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Italien gerät immer stärker in Sog der Schuldenkrise Von Daniela Pegna, Reuters Hintergrund

Frankfurt Europa bangt um Italien: Das Mittelmeerland gerät zusehends stärker in den Sumpf der Schuldenkrise.

«Es wird mehr und mehr an den Märkten gespielt, dass Italien das nächste Griechenland sein könnte», sagt Helaba- Devisenanalyst Ulrich Wortberg. Seit Freitag hat der Druck auf das Kernland der EU deutlich zugenommen. Eine Korruptionsaffäre um einen engen Vertrauten des Wirtschaftsministers Giulio Tremonti schürte neue Zweifel an den Sparanstrengungen Italiens. «Die politische Unsicherheit ist gross, weil nicht klar ist, ob sich Tremonti, der als Garant für eine solide und konservative Haushaltspolitik gilt, halten kann», sagt Rainer Guntermann, Analyst bei der Commerzbank. Auch am Montag forderten die Anleger immer höhere Risikoaufschläge. So muss Italien den Investoren für zehnjährige Anleihen inzwischen bereits 5,56 Prozent zahlen - nach knapp 5,3 Prozent am Freitag. Vergleichbare deutsche Bundesanleihen rentieren bei 2,7 Prozent. Neue Dimension «Mit Italien würde die Schuldenkrise eine neue Dimension erreichen», sagte ein Händler. «Niemand möchte sich ausmalen, was passiert, wenn die drittgrösste Volkswirtschaft Europas tatsächlich ins Straucheln gerät.» Analysten gehen davon aus, dass der aktuelle Rettungsschirm mit 750 Milliarden bei weitem nicht ausreicht, sollte das Mittelmeerland zum Krisenfall werden. Einem Bericht der «Welt» zufolge gibt es inzwischen bei der EZB einen breiten Konsens für eine Verdoppelung der Summe. EZB-Ratsmitglied Nout Wellink hatte diesen Vorschlag bereits Mitte Juni gemacht. Eine deutliche Vergrösserung des Rettungsschirms dürfte in den Geberländern aber nur schwer durchsetzbar sein, meint Commerzbank- Analyst Guntermann. Auch Helaba-Experte Wortberg hält einen solchen Schritt eher für unwahrscheinlich, weil der Widerstand in der Bevölkerung immer grösser werde. Bislang nehmen Griechenland, Irland und Portugal Finanzhilfen ihrer Partner im europäischen Währungsraum in Anspruch. Hoffen auf zügiges Krisenmanagement Noch hoffen die Analysten vor allem darauf, dass sich die EU- Spitzenpolitiker möglichst bald auf die Details für ein zweites Rettungspaket für Griechenland einigen. Die Verhandlungen stecken derzeit fest - Knackpunkt ist dabei die unter anderem von Deutschland geforderte Beteiligung privater Gläubiger. «Schaffen es die EU-Spitzenpolitiker, hier mal ein klares Signal zu senden, dürften sich die Märkte insgesamt beruhigen und davon sollte auch Italien profitieren», sagt HSBC-Trinkaus Volkswirt Rainer Sartoris. Hoher Schuldenberg «Fundamental hat sich an der Situation Italiens in den vergangenen Tagen ja nichts verändert.» Dass das Land seit Jahren einen riesigen Schuldenberg vor sich herschiebe und der Wirtschaftsaufschwung nur schwer in Gang komme, sei schliesslich kein Geheimnis. In der Schuldenentwicklung nimmt Italien in Europa eine Position in der absoluten Spitzengruppe ein. Mit 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung drückt Italien nach Griechenland in der Euro- Zone die grösste Schuldenlast. Allerdings liegt die Staatsschuld in Italien vor allem in heimischen Händen.

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