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Italiens Tourismus liegt am Boden

Mit der Rezession hat sich auch das Ferienverhalten der Italiener verändert. Aus Geldnot bleiben die Städter den Sommer über in den Metropolen. Zu spüren kriegt dies die Hotellerie an der Küste.

Leere Strände, volle Balkone in den Städten: Strand bei Forte dei Marmi.
Leere Strände, volle Balkone in den Städten: Strand bei Forte dei Marmi.
Keystone

Vor Jahren noch galt es als Blamage, wenn nicht gar als Schande. Wer in Italien etwas auf sich hielt, verbrachte den August auf keinen Fall daheim in Rom, Mailand oder Neapel, sondern am Meer. Geschäfte waren wochenlang geschlossen.

Seit sich Italien im Würgegriff der Rezession befindet, hat sich das radikal geändert. Trotz strahlenden Sonnenscheins, Temperaturen über 35 Grad und schweisstreibender Schwüle sind die Metropolen belebt wie im Winter. Statt «wegen Ferien geschlossen» heisst es in zahlreichen Geschäften: wegen Krise geöffnet.

«Die Einnahmen sind bei uns stark zurückgegangen, und ich muss mein Lokal auch im August offen halten. Im vergangenen Jahr hatte ich mir noch zehntägige Ferien gegönnt, dieses Jahr muss ich unbedingt arbeiten», berichtete die Inhaberin eines Kiosks auf der Piazza Vittorio in Rom. In der italienischen Hauptstadt sind 70 Prozent der Geschäfte geöffnet.

Ferien auf Balkonien

Die Massenflucht aus den heissen Grossstädten an Strände und ins Gebirge hat sich abgeschwächt. Viele Römer machen es sich auf dem Balkon gemütlich.

In den Polizei-Notrufzentralen in Rom will nicht die übliche August-Ruhe einkehren. «Es ist nicht mehr zu tun als im Winter, aber auch nicht weniger», stellt eine Mitarbeiterin fest. Meist gehe es in den heissen Tagen um Streitigkeiten zwischen Eheleuten, Handgreiflichkeiten zwischen Nachbarn oder Beschwerden wegen Lärmbelästigung.

Im wichtigsten Ferienmonat August wird nahezu ein Drittel Italiener weniger als im Vorjahr in die Ferien fahren, teilte der nationale Hotelverband Federalberghi in Rom mit. 51,6 Prozent der Italiener, die nicht verreisen, machen Geldmangel für ihren Verzicht verantwortlich.

76,6 Prozent der Italiener, die sich trotzdem Ferien gönnen, reisen innerhalb der nationalen Grenzen. Nur 18,5 Prozent fahren ins Ausland, im Vorjahr waren es noch 21,4 Prozent, geht aus einer Federalberghi-Erhebung hervor.

Freie Zimmer in der Hochsaison

Waren Inseln wie Elba, Capri und Ischia im August voll ausgebucht, so kann man dieses Jahr problemlos noch Hotelzimmer und Ferienwohnungen mit Rabatten bekommen. Low-Cost-Angebote florieren im Internet. «Das war noch vor kurzer Zeit einfach unvorstellbar», klagen Hotelinhaber in Marciana Marina, einer der exklusivsten Ortschaften auf der Insel Elba.

«Das Signal ist klar. Die Krise belastet vor allem Arbeitnehmer und Angestellte, die das Rückgrat unseres Konsumsystems darstellen. Es wird für Tourismus immer weniger ausgegeben, die Reisen werden kürzer. Der italienische Tourismus ist k. o. Wir fordern, dass die Regierung für die Branche Notstandsmassnahmen ergreift», sagt Federalberghi-Chef Bernabo Bocca.

SDA/kpn

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