Gute Aussichten für Mieter, schlechte für Hauskäufer

Bauboom und weniger Zuwanderung prägen den Mietmarkt, tiefe Hypozinsen und hohe Preise den Eigentumsmarkt.

Die anhaltend starke Ausrichtung des Neubaus auf den Mietwohnungsmarkt sorgt für eine Entspannung: Blick in eine 2,5-Zimmerwohnung am Meret-Oppenheim-Platz in Basel. Foto: Patrick Straub, Keystone

Die anhaltend starke Ausrichtung des Neubaus auf den Mietwohnungsmarkt sorgt für eine Entspannung: Blick in eine 2,5-Zimmerwohnung am Meret-Oppenheim-Platz in Basel. Foto: Patrick Straub, Keystone

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Mieter mit geringem Budget haben es im Wohnungsmarkt in der Schweiz weiterhin schwer, dürfen aber auf eine Entspannung hoffen. Für angehende Eigentümer werden die Hürden wegen des knappen Angebot und der steigenden Preis aber immer höher.

Insgesamt zeigt sich der Schweizer Wohnungsmarkt gemäss Daten des Bundes im Gleichgewicht. «Wie bereits im Vorjahr ist die Schweiz 2018 ausreichend mit Wohnraum versorgt gewesen.» So lautet die auf den ersten Blick beruhigende zentrale Aussage einer am Dienstag publizierten Untersuchung des Bundesamtes für Wohnungswesen (BWO). Betrachtet man allerdings die verschiedenen Märkte einzeln, ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild.

Insbesondere zwischen dem Miet- und dem Eigentumsmarkt bestehen grössere Unterschiede. «Die Schere zwischen Miete und Wohneigentum öffnet sich weiter», schreibt dazu das BWO. Im Mietwohnungsmarkt haben sich die Aussichten für Mieter im vergangenen Jahr verbessert, ungeachtet des hohen Nachfragedrucks nach günstigen Wohnungen insbesondere in den Städten.

Starker Neubau und geringere Zuwanderung hilft Mietern

Dazu beigetragen haben laut BWO die anhaltend starke Ausrichtung des Neubaus auf den Mietwohnungsmarkt sowie die geringere Zuwanderung. Während die Zunahme der Anzahl Schweizerischer Haushalte 2018 mit einem Plus von 0,6 Prozent konstant blieb, nahmen die ausländischen Haushalte um 0,9 Prozent und damit etwas weniger zu als im Vorjahr. Diese anhaltende Abschwächung führt zu einer Entspannung auf den Mietwohnungsmärkten.

Diese hat im Berichtsjahr auch das unterste Mietpreissegment erreicht. Die Nachfrage übersteige dort zwar weiterhin das Angebot, räumt das BWO ein. Es fehle aber nicht mehr viel, um das Marktgleichgewicht zu erreichen. Und in den beiden oberen Mietpreissegmenten gibt es weiterhin mehr als genug freie Wohnungen.

Die Situation für Mieter mit kleineren Budgets bleibt damit schwierig, es gibt aber Hoffnung, dass sich die Situation in näherer Zukunft verbessert.

Ganz anders präsentiert sich die Ausgangslage für diejenigen, die lieber in den eigenen vier Wänden wohnen möchten. Die Suche nach einem geeigneten – und bezahlbaren – Objekt gleicht derjenigen nach der Nadel im Heuhaufen.

Angebot an Wohneigentum geringer als Nachfrage

Denn im Wohneigentumsmarkt gibt es einen deutlichen Nachfrageüberhang. Alle Preissegmente seien hier unterversorgt, da die Nachfrage nach Wohneigentum im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld auf hohem Niveau verharre, schreibt das BWO.

Das Amt zeigt sich darüber besorgt, denn der Preisdruck halte an und die Eigentumsquote sei im Vergleich zu vor fünf Jahren rückläufig. «Für einen breiter werdenden Kreis der Bevölkerung wird der Zugang zu Wohneigentum zunehmend schwierig», so das BWO.

Entsprechend verbergen sich hinter dem Gleichgewicht über den Gesamtmarkt weiterhin zwei bedeutende Ungleichgewichte - nach Region und Besitzform, wie das Amt bilanziert.

Dass sich die Situation nicht so rasch ändert und Wohneigentum für Viele attraktiv bleibt, belegen die neuesten Daten von ImmoScout 24. Gemäss dem vom Immobilienportal und dem Beratungsunternehmen IAZI herausgegebenen neuesten Swiss Real Estate Offer Index sind die angebotenen Preise für Eigentumswohnungen im Juni zwar um 1,6 Prozent gesunken, Einfamilienhäuser wurden dagegen für 2,1 Prozent mehr angeboten als noch im Mai.

Hypozinsen tief – Preise hoch

Schweizweit liegt damit der Quadratmeterpreis für ein typisches Einfamilienhaus bei gut 6'400 Franken, für einen Quadratmeter Eigentumswohnung müssen gar über 7'100 Franken hingeblättert werden. Die Preise sind also hoch, begünstigt wird die anhaltend hohe Nachfrage indes von den rekordtiefen Hypothekarzinsen.

Und glaubt man der neuesten Markteinschätzung des Hypothekenberaters Moneypark, dürfte sich auch an den tiefen Hypozinsen so rasch nichts ändern. Diese befänden sich weiter im Sinkflug und eilten von Rekord zu Rekord, heisst es dort. Sollten die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank ihre Zinsen tatsächlich senken, setze dies auch die Schweizerische Nationalbank unter Druck, da sonst eine weitere Aufwertung des Frankens drohe. Moneypark wagt die Prognose, dass die Hypothekarzinsen noch mehrere Jahre tief bleiben werden. (ij/sda)

Erstellt: 02.07.2019, 11:58 Uhr

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