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Die Krise verschärft das Armutsrisiko

Mit den Sparmassnahmen der Regierungen lassen sich zwar die Schulden senken. Die ungleiche Einkommensverteilung und die Armut steigen jedoch, wie die OECD in ihrem Bericht festhält.

«Arbeitsplätze schaffen anstatt sparen»: Der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho und OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría präsentieren in Paris den Bericht. (14. Mai 2013)
«Arbeitsplätze schaffen anstatt sparen»: Der portugiesische Premierminister Pedro Passos Coelho und OECD-Generalsekretär José Ángel Gurría präsentieren in Paris den Bericht. (14. Mai 2013)
Keystone

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die ungleiche Einkommensverteilung und das Armutsrisiko in den führenden Industrie- und Schwellenländern deutlich erhöht. In den Jahren 2007 bis 2010 sei die Ungleichheit bei den Bruttoeinkommen in der OECD stärker angestiegen als in den zwölf Jahren zuvor.

Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris bekanntgab, dämpften Konjunkturpakete sowie Steuer- und Transfersysteme zwar die negativen Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007 bis 2010 ab. Die Arbeitslosigkeit und die Sparmassnahmen vieler Regierungen liessen jedoch befürchten, dass sich das Risiko für Armut und soziale Ungleichheit in den nächsten Jahren noch verschärfen werde.

Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit waren den OECD-Daten zufolge besonders stark in Island, Griechenland, Estland, Mexiko, Spanien und Irland zu spüren, wo die Einkommen aus Arbeit und Kapital um fünf Prozent oder mehr pro Jahr zurückgingen.

Arbeitsplätze schaffen anstatt sparen

OECD-Generalsekretär Angel Gurría hob hervor, dass es zwar nötig sei, die öffentlichen Ausgaben zu begrenzen. Gleichzeitig müssten Massnahmen für Arbeit und Wachstum aber für Fairness und Effizienz sorgen und alle Menschen einer Gesellschaft einbeziehen.

«Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig es ist, die schwächsten Mitglieder in unseren Gesellschaften zu unterstützen», sagte er zur Vorlage der aktualisierten OECD-Daten zur Einkommensverteilung.

Grösste Einkommensunterschiede in Chile und Mexiko

Die grösste Ungleichheit herrscht den Daten zufolge innerhalb der OECD in Chile und Mexiko, die geringste in Island, Slowenien, Norwegen und Dänemark.

In Deutschland und in Österreich stiegen in den Krisenjahren 2007 bis 2010 sowohl die Markteinkommen aus Arbeit und Kapital als auch die verfügbaren Einkommen nach Steuern und Abgaben leicht an. Die Einkommensungleichheit verharrte laut OECD in beiden Ländern etwa auf Vorkrisenniveau.

Dagegen verlief die Einkommensentwicklung in 21 von 33 Ländern, für die Daten vorlagen, für die zehn Prozent Bestverdiener besser als für die zehn Prozent am unteren Ende.

9,5 Prozent der Menschen in der Schweiz leben in relativer Armut

Laut OECD erhöhte sich in den Krisenjahren auch das Armutsrisiko für Kinder und junge Menschen, für Ältere sank es hingegen. In Deutschland lebten demnach 2010 knapp 9 Prozent der Menschen in relativer Armut, in Österreich 8 Prozent, in der Schweiz 9,5 Prozent und im OECD-Durchschnitt 11,3 Prozent.

Wie in 15 anderen OECD-Ländern stieg in Deutschland das Armutsrisiko für Kinder in den drei Krisenjahren an, das Land verzeichnete aber als einziges ein erheblich gesunkenes Risiko für 18- bis 25-Jährige.

Gini-Koeffizient im Schnitt bei 0,31

Die OECD berechnet die Ungleichheit auf der Basis von zwei Indikatoren: dem sogenannten Gini-Koeffizienten, der Null beträgt, wenn alle Menschen dasselbe Einkommen haben und Eins, wenn nur eine Person über das gesamte Einkommen einer Gesellschaft verfügt.

Hinzu kommt das Verhältnis zwischen den Durchschnittseinkommen der ärmsten und der reichsten zehn Prozent eines Landes. Der Gini-Koeffizient für verfügbare Einkommen lag 2010 im OECD-Schnitt bei 0,31.

SDA/chk

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