Zum Hauptinhalt springen

«Aufwertungsdruck auf den Franken hat zugenommen»

SNB-Präsident Thomas Jordan nimmt zur Geldpolitik Stellung. Der Franken-Euro-Kurs reagiert empfindlich.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält am Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken fest. Entsprechend belässt sie den Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent. Der Mindestkurs bleibe das zentrale Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen zu verhindern, bekräftigte die SNB am Donnerstag. Sie werde ihn weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen und sei bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Auch werde sie bei Bedarf unverzüglich weitere Massnahmen ergreifen. In seiner Rede sagte SNB-Präsident Thomas Jordan zudem, der Aufwertungsdruck auf den Franken habe wieder zugenommen.

Jordans Auftritt heute vor den Medien.
Jordans Auftritt heute vor den Medien.

Der Franken sei nach wie vor hoch bewertet und die Deflationsrisiken hätten nochmals zugenommen, teilte die SNB weiter mit. Sie hat deshalb die Inflationsprognose nach unten verschoben. Sie erwartet für 2015 eine Teuerung im negativen Bereich (minus 0,1 Prozent). Für 2014 hat sie die Prognose auf 0,0 Prozent gesenkt.

Bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung ist die SNB optimistischer als andere Konjunkturauguren. Für 2015 rechnet sie mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft von rund 2 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet sie 1,5 bis 2 Prozent.

Der Euro fällt

Der Euro stürzte unmittelbar nach der Entscheidung der SNB auf 1.2014 Franken ab. Am Nachmittag stand er bei 1,2012 Franken. Davor hatte die Gemeinschaftswährung zwischen 1.2028 und 1.2038 Franken geschwankt.

Seit Mitte November pendelte der Euro um die Marke von 1.2020 Franken. Auch nach dem wuchtigen Nein des Stimmvolkes zur Goldinitiative, welche die Geldpolitik der SNB eingeschränkt hätte, blieb die Gemeinschaftswährung nahe beim Mindestkurs.

Grund für die neuerliche Euro-Schwäche sind die Ankündigungen der Europäischen Zentralbank (EZB), sie prüfe im Kampf gegen eine mögliche Deflation eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Dabei stehen auch erstmals Käufe von Staatsanleihen zur Debatte.

Keine Angaben zu möglichen Interventionen

Ob die Nationalbank am Devisenmarkt interveniere, dazu gab es keine Angaben. Jordan sagte, die Nationalbank gebe keine Auskunft zu Transaktionen. Der Mindestkurs würde auch in Zukunft durchgesetzt, betonte Jordan. Dabei seien weitere Massnahmen nicht ausgeschlossen – nach wie vor auch Negativzinsen nicht.

Im vergangenen Monat war es zu Spekulationen über vereinzelte Interventionen der SNB beim Euro-Franken-Kurs gekommen. Dies wären die ersten Interventionen seit September 2012 gewesen. Der Euro hatte im November mehrfach kurzzeitig bei 1.2010 Franken notiert, also bei jenem Kurs, bei dem die SNB 2012 laut Händlern jeweils interveniert hatte.

Haben keine Absicht, Gold zu verkaufen

Stellung nahm Jordan auch zur Goldinitiative. «Wir haben keine Absicht, Gold zu verkaufen», sagte der SNB-Präsident. Er bestätigte nochmals, dass Gold ein «wichtiger Teil unserer Währungsreserven» sei und bleibe.

Am 30. November hatte das Schweizer Stimmvolk die Goldinitiative abgelehnt. Die Initiative hatte gefordert, dass die Nationalbank mindestens 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold hält, kein Gold mehr verkauft und alles Gold in der Schweiz lagert.

«Wir sind über die Ablehnung der Initiative erleichtert», sagte Jordan. Eine Annahme der Initiative hätte das Führen einer stabilitätsorientierten Geldpolitik sehr erschwert. Jordan betonte auch noch einmal, dass die SNB «im internationalen Vergleich einen hohen Goldbestand» halte.

SDA/ldc

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch