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Schlagabtausch zu Reisen in Schurkenstaaten

Reisen in ein von einem Diktator geführtes Land wie Nordkorea oder in eine gefährliche Region können böse enden. An einer Podiumsdiskussion in Bern zeigte sich, wie teuer es für Touristen werden kann, Opfer einer Geiselnahme zu werden.

Stellten sich auch Fragen aus dem Publikum: Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor Reportagen; André Lüthi, CEO Globetrotter Group; Sonja Hasler, Moderatorin; Nina Sahdeva, fairunterwegs.ch; Georg Steiner, EDA (v.l.).
Stellten sich auch Fragen aus dem Publikum: Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor Reportagen; André Lüthi, CEO Globetrotter Group; Sonja Hasler, Moderatorin; Nina Sahdeva, fairunterwegs.ch; Georg Steiner, EDA (v.l.).
Enrique Muñoz García

Das Berner Reiseunternehmen Globetrotter hat in der Vergangenheit verschiedene Reisen nach Nordkorea angeboten. Globetrotter-Chef André Lüthi musste dafür jeweils auch Kritik einstecken. An einer Podiumsdiskussion des von Globetrotter organisierten Fernwehfestivals in Bern verteidigte er Reisen in solche Länder. Er betonte einleitend, dass er solche Menschenrechtsverletzungen aufs Schärfste verurteile: «Aber Reisen in solche Länder können ein Mosaikstein sein, der zur Aufweichung des Systems beiträgt», betonte er. Bei solchen Reisen kämen immer Informationen ins Land. Und umgekehrt kommen die Touristen mit einem ganz anderen Blick auf das Land zurück. Dieser Idee sei bereits der Dalai Lama gefolgt, als er vor 20 Jahre zu Reisen in den Tibet aufgerufen habe.

Nina Sahdeva, Redaktorin der Internetseite Fairunterwegs.org, ist bei dieser Frage skeptischer: «Ich habe keine Lust, nach Nordkorea zu reisen. Für mich stellt sich auch die Frage, ob vieles nicht auch Inszenierung ist, was einem vorgesetzt wird», sagte sie. Zu Lüthis Mosaikstein-Theorie macht sie ein paar Fragezeichen: «Es ist keine triviale Frage, ob Reisen in ein Land die Menschenrechtssituation verbessern können. Dafür braucht es eine vertiefte Abklärung mit Menschenrechtsorganisationen», sagte sie.

Die Risiken in Krisengebieten

Auch bei Reisen in Konfliktgebiete stellen sich für die Touristen und Reiseanbieter heikle Fragen. Ein Leitfaden sind dabei die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Daniel Puntas Bernet, Chefredaktor des Magazins Reportagen, kritisierte diese als zu generell. Das habe er bei einer Reise in den Kongo festgestellt. «Es gab zwar ein einer Region des Kongo einen Konflikt. Aber der Kongo ist so gross wie Europa», sagte er. Den Kongo insgesamt als unsicheres Land einzustufen, sei etwa vergleichbar, wie wenn ein asiatischer Staat ganz Europa als unsicher einstufen würde, wenn es auf der Krim Spannungen gebe.

Georg Steiner, Chef des Krisenmanagementzentrums beim EDA, entgegnete dazu, dass es nicht möglich sei, bei einem Reisehinweis restlos alle Aspekte zu berücksichtigen. «Wir müssen mit den Hinweisen eine allgemeine Botschaft zu einem Land formulieren», sagte Steiner. Dabei nehme das EDA keine Rücksicht auf politische Druckversuche oder Interventionen von Reiseunternehmen.

Reisen in eine Region, welche das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten als unsicher einstuft, können indes im schlimmsten Fall teuer zu stehen kommen. Muss das EDA beispielsweise bei einem Entführungsfall bei der Befreiung mitwirken, werden den Betroffenen die eingesetzten Arbeitsstunden in Rechnung gestellt, so wie dies das Gesetz und die Verordnung vorsehen. «Das kann je nach Schwere des Falls schnell einmal mehrere zehntausend Franken oder gar über 100'000 Franken kosten», sagte der EDA-Kadermann. Eine Begrenzung in Abhängigkeit des Vermögens oder des Einkommens gibt es nicht.

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