Roaming mit Billigmarken ist teuer

Wer im Ausland mit den Billigmarken telefoniert und surft, kann böse Überraschungen erleben.

Roaminggebühren fallen an, damit der Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters ein ausländisches Netz nutzen kann. Foto: Alamy

Roaminggebühren fallen an, damit der Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters ein ausländisches Netz nutzen kann. Foto: Alamy

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Sie heissen Wingo, Yallo und «Das Abo»: Die Schweizer Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt bieten ausserhalb ihrer Hauptmarken gezielt Zweitmarken an, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Eine attraktive Kundschaft sind jüngere Menschen, die nach günstigen Angeboten mit wenig Schnickschnack verlangen.

Diese Kundengruppe ist wechselwillig und sorgt deshalb in einem gesättigten Schweizer Mobilfunkmarkt für Wachstum. Mit Billigmarken buhlen die Anbieter um diese städtisch geprägten Nutzer.

Doch nicht immer bedeutet billig auch günstig, wie ein aktueller Vergleich von Moneyland.ch zu den Roamingtarifen von Zweitmarken der hiesigen Mobilfunkbetreiber zeigt. Dazu hat der Vergleichsdienst die Kosten für ein Gigabyte Datenverbrauch und jeweils 60 Gespräche zu durchschnittlich zwei Minuten in fünf beliebten Ferienorten berechnet. Die Rede ist von ­Spanien, den USA, Thailand, Vietnam und Südafrika. Die Annahme ist, dass der Nutzer zwei Wochen im Ferienland verbracht hat.

Schlaglicht auf Swisscom

Roaminggebühren fallen an, damit der Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters ein ausländisches Netz nutzen kann. Die Schweizer Betreiber setzen damit zusammen eine halbe Milliarde Franken um. Die Einnahmen dank Roaming sind jedoch seit 2011 rückläufig. Gründe sind der steigende Preisdruck und die Möglichkeit, übers drahtlose Internet anstatt über die ausländischen Mobilfunknetze zu telefonieren.

Bei den Ergebnissen des Vergleichs fällt der Schweizer Marktführer auf. Kunden der Swisscom-Billigmarken Wingo und Simplymobile zahlen für Roaming im Ausland durchwegs mehr als Swisscom-Kunden selbst. In Spanien kostet Wingo 46 Prozent mehr als die Stammmarke. Ausserhalb Europas ist Wingo fast viermal so teuer.

«Swisscom zockt beim Roaming ihre Billigmarken-Kunden ab.»Ralf Beyeler, Telecomexperte Moneyland

Bei Simplymobile gibt es ebenfalls Unterschiede: Roaming in der Europäischen Union ist 83 Prozent teurer als mit der Stammmarke. In den anderen untersuchten Ländern bezahlen Simplymobile-Nutzer bis zu viermal mehr als Kunden der Swisscom.

Telecom-Experte Ralf Beyeler von moneyland.ch kritisiert: «Swisscom zockt ihre Billigmarken-Kunden ab. Es gibt keinen Grund, weshalb Nutzer für Roaming das Vierfache eines normalen Swisscom-Kunden hinblättern müssen.» Für die Nutzung fremder Netze zahle Swisscom den ausländischen Mobilfunkanbietern gleich viel – «unabhängig davon, welches Abonnement der Kunde hat».

Verzicht auf Extras

Den Vorwurf der Abzocke bestreitet Swisscom. Mit Wingo und Simplymobile spreche das Unternehmen andere Zielgruppen an als mit den Swisscom-Angeboten. Laut Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher haben diese Kunden andere Erwartungen an ihren Anbieter und verzichten auf einen ausgeprägten Service, ein dichtes Vertriebsnetz oder andere Extras.

Allgemein sei zu beobachten, dass bei den Zweitmarken in der Regel nicht die Roamingleistungen, sondern eher die attraktiven Preise im Schweizer Markt im Vordergrund des Angebots stünden. Wie viele Kunden genau mit den Zweitmarken telefonieren, gibt die börsenkotierte Swisscom nicht bekannt.

Sunrise in Spanien günstiger

Bei Sunrise sind Yallo, Lebara, Ortel und Era in Spanien zwar günstiger als die Hauptmarke. Lebara und Yallo sind für das Roaming in Europa sogarpreiswerter als alle anderen Angebote von Swisscom und Salt sowie deren Billigmarken.

In fast allen anderen Ländern wird es dafür kostspielig. Ein Gigabyte an Daten und 120 Minuten Anrufe können laut Preisliste über 16'000 Franken kosten. Immerhin: In der Praxis wird der Kunde aber keine horrende Rechnung erhalten, weil die Nummer zwei in der Schweiz die Verbindungen lange vorher unterbricht.


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Aus Nutzersicht sei es begrüssenswert, wenn die Kunden von Billigmarken für Roaming in Europa weniger bezahlen müssen, sagt Telecom-Kenner Ralf Beyeler. «Aber ausserhalb der EU sind die Preise so astronomisch hoch, dass kein Kunde das Internet im Ausland sinnvoll nutzen kann. Hier wäre es nützlich, ähnliche Datenpakete wie Sunrise selbst anzubieten.»

Salt überrascht

Sunrise liess konkrete Fragen zur Roaming-Tarifpolitik bei den Zweitmarken unbeantwortet. Diese Produkte seien nicht mit den Angeboten der Hauptmarke vergleichbar, sagte Firmen­sprecher Rolf Ziebold. So sei Sunrise ein Vollanbieter, bei dem beispielsweise ein kostenloser Kundendienst inbegriffen sei. Hingegen seien die Serviceangebote von Yallo, Ortel und Lebara in den meisten Fällen kostenpflichtig.

Es geht aber auch anders, wie Salt (ehemals Orange) zeigt. Die in den Filialen der Schweizerischen Post verkauften Billigmarken «Das Abo» und «Das Prepay» haben grundsätzlich die gleichen Roamingpreise wie beim kleinsten Schweizer Anbieter selbst. Salt bietet auch alle Optionen und Pakete an. Das Fazit von Ralf Beyeler: «Salt verhält sich hier vorbildlich.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2018, 21:17 Uhr

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