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Und plötzlich steigt der Dollar

Der Sinkflug der US-Währung ist zu Ende. Ist das die definitive Trendumkehr?

Hebt den Leitzins an: Fed-Chef Jerome Powell. (21. März 2018)
Hebt den Leitzins an: Fed-Chef Jerome Powell. (21. März 2018)
Carolyn Kaster, Keystone

Für die meisten Devisenexperten stand Anfang Jahr fest: Der Dollar wird weiter an Wert verlieren. Seit kurzem muss die Vorhersage überdacht werden. Die US-Währung steigt stetig und kraftvoll. Zum Franken hat sie sich in einem Monat von 95 Rp. auf 1 Fr. verteuert. Der Euro notiert unter 1.20 Dollar, der markttechnisch wichtigen Schwelle, die als Unterstützungslinie dient. Selbst zum Yen weist der Kurs nach oben, wenngleich der Dollar zuletzt einzelne Gegenschläge einstecken muss.

«Es gab keinen spezifischen Auslöser für die Kurswende», kommentiert Athanasios Vamvakidis, Devisenstratege von Bank of America, «nur eine Ansammlung guter Nachrichten und die überverkaufte Marktsituation.» Gegenwärtig stocken vor allem Hedge Funds ihre taktischen Dollarpositionen auf. Längerfristig ausgerichtete Anleger – das sogenannte Real Money – beteiligen sich noch nicht an dieser Kaufwelle. Aber zumindest sei die Bereitschaft verschwunden, den Dollar zu verkaufen, berichten Händler.

Dollar wertet sich auf

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Die Konjunkturdaten unterstützen dieses Verhalten. In Europa hat der wirtschaftliche Aufschwung in den vergangenen Monaten markant an Schwung verloren. Das gilt nicht nur für die Nachzügler unter den Eurostaaten, sondern auch für den Motor der Erholung: die deutsche Industrie. Der Tempoverlust wirkt sich auf die Geldpolitik aus. In der Eurozone schwächt sich die Inflation ab. In den USA steigt sie.

Teuerung spricht für den Dollar

Die Europäische Zentralbank dürfte daraufhin die Geldpolitik länger locker halten, was den Euro schwächt, und damit auch die Schweizerische Nationalbank, die de facto von den Vorgaben aus Frankfurt abhängt. Im Gegensatz dazu muss sich die US-Notenbank überlegen, ob sie die Zinsen deutlicher erhöhen sollte als geplant. Betroffen sind nicht nur die Kurzfristsätze. Erstmals legen auch die langfristigen Marktzinsen zu. Die Rendite zehnjähriger Treasuries drang zeitweise bis 3% vor. Der absehbare Zinsvorteil festigt den Dollar.

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In die gleiche Richtung weist der Liquiditätsabbau in den USA. Die Überschussreserven amerikanischer Banken, die sie beim Fed halten, verringern sich. Die Notenbank baut ihre Aktiven ab. Sie ist bisher die einzige weltweit, die ihre durch Wertschriftenkäufe aufgeblähte Bilanz reduziert. Wenn die überschüssige Liquidität abnimmt, wertet sich der Dollar auf. Die US-Notenbanker planen, die Bilanz 2018 um rund 400 und 2019 um weitere 600 Milliarden Dollar zu kürzen. Die Landeswährung sollte von dieser Politik Unterstützung erhalten.

Überschüssige Liquidität nimmt ab

Anleger sollten sich also auf einen festeren Dollar gefasst machen. Das gilt selbst für Dollarbären. «Die Aufwärtskorrektur ist noch nicht abgeschlossen», schreibt beispielsweise Hans Redeker, der die Devisenanalyse von Morgan Stanley leitet. Er wartet auf den richtigen Zeitpunkt, um Dollar zu verkaufen. Dazu komme es, falls die Weltkonjunktur anziehe und synchroner verlaufe. Sobald die Investitionsnachfrage in den Schwellenländern anspringe, würden verstärkt Dollarkredite aufgenommen. Die Verbindlichkeiten stiegen, was den Dollar schwäche. Das habe sich in den letzten Jahren gezeigt: Der Kurs sinke in Zeiten von «Risk on», und er steige, wenn Anleger Sicherheit suchten.

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Vamvakidis sucht dagegen Signale, die für eine Fortsetzung der Aufwertung sprechen, wie einen grösseren US-Wachstumsvorsprung verbunden mit höherer Inflation. Oder Belege dafür, dass US-Unternehmen im Ausland anfallende Gewinne in die USA überweisen. Die meisten Auguren erwarten für die nächsten Monate Kurse von 1.16 bis 1.12 Dollar pro Euro. Je nachdem, ob der Euro über 1.20 Franken oder darunter notiert, ergeben sich daraus rechnerisch Dollarnotierungen von 1.03 bis 1.09 Franken.

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