Postenpoker von Ex-CS-Mann Khan

Topmanager Vom KV-Stift zum Shootingstar: Nun verlässt Vermögensverwaltungschef Iqbal Khan die Credit Suisse, ohne einen neuen Job zu haben. An Angeboten mangle es aber nicht, heisst es.

«Extrem smart, extrem ehrgeizig, immer die Karriere im Blick»: So wird Iqbal Khan beschrieben. Foto: Reuters

«Extrem smart, extrem ehrgeizig, immer die Karriere im Blick»: So wird Iqbal Khan beschrieben. Foto: Reuters

Der Massanzug sitzt, das dunkle volle Haar ist zu einem Betonscheitel fixiert, er präsentiert auf Englisch so flüssig und souverän, dass er dabei auch mal ­ Silben verschluckt – dann wird «Collaboration» zu «Cllbora­tion». Gestatten: Iqbal Khan, 43 Jahre, arbeitslos und derzeit die heisseste Bankenpersonalie der Schweiz.

Am späten Montagabend teilte die Credit Suisse mit, dass der Schweizer mit pakistanischen Wurzeln nach vier Jahren an der Spitze der internationalen Vermögensverwaltung die Bank verlasse. Khan will nach eigenen Angaben «den nächsten Karriereschritt ausserhalb der Credit Suisse verfolgen». Doch wohin er wechselt, ist noch offen. Aus seinem Umfeld heisst es, er habe mehrere Optionen. Eilig hat er es offenbar nicht, denn Khan fährt jetzt erst einmal in die Ferien.

Neuer Chef bei Julius Bär?

Der Mann pokert. Seit Monaten wird darüber spekuliert, dass Khan als Nächstes Chef der ­Privatbank Julius Bär werden könnte. Es ist bekannt, dass der neue Verwaltungsratspräsident Romeo Lacher einen Nachfolger für Bernhard Hodler sucht, der eher ungeplant Ende 2017 an die Spitze der Bank gespült worden war. Auslöser war der plötzliche Abgang des damaligen Bär-Chefs Boris Collardi, der als Partner bei Pictet anheuerte. Laut mehreren Quellen ist Kahn nach wie vor auf der Liste derjenigen, die Hodler an der Bär-Spitze beerben könnten. Aber entschieden ist noch nichts. Julius Bär äussert sich nicht dazu.

«Der nächste Posten muss nicht zwingend ein Chefposten sein», heisst es von Personen mit Zugang zu Khan. Sie verweisen darauf, dass es auch ein Interesse von US-Banken am gelernten Wirtschaftsprüfer gäbe, der seine Laufbahn als KV-Lehrling einst beim Treuhänder Revor in Dübendorf startete. Ausserhalb ihres US-Heimatmarkts haben die grossen US-Adressen wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley noch Luft nach oben im Geschäft mit den Reichen dieser Welt. Khans Expertise könnte hier sicher nützlich sein.

Und dann wird in Zürich gemunkelt, Khan könnte zur UBS wechseln. Mit der Berufung könnte der Verwaltungsrat die Kandidatenliste für die Nachfolge von Bankchef Sergio Ermotti auffüllen. Dazu müsste Khan aber zunächst einen Job in der Geschäftsleitung bekommen, laut mehreren Bank-Insidern gibt es derzeit keine Hinweise für solch einen anstehenden Umbau. UBS selbst äussert sich nicht.

Bei der Credit Suisse jedenfalls ging es dem ehrgeizigen Bankmanager offenbar nicht mehr schnell genug. Denn Bank-Chef Tidjane Thiam hat nicht vor, nach dem erfolgreichen Umbau der Bank so schnell Platz zu ­machen. Khan aber «ist unglaublich ehrgeizig», sagt ein Wegbegleiter. So plötzlich sein Abgang auch erfolgt – ein Loch hinterlässt er nicht. Sein Nachfolger als Leiter der internationalen Vermögensverwaltung wird der bisherige Finanzchef der Sparte, Philippe Wehle, der als Vertrauter Khans gilt.

«Extrem smart, extrem ehrgeizig, immer die Karriere im Blick», beschreiben ihn frühere Kollegen. Selbst wenn er ein Thema nicht zu 100 Prozent beherrschte, habe sein Auftritt immer überzeugt.

Mit 26 Jahren war der Sohn eines pakistanischen Kaufmanns und einer Schweizerin der jüngste diplomierte Wirtschaftsprüfer der Schweiz, mit 31 Jahren der jüngste Partner der Prüfgesellschaft EY. 2011 wechselte er in die Beratungsabteilung und übernahm dort die Sparte für Finanzdienstleister. Von dort heuerte der damalige Chef der Vermögensverwaltung der Credit Suisse, Hans-Ulrich Meister, Khan als Finanzchef für seine Sparte an.

Als 2015 der neue CS-Chef Tidjane Thiam die Bankführung komplett umbaute, hatte kaum jemand den jungen Aufsteiger auf dem Zettel. Doch Thiam vertraute dem Newcomer Khan die Sparte internationale Vermögensverwaltung an und setzte ihm ehrgeizige Ziele. Und Khan lieferte.

Starker Leistungsausweis

Dass Khan im Private Banking so ziemlich jeder Topjob zugetraut wird, liegt an seinem Erfolgsausweis. Als der zweifache Vater die Sparte übernahm, erwirtschaftete sie einen Vorsteuergewinn von 709 Millionen Franken und verwaltete rund 290 Milliarden Franken Kundengelder. 2018 lag der Vorsteuergewinn bei 1,7 Milliarden Franken, und das Volumen der Kundengelder war auf fast 360 Milliarden Franken angeschwollen. Die Kosten blieben dabei im Griff – Khan hat dafür zum Beispiel Hierarchiestufen gestrichen.

Finanziell kann sich der Aufsteiger eine Pause sicherlich leisten. Bei der Credit Suisse soll er zuletzt rund 9 Millionen Franken pro Jahr verdient haben. Beobachter fragen sich indes, wie lange bei Instituten wie der Julius Bär Topjobs noch zu vergeben sein werden. Khan wäre nicht der erste Topshot, der sich am Ende verpokert und nicht dort landet, wo er sich selbst sieht – nämlich ganz oben.

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