Meyer Burger will mit REC zusammenarbeiten

Thun

Der Thuner Solarindustrieausrüster setzt auf eine exklusive Partnerschaft mit einem norwegischen Modulhersteller, der von Chinesen kontrolliert wird.

Meyer Burger versucht durch die Partnerschaft mit REC aus der Krise zu kommen.

Meyer Burger versucht durch die Partnerschaft mit REC aus der Krise zu kommen.

(Bild: Keystone)

Julian Witschi

Meyer Burger zieht nach einem enttäuschenden Halbjahresergebnis einen der letzten Trümpfe. Für seine besonders effizienten Solartechnologien Heterojunction und Smartwire will das Thuner Unternehmen mit REC Solar kooperieren und den Modulhersteller in gewissen ­Bereichen exklusiv mit Produktionsanlagen ausrüsten. Im Gegenzug soll REC Meyer Burger am Gewinn beteiligen.

Die beiden Unternehmen haben dazu eine Absichtserklärung abgeschlossen. Die definitive Vereinbarung müsse in den kommenden Monaten noch erarbeitet werden, sagte am Donnerstag der Chef von Meyer Burger, Hans Brändle. REC wolle seine Produktionskapazität im Bereich Heterojunction und Smartwire deutlich von 600 Megawatt um mehrere Gigawatt erhöhen.

REC ist ein Solaranlagenhersteller mit Sitz in Oslo, der seit 2010 vor allem in Singapur produziert. Seit 2015 gehört er der Elkem-Gruppe, welche wiederum im Besitz der China National Bluestar Group ist. Meyer Burger hat im Juli angekündigt, alle strategischen Optionen zu prüfen, darunter insbesondere eine Zusammenarbeit mit einem industriellen Partner.

Rezept gegen Preisdruck

Das neue Geschäftsmodell mit REC solle es Meyer Burger ermöglichen, sowohl vom wirtschaftlichen Wert ihrer Hocheffizienztechnologie zu profitieren als auch das geistige Eigentum in den kommenden Jahren zu schützen, erklärte Firmenchef Brändle. Anders gesagt: Meyer Burgers führende Technologien sollen länger dem Preisdruck des Massengeschäfts standhalten können.

Bei der derzeitigen Standardtechnologie Perc sind die Preise stark gesunken. Hauptgründe seien die schwache Nachfrage im grössten Markt China und weltweite Produktionsüberkapazitäten, sagte Brändle. Wie angekündigt konzentriert Meyer Burger die Produktion hauptsächlich in Hohenstein-Ernstthal in Deutschland. Die Smartwire-Entwicklung und der Konzernsitz verblieben aber in Thun.

Operativ verbuchte Meyer Burger auch nach der Aufgabe der Produktion in Thun rote Zahlen. Und der Umsatz brach im ersten Halbjahr 2019 von 232 Millionen Franken in der Vorjahresperiode auf 123 Millionen Franken ein. Der Betriebsverlust (Ebit) beträgt 21,1 Millionen Franken. Unter dem Strich steht ein Gewinn von 1,8 Millionen Franken. Dies aber nur dank des Verkaufs des Waver-Geschäfts an die amerikanische PSS.

Viel Geld verbrannt

Die flüssigen Mittel haben seit Anfang Jahr um weitere 58 Millionen Franken abgenommen und betragen per Mitte 2019 noch 32 Millionen Franken. Eine Ergebnisprognose für die zweite Jahreshälfte machte Brändle nicht. Angesichts der Klimadebatte stuft er die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten für die Solarindustrie aber besser ein, vor allem ausserhalb Chinas. Anleger zeigen sich weniger zuversichtlich. Am Donnerstag verlor die Aktie von Meyer Burger an der Börse weitere 6,7 Prozent an Wert auf noch 40 Rappen.

Berner Zeitung

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