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Individuelle Lohnerhöhungen: «Gerade Frauen sind benachteiligt»

Die Entwicklung der Löhne werde dem Wirtschaftswachstum nicht gerecht, findet Travaillesuisse. Und sie beobachtet eine Individualisierung.

red
Kommt laut Travailsuisse immer öfter vor: Individuelle Lohnerhöhungen. (Symbolbild) Bild: Cecilie Arcurs/iStock
Kommt laut Travailsuisse immer öfter vor: Individuelle Lohnerhöhungen. (Symbolbild) Bild: Cecilie Arcurs/iStock

Die diesjährige Lohnrunde ist für den Arbeitnehmerverband Travailsuisse ungenügend ausgefallen. Für den Grossteil der Arbeitnehmenden würden die Löhne zwischen 0,5 und 1,5 Prozent steigen, gefordert worden waren zwei Prozent. Sorgen bereitet die anhaltende Individualisierung der Lohnerhöhungen.

Zwar sei positiv, dass es für die Arbeitnehmenden nur ganz selten Nullrunden gebe, hiess es an einer gemeinsamen Medienkonferenz von Travailsuisse und den angeschlossenen Verbänden Syna und transfair vom Montag. Lohnerhöhungen von deutlich über einem Prozent hätten aber Seltenheitswert, sagte der Leiter Wirtschaftspolitik von Travailsuisse, Gabriel Fischer.

Das erzielte Ergebnis sei mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre ungenügend. Mit einem Wachstum von 1,6 Prozent im 2017 und 2,5 Prozent im 2018, sowie einem prognostizierten Wachstum von 0,8 Prozent für 2019 und von 1,7 Prozent für 2020 habe die Schweizer Wirtschaft erfreuliche Jahre hinter sich und solide Perspektiven vor sich. Umso krasser sei der Kontrast zu der Entwicklung der Löhne der Arbeitnehmenden.

Vom Wirtschaftsboom der letzten Jahre hätten die Arbeitnehmenden bisher zu wenig profitieren können. In den Jahren 2017 und 2018 hätten sie gar erstmals seit zehn Jahren wieder Reallohnverluste hinnehmen müssen. Auch im laufenden Jahr habe die Teuerung einen beträchtlichen Teil der Lohnerhöhungen weggefressen und auch die diesjährige bescheidene Lohnrunde werde kaum für Reallohnerhöhungen ausreichen.

Hohes Wirtschafts-, tiefes Lohnwachstum

«Wir beobachten in den letzten Jahren ein Auseinanderdriften von Wirtschaftsentwicklung und Lohnentwicklung», sagte Fischer weiter. Während die Wirtschaft seit 2016 kumuliert um 6,6 Prozent gewachsen sein werde, stiegen die Nominallöhne lediglich um drei Prozent, wobei sich die Arbeitnehmenden aufgrund der Teuerung mit einem kumulierten Reallohnwachstum von lediglich 0,6 Prozent hätten begnügen müssen.

Ein anderes Problem sei die Individualisierung der Lohnerhöhungen. Während noch vor zehn Jahren zwei Drittel der Lohnerhöhungen als generelle Massnahmen allen Arbeitnehmenden zugute gekommen sei, liege insbesondere seit 2013 der Fokus zu stark auf individuellen Massnahmen.

Dadurch könnten nicht alle Arbeitnehmenden von Lohnerhöhungen profitieren – es drohten Intransparenz, Willkürlichkeit und Kaufkraftverlust. «Gerade Wenigverdienende, Teilzeitarbeitende und Frauen werden von der individuellen Verteilung benachteiligt», so Fischer.

Auch Syna beklagt ungenügendes Ergebnis

Auch die Gewerkschaft Syna stuft das Ergebnis als ungenügend ein. Die Lohnabschlüsse seien zwar leicht besser als im Vorjahr ausgefallen, aber auch, weil die Arbeitnehmenden auf die Strasse gegangen seien.

Syna-Präsident Arno Kerst verwies auf die Protestaktionen auf dem Bau und die Proteste der Angestellten des Gesundheitswesens im Waadtland, die beide erfolgreich verlaufen seien. Syna stehe aber weiterhin für eine konstruktive Sozialpartnerschaft und die Lösungsfindung am Verhandlungstisch.

Unzufrieden ist Syna vor allem mit der individuellen Verteilung der Löhne, bei der die teilzeitarbeitenden Frauen oft leer ausgehen würden. Und die ungenügenden Lohnabschlüsse in der MEM-Industrie, also der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, gefielen überhaupt nicht.

Der wirtschaftliche und politische Druck auf die Finanzierung des Service Publik halte weiterhin an, beklagte Albane Bochatay, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Transfair. Die bis heute feststehenden Lohnresultate hinterliessen ein zwiespältiges Gefühl.

Während einige Resultate positiv zu werten seien, würden andere den Erwartungen der Mitarbeitenden nicht gerecht. Es sei schwierig, die Resultate 2020 definitiv zu beurteilen. Bedauert wird, dass derzeit trotz einiger Ausnahmen individuelle Massnahmen die Norm sind. Im öffentlichen Verkehr seien die Resultate der Lohnrunde durchzogen, in der Öffentlichen Verwaltung stelle die generelle Lohnerhöhung von einem Prozent einen zufriedenstellenden Kompromiss dar.

(SDA)

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