoffs Stuhl könnte dann erneut wackeln, etwa wenn die Untersuchung zeigt, dass sie bereits früher hätte reagieren sollen. Gestern beantwortete die Postchefin eine Frage nach einem allfälligen Rücktritt mit der Aussage, in einer Krise wie jetzt brauche es eine klare Führung. Sie habe das Vertrauen des Verwaltungsrates und auch eine Verantwortung, den Konzern durch diese schwierige Situation zu führen.

Expertengruppe eingesetzt

Ein «heikler Punkt», sagte Schwaller gestern, sei die Unabhängigkeit der Untersuchung. Das sei ihm nicht zuletzt im Nachgang zur letzten Medienkonferenz bewusst geworden. Damals hatte der Verwaltungsratspräsident noch von einem Team aus internen und externen Spezialisten gesprochen, das untersuchen solle, wer für die Buchungstricks bei Postauto verantwortlich sei. Gestern hat Schwaller nun über die Einsetzung einer dreiköpfigen unabhängigen Expertengruppe informiert, die den Auftrag habe, die Unabhängigkeit der externen Untersuchung sicherzustellen. Die Gruppe setzt sich zusammen aus Kurt Grüter, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, Andreas Donatsch, emeritierter Strafrechtsprofessor, und Felix Uhlmann, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht.

Die externe Untersuchung wird wie angekündigt von der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard und den Wirtschaftsprüfern von EY durchgeführt. Zusätzlich zu deren Bericht sollen die Experten ein eigenes Gutachten verfassen. Beide Dokumente will Schwaller bis im Sommer publizieren. Die bislang eingeleitete Untersuchung betrifft allerdings nur die Buchungstricks von 2007 bis 2015. 2016 stellte die Post auf ein neues Verrechnungsmodell um, das laut Bundesamt für Verkehr aus subventionsrechtlicher Sicht ebenfalls problematisch ist. Auch dies werde noch analysiert, sagte Schwaller, jedoch nicht unter seiner Aufsicht, da er in dieser Zeit bereits selbst im Postverwaltungsrat sass.

Die Post scheint jedenfalls davon auszugehen, dass sie auch für die Jahre 2016 und 2017 wird Geld zurückzahlen müssen. Sie hat für Rückforderungen aus diesem Zeitraum 30 Millionen Franken zurückgestellt. Welchen Betrag sie effektiv wird zurückerstatten müssen, werde in den nächsten Wochen festgelegt, teilte die Post mit. Für die Rückzahlung der unrechtmässig bezogenen Subventionen zwischen 2007 und 2015 hat die Post 78,3 Millionen Franken zurückgestellt.

Die Rückstellungen belasten das Jahresergebnis spürbar. Postauto fährt deswegen einen Betriebsverlust (Ebit) von 69 Millionen Franken ein. Beim Postkonzern sinkt der Betriebsgewinn von 704 auf 630 Millionen. «Ohne diese Rückstellungen würden wir ihnen ein Ergebnis auf Vorjahresniveau präsentieren», sagte Susanne Ruoff.

Dass das Ergebnis trotz des Postautoskandals noch solide ausfiel, liegt in erster Linie an Postfinance, die wie üblich den mit Abstand grössten Teil zum Ergebnis beitrug. Dass die gelbe Bank auf Stufe Betriebsgewinn leicht mehr erwirtschaftete, liegt jedoch ausschliesslich an Sondereffekten wie dem Verkauf von zwei Aktienportfolios. Ohne diese hätte Postfinance aufgrund der erodierenden Zinsmargen weniger verdient als noch im Vorjahr.

Sparen bei Poststellen

Geld sparte die Post zudem durch die Schliessung von Poststellen. Dadurch reduzierte sich der Betriebsverlust in der Sparte Postnetz von 193 auf 159 Millionen. Urs Schwaller betonte erneut, dass das Postnetz nicht profitabel sein müsse. Der Verlust müsse aber näher bei 100 als bei 200 Millionen sein. Auf die jüngsten Vorwürfe aus der Politik, wonach die Post auch ihre Filialen künstlich unrentabel rechne, entgegnete er: «Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Für das Postnetz bezieht die Post keine Subventionen. Hier gibt es auch keine unrechtmässigen Verbuchungen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 22:21 Uhr

Artikel zum Thema

«Ich will eine ehrliche Post»

VIDEO Die Post lässt externe Experten den Buchhaltungsskandal bei Postauto untersuchen und will die Ergebnisse öffentlich machen. Mehr...

Wie es in der Postauto-Affäre nun weitergeht

Das müssen Sie zu den Buchhaltungstricks, Subventionen und der angezählten Postchefin Susanne Ruoff wissen. Mehr...

Fedpol ermittelt im Postauto-Skandal

Der Bundesrat hat beschlossen, ein Verwaltungsstrafverfahren gegen die Post durch das Bundesamt für Polizei führen zu lassen. Mehr...

Paid Post

Das Potenzial von Megatrends nutzen

Thematisches Investieren setzt sich neben regionalem und sektoriellem Anlegen immer mehr durch.

Kommentare

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Langenthaler Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...