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Nestlé unterliegt in Mobbingprozess

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé ist wegen Mobbings einer ehemaligen Kaderfrau verurteilt worden. Das Waadtländer Gericht rügt das oberste Konzernmanagement harsch.

Der Vorgesetzte von Nestlé-Kaderfrau Yasmine Motarjemi stellte ihr miserable Zeugnisse aus, setzte sie gegenüber Mitarbeitern herab, entzog ihr kontinuierlich Verantwortung und löste am Ende gar ihr Team auf. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)
Der Vorgesetzte von Nestlé-Kaderfrau Yasmine Motarjemi stellte ihr miserable Zeugnisse aus, setzte sie gegenüber Mitarbeitern herab, entzog ihr kontinuierlich Verantwortung und löste am Ende gar ihr Team auf. Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Die ehemalige Nestlé-Kaderfrau Yasmine Motarjemi hat mit ihrer Mobbingklage gegen den Konzern Nestlé recht bekommen. Das Waadtländer Kantonsgericht kommt in einem am 7. Januar gefällten Urteil zum Schluss, dass Nestlé die Mitarbeiterin nicht vor Mobbing schützte und damit gegen das Arbeitsrecht verstiess. Das teilten die Klägerin und ihr Anwalt Bernard Katz am Dienstag in einem Communiqué mit. Yasmine

Motarjemi arbeitete von 2000 bis 2010 als Verantwortliche für die globale Lebensmittelsicherheit bei Nestlé. 2006 bekam sie einen neuen Vorgesetzten. Dieser stellte ihr miserable Zeugnisse aus, setzte sie gegenüber Mitarbeitern herab, entzog ihr kontinuierlich Verantwortung und löste am Ende gar ihr Team auf. Die Klägerin sei einer «hinterhältigen Belästigung» ausgesetzt gewesen, ihr sei «schweres moralisches Leid» zugefügt worden, heisst es im Urteil. Die von Nestlé veranlasste Untersuchung der Vorfälle durch ein externes Unternehmen wird als eine «Scheinuntersuchung» bezeichnet.

Von einer «brillanten Karriere» abgehalten

Wie das Kantonsgericht schreibt, ergriff das Nestlé-Management trotz zahlreicher Beschwerden der Kaderfrau keine angemessenen Massnahmen zu ihrem Schutz. Die Mitarbeiterin sei beruflich und sozial zerstört worden, «was sie von einer brillanten Karriere abhielt».

Das Gericht spricht Motarjemi eine Parteienentschädigung von 22’000 Franken und eine symbolische Wiedergutmachung von einem Franken zu. Das Bezirksgericht Lausanne, das als Vorinstanz die Klage abgewiesen hatte, soll nun über die finanziellen Forderungen der Klägerin entscheiden. Diese fordert eine Entschädigung für entgangene Lohnsummen.

Nestlé warb die Nahrungsmittelspezialistin einst bei der Weltgesundheitsorganisation ab und präsentierte sie als «Expertin mit internationaler Reputation».Zum Urteil wollte sich der Konzern auf Anfrage nicht äussern. Man sei daran, die Details des Entscheids zu analysieren, teilte eine Nestlé-Sprecherin mit. Bis Mitte Februar läuft eine Rekursfrist für den Weiterzug ans Bundesgericht.

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