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Erstmals seit 19 Jahren weniger als drei Millionen Arbeitslose

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai um 118'000 auf 2,96 Millionen gesunken. Allerdings driften die alten und neuen Bundesländer auseinander.

Der stabile Aufschwung hat die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen sinken lassen. Mit 2,960 Millionen Menschen waren im Mai 118'000 weniger offiziell auf Arbeitssuche als im April, wie die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Das ist der niedrigste Mai-Wert sei 1992. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Prozentpunkte auf 7,0 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Rückgang der Arbeitslosigkeit 276'000.

«Das ist, das muss man klar sagen, ein Erfolg, eine Bestätigung, eine Ermutigung für die Politik, für die Menschen, die sich Mühe geben, in Arbeit zu kommen, und sicher auch für den Auftrag der BA, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen», fasste der Vorstandsvorsitzende der Behörde, Frank-Jürgen Weise, zusammen.

Fast alle Branchen im Aufwind

Seinen Angaben zufolge lag die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach BA-internen Hochrechnungen im März bei 28,09 Millionen und damit nach den starken Einbussen während der Wirtschaftskrise wieder auf dem Niveau von 2006. Verglichen mit dem Vorjahr sind das 692'000 neue Stellen. Dabei nahm die Vollzeitbeschäftigung um 440'000 und die Teilzeitbeschäftigung um 249'000 zu.

Beschäftigung entstehe derzeit in fast allen Branchen, sagte Weise. Gesucht werden Mitarbeiter insbesondere in der Zeitarbeit, den anderen wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch wieder im verarbeitenden Gewerbe. Jobs abgebaut werden dagegen weiterhin in den sonstigen Dienstleistungen.

Weniger Langzeitarbeitslose

Vom Abbau der Arbeitslosigkeit konnten im Mai die Bezieher von Arbeitslosengeld I mit einem Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent deutlich stärker profitieren als die Hartz-IV-Empfänger (minus 4 Prozent).

Gleichzeitig ging aber die Zahl der Leistungsempfänger aus beiden Rechtskreisen, die länger als zwölf Monate ohne Job sind und damit als langzeitarbeitslos gelten, um 59'000 auf 889'000 zurück, wie BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt vorrechnete. Das sei eine «schöne Entwicklung» , betonte er .

Tatsächlich knapp 4,2 Millionen ohne feste Arbeit

Die offiziell gemeldete Arbeitslosenzahl spiegelt die Geschehnisse auf dem Arbeitsmarkt allerdings nicht umfassend wider: Tatsächlich waren im Mai knapp 4,2 Millionen Menschen ohne festen Job, wie BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker sagte. Zu dieser sogenannten Unterbeschäftigung zählen neben den als arbeitslos ausgewiesenen Menschen auch solche, die in Arbeitsmassnahmen wie Ein-Euro-Jobs und Weiterbildungsprogrammen untergebracht sind.

«Das sind Menschen, die keinen Job haben, aber gerne einen hätten», erklärte Weise. Laut Definition zählen zum Kreis der Unterbeschäftigten auch Kranke, Selbstständige und Arbeitslose über 58 Jahren, die seit mehr als einem Jahr kein Jobangebot mehr bekommen haben.

Durchschnittlich 2,9 Millionen Arbeitslose

Mit Blick auf das Gesamtjahr ist der BA-Vorstand zuversichtlich, die Drei-Millionen-Marke - wenn überhaupt - erst wieder im Dezember zu überschreiten. Zwar dürfte die Arbeitslosigkeit mit Beginn der Sommerferien schon im Juli und August wieder steigen. Das sollte aber nicht ausreichen, um über drei Millionen zu kommen, sagte Weise. Für das Gesamtjahr sei mit «aller Wahrscheinlichkeit» eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von 2,9 Millionen drin.

Risiken durch die seit 1. Mai bestehende Arbeitnehmerfreizügigkeit sieht die BA nicht: Bisher sei noch kein grosser Zustrom von Arbeitskräften aus Osteuropa aufgetreten, sagte Becker. Wie sich die Öffnung des Arbeitsmarktes tatsächlich auswirke, könne erst in ein paar Monaten gesagt werden.

Mehr Geld in den Behörden-Kassen

Eher Chancen als Risiken für den Arbeitsmarkt sieht die Bundesagentur auch durch die Energiewende. «Wir sind hier sicherlich leicht optimistisch, wir bewerten das aber nicht über», sagte Alt. Schliesslich sei noch fraglich, wie die anstehenden Investitionen zu finanzieren seien. Andererseits bestehe die Chance, die Wettbewerbsposition bei regenerativen Energien international zu verbessern.

Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt sollte auch mehr Geld in die Kassen der Behörde spülen: Nachdem die BA zuletzt ein Finanzdefizit von 4,3 Milliarden Euro für 2011 prognostiziert hatte, hält sie nun auch weniger als vier Milliarden Euro für möglich. Für Mai bezifferte Weise den Haushaltsüberschuss auf 1,02 Milliarden Euro. Erwartet worden war ein Defizit von knapp 0,2 Milliarden Euro.

dapd/sda/rub, bru

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