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Postfinance drängt ins Anlagegeschäft

Die Bank braucht neue Einnahmequellen und startet daher neue Angebote im Anlagegeschäft. Diese Zeitung hat die Details.

Das bestehende Fondsangebot wird nun um digitale Anlageservices erweitert: Der Kunde delegiert dabei die Verwaltung seines Kapitals vollständig an Postfinance. Foto: Raisa Durandi
Das bestehende Fondsangebot wird nun um digitale Anlageservices erweitert: Der Kunde delegiert dabei die Verwaltung seines Kapitals vollständig an Postfinance. Foto: Raisa Durandi

Der Druck auf Postfinance steigt. Die Gewinne schrumpfen, der Einstieg ins lukrative Hypothekengeschäft wird, so er überhaupt kommt, noch eine Weile auf sich warten lassen. «Die Bank muss neue Erträge generieren», sagt Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern. Ein möglicher Ausweg aus der Misere ist der Einstieg in das Anlagegeschäft. Im Idealfall löst Postfinance so zwei Probleme auf einmal: Sie bekommt neue Gebühren und kann den von Minizinsen gefrusteten Kunden Anlagealternativen bieten.

Die Pläne dafür werden nun konkret. «Wir bauen das digitale Anlegen weiter aus und wollen im Anlagegeschäft wachsen», sagt Daniel Mewes, er ist bei Postfinance Mitglied der Geschäftsleitung und für die Anlageprodukte verantwortlich. Damit betritt die Bank Neuland. «Es gab bislang keine Anlageberatung und Vermögensverwaltung bei Postfinance», so Mewes.

Das bestehende Fondsangebot wird nun um digitale Anlageservices erweitert: Der Kunde delegiert dabei die Verwaltung seines Kapitals vollständig an Postfinance. «Postfinance verwaltet und überwacht die Vermögensverwaltungsmandate auf Basis der von den Kunden gewählten Anlagestrategie», erklärt Mewes. Die Bank erarbeitet dafür Anlagevorschläge.

Günstige Anlageprodukte

Damit die Kunden wissen, wie sie ihr Geld investieren, werden die Anlageentscheide in der monatlichen Publikation «Postfinance Anlagekompass» vorgestellt. «Unsere Hausmeinung wird von Menschen erarbeitet und computergestützt umgesetzt», so Mewes. Dabei setzt Postfinance auf günstige Anlageprodukte. Es kommen Fonds und Indexfonds (ETF) zum Zug, aber keine Einzeltitel wie Aktien oder Staatsanleihen. Die Mindesteinlage beträgt 5000 Franken. Tiefer geht nicht, weil sonst die Anteile zu klein sind.

«Die Performance nach Abzug aller Kosten steht im Vordergrund.»

Daniel Mewes, Postfinance Mitglied der Geschäftsleitung

Auch neu hinzu kommt die sogenannte Anlageberatung Plus. Der Kunde legt dabei sein Vermögen nach seiner Anlagestrategie an und erhält von der Bank Anlagevorschläge. Wie bisher kann ein Kunde sein Vermögen auch einfach selbstständig in Fonds von Postfinance sowie ausgewählte Fonds von Drittanbietern investieren.

«Wir verfolgen einen unspektakulären Ansatz, die Performance nach Abzug aller Kosten steht im Vordergrund», so Mewes. Das Angebot soll günstig sein und nicht mehr kosten als bei Fintech-Start-ups, verspricht Mewes. Laut Bankenprofessor Dietrich dürfte die neue E-Vermögensverwaltung nicht mehr als 0,5 bis 0,7 Prozent der Anlagesumme pro Jahr kosten.

Schwerer Stand für Robo-Advisor

«Diese neuen Anlagelösungen testen wir derzeit in einer Pilotphase mit rund 100 Personen», so Mewes. Die Tests laufen seit November und sollen bis Frühsommer 2020 abgeschlossen sein. Ziel sei, die neuen Services vor Mitte 2020 allen Kunden direkt im Onlinebanking oder auch über den Kundenberater zur Verfügung zu stellen.

Bisher haben automatisierte Anlagelösungen, die oft Robo-Advisor genannt werden, in der Schweiz einen schweren Stand. Laut der Hochschule Luzern verwalten die rund ein Dutzend Anbieter zusammen Kundengelder im Umfang von etwas über 300 Millionen Franken. Darunter sind Jungfirmen wie Descartes und True Wealth und etablierte Banken wie Swissquote oder Saxo. In den letzten Monaten haben sich daher der Investomat der Glarner Kantonalbank oder E-Invest von Elvia zurückgezogen.

Von Kontoführungsgebühren befreit

Privatkunden haben bei Postfinance 63 Milliarden Franken auf Konti liegen. Die Posttochter hat damit das Potenzial, den Markt aufzuwirbeln. Auch Raiffeisen plant eine digitale Vermögensverwaltung. «Zwei der grössten Banken der Schweiz kommen gleichzeitig mit einem vergleichbaren digitalen Anlageangebot auf den Markt, dadurch dürfte das Thema an Bekanntheit gewinnen», sagt Bankexperte Dietrich.

Und erst vor wenigen Monaten hat sich die Bank Vontobel in das Geschäft vorgewagt. Die Privatbank setzt die Mindesteinlage bei 10’000 Franken an. «Der Start ist gut gelaufen», so ein Vontobel-Sprecher. Das über Volt investierte Kundenvermögen liege derzeit im zweistelligen Millionenbereich. Raiffeisens Angebot soll auf der Volt-Technologie aufbauen.

«Es wird eine mehrjährige Anstrengung, Kundengelder anzuziehen.»

Daniel Mewes, Postfinance Mitglied der Geschäftsleitung

Wie viel Vermögen Postfinance mit ihren neuen Anlageprodukten verwalten will, dazu macht Mewes keine Angaben: «Es wird eine mehrjährige Anstrengung, Kundengelder anzuziehen respektive in Anlageprodukte umzuschichten.» Sicher ist aber: Auch die neuen Produkte zählen zum Anlagevermögen bei Postfinance. Das heisst, Kunden sind von Kontoführungsgebühren befreit, wenn sie insgesamt mehr als 25’000 Franken anlegen.

Ein Selbstläufer werde die neue digitale Vermögensverwaltung von Postfinance aber nicht, warnen Branchenkenner. Denn es sei nicht einfach, aus einem Sparkunden einen Anlagekunden zu machen. Viele Kunden hätten bewusst Geld auf dem Sparkonto, das sie eben nicht investieren wollen.

Ob die Anlagelösungen bei den Kunden ankommen, könnte aber von einem Faktor entschieden werden, auf den sie keinen Einfluss haben. Sollte es in den nächsten Monaten zu einem Einbruch an den Börsen kommen, steht ihr Start gleich zu Beginn unter einem schlechten Stern und die Kunden lassen von Anlageprodukten lieber die Finger.

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