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«Die Zahl der Hilfesuchenden ist regelrecht explodiert»

Die Krise treibt die Menschen in der Schweiz zunehmend zu Schuldenberatern und Hilfsorganisationen. Eine neuen Studie zeigt: noch nie hatten so viele Personen finanzielle Probleme wie heute.

Lebensmittel für Working Poor: Caritas-Markt in Zürich.
Lebensmittel für Working Poor: Caritas-Markt in Zürich.
Keystone

Die Schuldenberatungsstellen in der Schweiz verzeichneten in den letzten Jahren massiv mehr Hilfesuchende. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Dachverbandes «Schuldenberatung Schweiz». Im vergangenen Jahr wandten sich rund 3500 verschuldete Personen an die 20 grössten Beratungsstellen. Das sind 30 Prozent mehr als im Jahr 2004 und so viele wie noch nie.

Eine Umfrage der «SonntagsZeitung» belegt zudem, dass sich die Beratungsfälle in den Kantonen Bern, Aargau und Solothurn seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 verdoppelt haben. Zürich registrierte im gleichen Zeitraum fast 50 Prozent mehr Beratungen. Jetzt schlagen die Experten Alarm: «Wir werden völlig überrannt», sagt Katharina Blessing von der Zürcher Fachstelle für Schuldenfragen gegenüber der Zeitung. «Seit 2008 ist die Zahl der Hilfesuchenden regelrecht explodiert.»

Zahl der Working Poor nimmt zu

Laut Blessing könne man den Ansturm kaum mehr bewältigen. Viele Personen müssten abgewiesen oder mit telefonischen Kurzberatungen abgefertigt werden. Das beschäftigt auch Jürg Gschwend, Leiter der Fachstelle Schuldenberatung bei Caritas: «Durch die Krise und den damit verbundenen Einkommenseinbussen hat sich die Zahl der verschuldeten Leute erhöht.» Die bestehenden Beratungskapazitäten würden bei weitem nicht mehr ausreichen. Gschwend fordert Wirtschaft und Politik nun auf, die Angebote auszuweiten oder finanziell zu unterstützen.

Neben der Krise beschäftigt die Experten gemäss der «SonntagsZeitung» zudem eine neue Herausforderung: Die Working Poor. Immer mehr von ihnen wenden sich an die Fachstellen. Sie verdienen schlicht zu wenig, um all ihre Rechnungen fristgerecht zu bezahlen - trotz geregeltem Arbeitsalltag und sparsamem Umgang mit Geld. So gerieten sie immer mehr in den Schuldensumpf; eine Tendenz, welche sich mit der Wirtschaftskrise verstärkt und bei vielen das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Die durchschnittliche Schuldenhöhe der Ratsuchenden hat sich seit 2004 von 57'000 auf 67'000 Franken erhöht. Zeitgleich fiel ihr Durchschnittseinkommen von 4500 auf 4200 Franken im Monat. In beinahe einem Viertel der Fälle waren die Schulden auf prekäre Arbeitsverhältnisse zurückzuführen.

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