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SMI büsst 3,4 Prozent ein

Am Schweizer Aktienmarkt sorgte das Brexit-Votum der Briten für einen rabenschwarzen Handelstag zum Wochenschluss. Auch die restliche Finanzwelt reagierte geschockt.

Ein Bildschirm an der Börse in Zürich. (24. Juni 2016).
Ein Bildschirm an der Börse in Zürich. (24. Juni 2016).
Ennio Leanza, Keystone

Der Leitindex SMI war in einer ersten Reaktion auf das überraschende Brexit-Votum um beinahe 550 Punkten unter die Schwelle von 7500 Stellen abgerutscht, erholte sich aber im Verlauf des Vormittags ein wenig von dem Schock.

In der zweiten Handelshälfte stabilisierte sich die Lage etwas. Unter die Räder kamen vor allem Finanzwerte und Zykliker. Die Anleger seien auf «dem völlig falschen Fuss» erwischt worden, hiess es in Händlerkreisen. Die Märkte hatten im Vorfeld auf einen Verbleib der Briten in der EU gewettet.

Zur Beruhigung trugen im Handelsverlauf dann aber nicht zuletzt die Notenbanken der Eurozone, Grossbritanniens, der USA und Japans bei, die den Marktteilnehmern die Bereitstellung weiterer Liquidität signalisierten. Hierzulande intervenierte die SNB bereits am frühen Morgen am Devisenmarkt, was eine allzu starke Aufwertung des Frankens zum Euro verhinderte.

Trotzdem positiver Saldo

Zum Schluss büsste der SMI 3,44 Prozent auf 7747,18 Punkte ein. Dennoch ergibt sich für die gesamte Woche ein positiver Saldo von 0,4 Prozent, vor allem dank eines starken Wochenstarts. Der breite Swiss Performance Index (SPI) büsste 3,31 Prozent auf 8395,77 Zähler ein. Die 30 Blue Chips schlossen allesamt im Minus.

An den Finanzmärkten war die bereits im Vorfeld hohe Unsicherheit nochmals rapide hochgeschnellt. Der Volatilitätsindex VSMI, der die Nervosität der hiesigen Investoren abbildet, schoss am Morgen um rund ein Drittel nach oben und erreichte einen Jahreshöchststand, bevor er wieder deutlich zurückkam.

Hohe Einbusse der CS, UBS und Julius Bär

Hierzulande standen vor allem die Kurse der Banken und Zykliker gehörig unter Druck. Das Finanzzentrum London und die gesamte Finanzindustrie gelten mit als grösste Verlierer des Brexit und so büssten CS 13,9 Prozent, UBS 11,2 Prozent und Julius Bär 9,0 Prozent ein. Auch die Versicherungswerte Zurich (-5,7 Prozent) oder Swiss Life (-5,4 Prozent) wurden von den sich abzeichnenden hohen Marktvolatilitäten in Mitleidenschaft gezogen.

Konjunktur-sensitive Aktien wurden mit der unsicher gewordenen konjunkturellen Weltlage ebenfalls abgestossen: Adecco verloren 11,2 Prozent, LafargeHolcim 8,6 Prozent und Dufry 6,2 Prozent. Richemont (-6,7 Prozent) und Swatch (-4,6 Prozent) mussten auch Federn lassen.

Derweil wurden die defensiven Schwergewichte Nestlé (-1,2 Prozent), Novartis (-1,6 Prozent) und Roche (-2,2 Prozent) einmal mehr ihrem Nimbus als Anker der Stabilität des Schweizer Aktienmarktes gerecht.

Börsen weltweit auf Talfahrt

Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU hat Anlegern weltweit einen schwarzen Freitag beschert. Die Börsenkurse rauschten von Asien bis Europa in die Tiefe. Das britische Pfund stürzte auf den niedrigsten Stand seit 1985. Die Bank of England stellte eine milliardenschwere Finanzspritze in Aussicht. Andere Notenbanken rüsteten sich ebenfalls.

Der Ausgang des Referendums traf die Finanzmärkte hart: Sie hatten bis zuletzt darauf gesetzt, dass die Briten mehrheitlich für einen Verbleib in der EU stimmen. Als sich das Ja zum Ausscheiden abzeichnete, stürzten die Kurse in Asien und das britische Pfund ab. Der Nikkei in Tokio schloss 7,92 Prozent im Minus, der Hang Seng in Hongkong 2,9 Prozent im Minus.

Das Pfund rutschte auf knapp 1,33 Dollar ab und erreichte damit den tiefsten Stand seit 1985. Binnen eines Tages verlor die britische Währung damit mehr als zehn Prozent an Wert. Während die Ölpreise um rund vier Prozent nachgaben, war Gold so teuer wie zuletzt vor mehr als zwei Jahren.

Dax verlor zwischenzeitlich zehn Prozent

Der Börsenstart in Europa begann nach Bekanntgabe des Ausgangs der Abstimmung tiefrot gefärbt: Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent, die Börse in London startete mit einem Minus von 7,5 Prozent. In Paris rutschten die Kurse um mehr als zehn Prozent ab, in den europäischen Krisenländern waren die Verluste noch grösser.

Besonders stark waren Papiere von Banken betroffen. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank brachen in Frankfurt am Main zeitweise um knapp 17 Prozent ein, in London verloren wichtige Bankentitel fast ein Viertel an Wert, in Athen fast ein Drittel.

Die Rücktrittsankündigung des britischen Premiers David Cameron liess die Börsenkurse in London wieder etwas steigen. Sie schlossen letztlich mit einem vergleichsweise kleinen Minus von 2,8 Prozent.

Doch an anderen Börsenplätzen blieben zu Handelsschluss hohe Verluste: Der Dax schloss 6,82 Prozent niedriger als am Vortag, die Börse in Paris ging mit Minus acht Prozent aus dem Handel. An der Wall Street notierte der Dow Jones am Vormittag 2,2 Prozent im Minus.

Finanzspritzen bereit

Der Chef der britischen Zentralbank, Mark Carney, erklärte, die Bank könne «mehr als 250 Milliarden Pfund» (326 Milliarden Euro) bereitstellen. Daneben sei die Notenbank auch «in der Lage, bedeutende Liquidität in ausländischen Devisen bereitzustellen, wenn es nötig ist». Auch die Europäische Zentralbank (EZB) erklärte sich zu zusätzlichen Finanzspritzen bereit. Der Bankensektor sei gut gerüstet, fügte die EZB hinzu.

Krisenwährungen wie der Yen und der Schweizer Franken, Zuflucht für Anleger in unsicheren Zeiten, legten kräftig zu. Die japanische Zentralbank erklärte, sie werde die Entwicklung genau beobachten. Die Schweizerische Nationalbank teilte mit, sie habe bereits auf dem Devisenmarkt eingegriffen, um den Franken zu stabilisieren.

Verluste an der Wall Street nach Brexit-Votum

Die Entscheidung der Briten für den Austritt aus der EU hat an der New Yorker Wall Street zu Verlusten geführt, eine Panik blieb jedoch aus. Der Dow Jones-Index verlor am Freitag 3,39 Prozent, der Nasdaq schloss 4,7 Punkte im Minus

SDA/nag

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