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Draghi schickt Börsenkurse auf Talfahrt

In der Schweiz und Europa erlebten die Aktienmärkte einen rabenschwarzen Tag. In den USA fingen sich die Börsen später wieder. Ausgelöst wurde der Abwärtstrend von EZB-Präsident Mario Draghi.

In den USA erholten sich die Kurse im Verlauf des Tages wieder: Händler an der New York Stock Exchange. (12. Oktober 2014)
In den USA erholten sich die Kurse im Verlauf des Tages wieder: Händler an der New York Stock Exchange. (12. Oktober 2014)
Richard Drew, Keystone

Es war ein turbulenter Börsentag: Erst starteten die Aktien mit tiefroten Vorgaben aus Übersee und Fernost deutlich tiefer in den Handel. Nach einer vorübergehenden Erholung kannten die Börsen nach der EZB-Sitzung nur noch eine Richtung: Abwärts.

Der Ritt nach unten wurde von EZB-Präsident Mario Draghi initiiert. Dieser enttäuschte die Märkte insofern, als dass er nichts Konkretes über den geplanten Kaufumfang der Stützungsinstrumente wie Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefen sagte. Ein anderer Belastungsfaktor waren überraschend schwache Daten zur US-Industrie.

SMI mit Verlust von 1,53 Prozent

Der Swiss Market Index (SMI) ging am Berichtstag mit einem Minus von 1,53 Prozent auf 8654,71 Punkte aus dem Handel. Der breite Swiss Performance Index (SPI) büsste 1,50 Prozent auf 8520,59 Zähler ein. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen 29 im Minus und nur einer im Plus.

Andernorts in Europa sah es noch düsterer aus. So verlor der Dax, der Leitindex der Frankfurter Börse, knapp 2 Prozent. In London sank der FTSE 100 knapp 1,7 Prozent, in Paris gaben die Index-Titel im CAC 40 beinahe 2,9 Prozent nach und in Madrid stürzte der IBEX 35 gar um mehr als 3,1 Prozent.

Ermutigende Daten aus den USA

Die US-Börsen folgten bei der Eröffnung im späteren Verlauf des Tages zunächst diesem Negativtrend. Gegen Mittag (New Yorker Lokalzeit) kehrte er dann. Schliesslich schlossen die Indizes gehalten. Der Dow Johnes verzeichnete ein Minus von 0,02 Prozent, der S&P 500 ein Plus von 0,01 Prozent.

Ermutigende Daten vom US-Arbeitsmarkt stützten die Kurse. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ging in der vergangenen Woche überraschend auf 287'000 zurück. Auch konnte ein Anziehen der Kurse von Banken- und Konsumwerten ein weiteres Abrutschen der US-Börsen verhindern. Zudem bremste eine Erholung des zuletzt gebeutelten Nebenwerte-Index Russell-2000 den Abschwung.

Bis zu 6,2 Prozent Verlust bei SMI-Titeln

Der positive Ausreisser vorneweg: Die Aktien des Chemiekonzerns Clariant verteuerten sich um 0,5 Prozent, kamen jedoch von ihren Tageshochs zurück. Befeuert wurden die Avancen von einmal mehr aufflammenden Übernahmespekulationen; als angeblicher Interessent wurde BASF genannt. Die Deutschen steckten derzeit aber in einer grossen Restrukturierung, merkten Händler an. Eine Übernahme von Clariant sei daher wenig wahrscheinlich.

Ganz am anderen Ende der SLI-Rangliste fanden sich die Aktien des Ölbohrservice-Konzerns Transocean mit minus 6,2 Prozent wieder. Im Handel wurde auf ein Gerichtsurteil gegen BP im Zusammenhang mit drohenden Rechtskosten zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aus dem Jahr 2010 verwiesen. Die auch in den USA gehandelten Transocean-Aktien hatten bereits am Mittwochabend Terrain eingebüsst und sanken dort am Donnerstag zum Handelsstart weiter.

Da es am Berichtstag kaum Neuigkeiten von Unternehmensseite gab, rückten Analystenstudien stärker in den Vordergrund. So auch bei den Papieren des Warenprüfkonzerns SGS, die sich um 4,3 Prozent verbilligten. Sie wurden von einer Ratingsenkung durch das Research der Credit Suisse von bisher «Neutral» auf «Underperform» belastet.

Auch Banken, Pharma und Nestlé im Minus

Auf der Verliererseite standen auch die Banken: Die Aktien von Credit Suisse (-2,8 Prozent), Julius Bär (-2,6 Prozent) und UBS (-2,1 Prozent) gaben allesamt mit dem Auftakt der EZB-Pressekonferenz weiter nach. Etwas besser hielten sich die Versicherungswerte, allen voran Zurich Insurance mit einem Abschlag um lediglich 0,3 Prozent. Die Ratingagentur S&P hatte am Vorabend den Ausblick von «stabil» auf «positiv» angehoben.

Die defensiven Schwergewichte wurden ihrem Ruf als Absicherung nicht gerecht: Die Titel von Roche sanken um 2,0 Prozent, jene von Novartis und Nestlé um je 1,1 Prozent. Die drei Titel bestreiten zusammen mehr als die Hälfte der SMI-Kapitalisierung und drückten entsprechend dem Index ihren Stempel auf.

SDA/rub

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