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«Zu schnell auf die Bremsen zu treten, könnte Arbeitsplätze gefährden»

Christine Lagarde, Chefin des internationalen Währungsfonds, warnt vor zu harten Sparprogrammen in Europa. Und Angela Merkel und Nicolas Sarkozy beugen sich bei ihrem heutigen Treffen dem Diktat der Börse.

Hat Angst, dass Europa zu harte Massnahmen trifft: Christine Lagarde.
Hat Angst, dass Europa zu harte Massnahmen trifft: Christine Lagarde.
Keystone

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Industriestaaten vor zu drastischen Sparmassnahmen im Kampf gegen die weltweite Schuldenkrise gewarnt. Das Wachstum dürfe nicht geschwächt werden, schrieb IWF-Chefin Christine Lagarde in der «Financial Times».

Der Abbau der Schulden und damit verbundene Ausgabenkürzungen der Staaten müssten deshalb mit Augenmass erfolgen, schrieb Lagarde in der Dienstagsausgabe der Zeitung. «Zu schnell auf die Bremsen zu treten, würde die weltweite Erholung und den Aufbau von Arbeitsplätzen schädigen», schrieb Lagarde. Sie äusserte sich angesichts der weltweiten Schuldenkrise, die unter anderem in den besonders betroffenen europäischen Ländern zu drastischen Sparprogrammen geführt hat.

Weltbankpräsident Robert Zoellick sieht die Weltwirtschaft in einer neuen Gefahrenzone, wie er im australischen Canberra ausführte. Die europäischen Regierungen müssten ihre Wirtschaft umstrukturieren, um das Vertrauen der Märkte wieder herzustellen. Die Schuldenkrise in Europa und der Streit um die Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA hätten «eine Welle der Sorge und Unsicherheit» über die Märkte gebracht.

Eurobonds kein Thema zwischen Sarkozy und Merkel

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beraten am heutigen Dienstag in Paris über Massnahmen zur Stabilisierung der Euro-Zone. Die Einführung gemeinsamer Eurobonds soll aber nicht Thema des Treffens sein.

Nach Berliner Regierungsangaben geht es bei dem Treffen um konkrete Vorschläge, um das Krisenmanagement und die wirtschaftspolitische Steuerung zu verbessern. Die Vorschläge sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vorgelegt werden. Dies war bereits auf dem Gipfel im Juli vereinbart worden.

Über die Einführung gemeinsamer Eurobonds zur Lösung der anhaltenden Schuldenkrise wollen Merkel und Sarkozy nach Angaben aus Berlin und auch aus Paris nicht beraten. Eurobonds seien bei dem Spitzentreffen kein Thema, hiess es. Die deutsche Regierung lehnt solche Gemeinschaftsanleihen strikt ab. Zudem wollen die beiden Regierungschefs erst nach Börsenschluss über das Gespräch informieren - aus Angst vor allfälligen Turbulenzen auf den Märkten.

Angeschlagene Staaten für Eurobonds

Für Eurobonds sprachen sich die EU-Kommission und angeschlagene Staaten wie Italien aus. Um die Lage bei den Zinsen für Staatsanleihen zu entspannen, erwarb die Europäische Zentralbank erstmals seit Februar wieder solche Titel. Dafür griffen die Währungshüter mit 22 Milliarden Euro ungewöhnlich tief in die Kasse.

Die EZB hat damit Staatsanleihen im Wert von 96 Milliarden Euro in ihren Büchern, vor allem griechische, portugiesische und irische. Zuletzt dürfte sie nach Meinung von Experten aber insbesondere Papiere aus Spanien und Italien gekauft haben.

SDA/miw

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