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Notendiebe bei Orell Füssli: «Rache oder Volldeppen»

Die Nationalbank geht davon aus, dass ein Angestellter 1,8 Millionen in Tausendernoten entwendet hat. Ein Insider zweifelt an dieser Theorie.

Die Tausendernoten im Betrag von rund 1,8 Millionen Franken wurden während des Produktionsprozesses in der Sicherheitsdruckerei von Orell Füssli gestohlen: Logo von Orell Füssli an einem Gebäude in Zürich.
Die Tausendernoten im Betrag von rund 1,8 Millionen Franken wurden während des Produktionsprozesses in der Sicherheitsdruckerei von Orell Füssli gestohlen: Logo von Orell Füssli an einem Gebäude in Zürich.
Keystone
Der Diebstahl fand bereits 2012 statt. Aus Rücksicht vor den laufenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sei die Öffentlichkeit nicht früher über den Fall informiert worden: Nationalbankpräsident Thomas Jordan.
Der Diebstahl fand bereits 2012 statt. Aus Rücksicht vor den laufenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sei die Öffentlichkeit nicht früher über den Fall informiert worden: Nationalbankpräsident Thomas Jordan.
/Peter Schneider, Keystone
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Von Hochsicherheitstrakt, Kameras, Kontrollschleusen und Durchsuchungen ist die Rede, wenn derzeit über die Vorsichtsmassnahmen im Sicherheitsdruck von Orell Füssli geredet oder geschrieben wird. Trotzdem konnten 1800 Tausendernoten verschwinden. Wie war das möglich?

Ein Insider zeichnet ein anderes Bild vom Arbeitsalltag der Büezer an den Notendruckmaschinen von Orell Füssli in Zürich-Wiedikon. «Es gab keine intensiven Kontrollen der Drucker», sagt Christian F.* Zu Schichtbeginn rein, Blaumann anziehen, an die Maschine, bei Schichtende Blaumann ausziehen, in den Garderobenschrank hängen und wieder heim. Das war bis zum Grossdiebstahl das Prozedere. Warum kam es trotzdem nie zu grösseren oder kleineren Diebstählen? «Weil kein Drucker je fertige Noten in Händen hält», sagt F. Die Notenbögen würden in einzelnen Arbeitsschritten in verschiedenen Bereichen gefertigt. Noten ohne Seriennummern oder Mikroperforation seien vermutlich schon beim fünftletzten Arbeitsschritt entwendet worden. Die Noten werden danach noch perforiert, nummeriert, dann lackiert, und zuletzt werden die Druckbögen geschnitten. «Richtig griff und greift das Sicherheitssystem erst, wenn eine der nummerierten Noten fehlt, dann schlägt ein Computer Alarm», sagt F. Das komme oft vor, etwa dann, wenn ein Druckbogen reisse. Diesen klebe man zusammen und melde den Ausfall des Druckbogens mit allen betroffenen Seriennummern der Nationalbank und schicke den Bogen als Ausschuss mit.

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