Tesla-Chef entlässt Tausende Mitarbeiter

Elon Musk verkleinert seine Belegschaft um neun Prozent. Der Druck auf den Tech-Milliardär wird immer grösser.

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Schocknachricht für Tesla-Mitarbeiter: Mitten in der Startphase des neuen Model 3 hagelt es Kündigungen. Obwohl Firmenchef Elon Musk betont, dass Gewinne ihn nicht motivieren, will er die Kosten senken und profitabel werden. Anders sei Teslas «Mission» nicht zu erfüllen.

Elon Musk hat mit dem holprigen Produktionsstart von Teslas Hoffnungsträger Model 3 alle Hände voll zu tun, dennoch will der umtriebige Star-Unternehmer jeden elften Mitarbeiter feuern. Die Entscheidung sei «schwierig, aber notwendig», heisst es in einer E-Mail an die Tesla-Kollegen, die Musk am Dienstag (Ortszeit) bei Twitter teilte. Der Firmenchef begründete den Schritt mit der «Notwendigkeit, Kosten zu senken und profitabel zu werden». Noch in dieser Woche würden die entlassenen Mitarbeiter informiert.

«Da Tesla in den fast 15 Jahren seines Bestehens noch keinen Jahresgewinn gemacht hat, ist Profit offensichtlich nicht unsere Motivation», schrieb Musk. Trotzdem müsse das Unternehmen nachhaltig profitabel werden, um seine Mission – den Übergang der Welt zu nachhaltiger und sauberer Energie – zu erfüllen, begründete der Tesla-Chef die Entscheidung.

Rund 4000 Mitarbeiter betroffen

Tesla ist rasant gewachsen, hat aber mit Verlusten, verfehlten Produktionszielen, der Abwanderung von Führungskräften und tödlichen Elektroauto-Unfällen zu kämpfen. In dem Ende Dezember vorgelegten Geschäftsbericht 2017 hatte das kalifornische Unternehmen 37'543 Mitarbeiter gezählt.

Gemäss «CNBC» zählt die Firma rund sechs Monate später rund 46'000 Angestellte – 4100 müssten demnach ihre Sachen packen. Dabei betreffe es nur Festangestellte, schrieb Musk in seiner Stellungnahme. Die Arbeiter im Stundenlohn in den Tesla-Werken dürfen bleiben.

«Überflüssig gewordene Jobs»

«Um das ganz deutlich zu sagen: Tesla wird auch weiterhin hervorragende Talente in kritischen Positionen einstellen während wir in die Zukunft gehen. Es besteht immer noch ein erheblicher Bedarf an zusätzlichem Produktionspersonal», schrieb Musk an die Mitarbeiter. «Ich möchte auch betonen, dass wir diese schwere Entscheidung jetzt treffen, damit wir das nie wieder tun müssen.»

Laut Musk betreffen die Kündigungen insbesondere doppelt besetzte und überflüssig gewordene Jobs, die während des rasanten Wachstums der vergangenen Jahre entstanden seien. Stellen in der Produktion würden nicht gestrichen, die Fertigung des Model 3 bleibe unberührt. Der Tech-Milliardär sagt zudem, dass Gewinn für ihn und Tesla keine Motivation sei. Aber ohne gehe es langfristig eben auch nicht: «Wir werden unsere Mission niemals erfüllen können, wenn wir nicht irgendwann demonstrieren, dass wir dauerhaft profitabel sein können».

Rekordverlust 2018

Tesla hat bereits Milliarden an Dollar verbrannt und schreibt rote Zahlen. Rund 710 Millionen Dollar verlor das Unternehmen allein im ersten Quartal dieses Jahres, ein Rekordverlust. Investoren erhöhen seit einer Weile den Druck auf Musk und wollten vor Kurzem sogar versuchen, ihn eines seiner Ämter zu entheben, momentan ist er Vorstandschef und Chairman, eine Art Aufsichtsratschef.

Mit seiner Mission - «den Wandel der Welt zu nachhaltiger, sauberer Energie beschleunigen» - wurde Musk zum Fahnenträger der Elektromobilität und gewann viele Anhänger. Doch letztlich muss bei Tesla auch die Wirtschaftlichkeit stimmen, denn finanzieren tun das Unternehmen die Aktionäre. Die Firma aber verdient bislang, von einzelnen Quartalen abgesehen, kein Geld. In der fast 15-jährigen Tesla-Geschichte wurde noch kein einziger Jahresgewinn gemacht. «Das ist ein zulässiger und fairer Kritikpunkt», gibt Musk jetzt zu.

In den vergangenen zwei Jahren bezahlte Tesla sein rasantes Wachstum mit immer grösseren Verlusten. 2017 stand unter dem Strich ein Minus von fast zwei Milliarden Dollar. Die Firma investierte massiv, um mit ihrem ersten günstigeren Wagen, dem Model 3, den Sprung von der Luxusnische in den Massenmarkt in die Wege zu leiten. Attraktive und erschwingliche E-Autos für die breite Bevölkerung waren von Anfang an fester Bestandteil von Musks Masterplan - die Masse soll das Geschäft trotz relativ geringer Gewinnspannen irgendwann profitabel machen.

Start beim Model 3 misslungen

Doch ausgerechnet beim Hoffnungsträger Model 3 misslang der Start gründlich - die Produktion kam bislang trotz riesigen Aufwands nur langsam voran. Bis Ende Juni will Tesla pro Woche 5000 Stück herstellen, dieses Ziel hätte eigentlich schon Ende 2017 erreicht sein sollen. Zuletzt lag die wöchentliche Produktion bei rund 3500 Model 3. In den vergangenen Monaten stieg der Druck auf Musk beträchtlich. Doch der Tesla-Chef tat wenig, um Bedenken zu zerstreuen. Im Gegenteil: Musk wirkte teilweise ungewohnt dünnhäutig und reagierte auf Kritik mitunter so unsouverän, dass selbst an der Wall Street Sorgen aufkamen und die Aktie zeitweise deutlich litt.

Es ist zu früh, um sagen zu können, ob Tesla sich mit dem Model 3 übernommen hat. Gelingt es Musk, die Startschwierigkeiten zu beheben und die Produktion kräftig hochzufahren, kann das Grossprojekt mit Verzögerung durchaus noch der ersehnte Erfolg werden. Doch die vielen Kündigungen - ausgerechnet zu diesem kritischen Zeitpunkt - zeigen wohl, wie gross der Druck inzwischen ist. Musk hat nicht nur beim Model 3 viel versprochen - im April kündigte er an, dass Tesla im dritten und vierten Quartal Gewinn machen wird. Analysten sehen indes eher Kapitalbedarf, das weist der Tesla-Chef aber energisch zurück. (nag/sda/sz.de)

Erstellt: 12.06.2018, 20:36 Uhr

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