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Muss mir der Chef den ganzen Feiertag gutschreiben?

Thomas Müller beantwortet Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht.

Ich bin mit einem 80-Prozent-Pensum im Detailhandel angestellt. An vier Arbeitstagen pro Woche arbeite ich je acht Stunden, montags habe ich frei. Für Feiertage werden mir jeweils nur 80 Prozent gutgeschrieben, also 6,4 Stunden. Somit resultiert für jeden Feiertag ein Minus von 1,6 Stunden. Ist diese Berechnungsmethode rechtens?

Ja, das ist sie. Laut dem Zürcher Arbeitsrechtsspezialisten Martin Farner gibt es zwei legale Methoden, mit denen Firmen die Feiertagsansprüche ihrer Teilzeitangestellten erfüllen können: die konkrete und die abstrakte. Bei der konkreten werden die Feiertage vollständig vergütet, die auf Arbeitstage des Angestellten fallen (in Ihrem Fall Dienstag bis Freitag). Tage, die ohnehin arbeitsfrei sind (in Ihrem Fall der Montag), werden nicht entschädigt. Da es mehrere Feiertage gibt, die jedes Jahr auf einen Montag fallen, würden Sie mit diesem System schlechter fahren als mit dem abstrakten, das Ihr Arbeitgeber und viele andere anwendet. Diese Firmen gewähren ihren Teilzeitangestellten unabhängig von den vereinbarten Arbeitstagen einen prozentualen Anteil an allen Feiertagen. Sie verhindern damit, dass der Feiertagsanspruch davon abhängt, an welchen Wochentagen ein Angestellter normalerweise arbeitet. Für jemanden wie Sie, der am Montag frei hat, ist diese Methode vorteilhaft, weil Sie am Oster- und am Pfingstmontag eine 80-Prozent-Zeitgutschrift erhalten, obwohl Sie an diesen Tagen ohnehin nicht arbeiten. Die 20 Prozent, die Ihnen bei Feiertagen abgezogen werden, die auf Arbeitstage fallen, werden also kompensiert durch Zeitgutschriften an Feiertagen, die ausserhalb der Arbeitstage liegen. Dieses System ist auch bei Krankheits- und Ferientagen zulässig und weit verbreitet.

Übrigens gibt es in der Schweiz nur einen Feiertag, der von Gesetzes wegen zu entschädigen ist, der 1. August. Die Kantone können zusätzlich acht Feiertage den Sonntagen gleichstellen. Es ist üblich, dass Firmen bei Arbeitnehmern im Monatslohn für diese Feiertage keinen Lohnabzug machen. Dazu verpflichtet sind sie allerdings nicht.

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Hausratversicherung

Beim Geldabheben bestohlen – darf Versicherung kneifen?

Als ich an einem Bancomaten tausend Franken abheben wollte, wurde ich von einem unbekannten Mann abgelenkt und bedrängt. In diesem Moment behändigte ein Komplize das Geld, das aus dem Automaten kam. Obwohl ich gegen «einfachen Diebstahl auswärts» versichert bin, will meine Hausratversicherung den Schaden nicht übernehmen, weil Geld nicht gedeckt sei. Stimmt das?

Ja, das ist bei praktisch allen Hausratversicherungen so. Die Versicherung stuft den Vorfall offensichtlich als Trickdiebstahl ein. Anders wäre es, wenn Sie Opfer eines Raubes geworden wären. Dann müsste Ihnen die Versicherung das gestohlene Geld ersetzen. Ein Raub setzt aber nach der gesetzlichen Definition voraus, dass der Täter Gewalt angewendet oder damit gedroht hat. Das scheint bei Ihnen nicht der Fall gewesen zu sein.

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Konsum

Kunde zahlt nicht – dürfen wir das Auto nochmals verkaufen?

Als kleiner Garagenbetrieb haben wir einem Kunden ein Occasionsfahrzeug für 4500 Franken verkauft. Der Käufer machte eine Anzahlung von 2000 Franken. Das Fahrzeug nahm er kurz mit, stellte es dann aber wieder bei uns ab. Der Restbetrag wäre vor drei Monaten fällig gewesen, aber der Kunde hat sich nicht mehr gemeldet und reagiert auch nicht auf unsere Mahnungen. Im Kaufvertrag steht, dass das Eigentum am Fahrzeug erst mit der vollständigen Bezahlung des Preises auf den Käufer übergeht. Heisst das nun, dass wir das Auto nochmals verkaufen dürfen, weil es immer noch uns gehört?

Nein. Ein Eigentumsvorbehalt ist nur wirksam, wenn er ins entsprechende Register am Wohnort des Käufers eingetragen wird. Das Register wird vom Betreibungsamt geführt. Eine vertragliche Vereinbarung genügt nicht. Indem Sie das Auto dem Käufer übergeben haben, ist er dessen Eigentümer geworden. Es bleibt Ihnen deshalb nichts anderes übrig, als für den Rest des Kaufpreises eine Betreibung einzuleiten.

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