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Gewinn statt Wachstum: Julius Bär ändert die Strategie

Das neue Führungsteam der Privatbank verabschiedet sich von den Zielen der Vorgänger. Was dahintersteckt.

Angelika Gruber
Kundengelder allein sind keine verlässliche Messlatte mehr: Filiale in Zürich. Foto: Keystone (Ennio Leanza)
Kundengelder allein sind keine verlässliche Messlatte mehr: Filiale in Zürich. Foto: Keystone (Ennio Leanza)

Lange Zeit war es das Mantra in der Vermögensverwaltungsbranche: Jeder wollte der Grösste sein. Stolz präsentierten die Privatbanken daher regelmässig, wie viel neues Geld sie bei der reichen und superreichen Kundschaft einsammeln konnten. Hinzu kamen Zukäufe, die mit einem Schlag Milliarden an Kundengeldern brachten und die Institute im Vergleich mit der Konkurrenz in eine andere Liga katapultierten.

Auch Julius Bär spielte hier erfolgreich mit: Der langjährige Bankchef Boris Collardi kaufte in Asien zu und stellte neue Bankberater ein, um das Wachstum voranzutreiben. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 400 Milliarden Franken stieg das Traditionshaus so zur drittgrössten Privatbank der Schweiz auf – nur geschlagen von der UBS und der Credit Suisse.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Kundengelder allein sind keine verlässliche Messlatte mehr für die Stärke einer Bank. Denn im Umfeld von Negativzinsen müssen die Institute für hohe Barbestände Negativzinsen bezahlen. Und ohnehin sind die Gebühren, die sie von den Millionären und Milliardären verlangen können, seit Jahren unter Druck.

Strategieänderung «nicht überraschend»

Dem trägt nun auch die neue Führungsriege Rechnung, die zu Wochenbeginn ihre Strategie präsentierte. Der seit September amtierende Chef Philipp Rickenbacher will die Bank nicht mehr über das Wachstum der Kundengelder steuern, sondern den Gewinn sukzessive steigern. Während der kommenden drei Jahre bis 2022 soll der bereinigte Vorsteuergewinn um mehr als 10 Prozent zulegen. Von den Wachstumszielen seiner Vorgänger, die die Bank im vergangenen Jahr ohnehin nicht erreicht hat, verabschiedete er sich.

Philipp Rickenbacher ist seit September CEO bei der Privatbank Julius Bär. Foto: Reuters
Philipp Rickenbacher ist seit September CEO bei der Privatbank Julius Bär. Foto: Reuters

Dieser strategische Schwenk dürfte nicht nur aus der Feder von Rickenbacher stammen. Die Bank hat mit dem ehemaligen Credit-Suisse-Manager und SIX-Verwaltungsratschef Romeo Lacher seit vergangenem Frühjahr auch einen neuen Verwaltungsratschef. Angesichts dieser personellen Änderungen komme die Akzentverschiebung nicht überraschend, sagte Vontobel-Analyst Andreas Venditti.

300 Jobs Stellen fallen weg

Um das neue Gewinnziel zu erreichen, setzt Rickenbacher auf ein umfangreiches Sparprogramm, dem im laufenden Jahr weltweit 300 Stellen zum Opfer fallen. In der Schweiz allein sollen bis zu 200 Jobs gestrichen werden. Der Stellenabbau betreffe sowohl Einheiten, die Kunden berieten, als auch die bankinterne Verwaltung, sagte Rickenbacher. Das soll helfen, die Kosten um rund 200 Millionen zu senken. Zudem will Rickenbacher prüfen, ob Bär auch künftig in allen Ländern vertreten sein soll, in denen die Bank heute präsent ist.

Im vergangenen Jahr sank der Gewinn der Bank wegen mehrerer Sondereffekte um 37 Prozent auf 465 Millionen Franken. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 1.50 Franken je Aktie erhalten – nachdem diese zuvor fünf Jahre in Folge gestiegen ist. Bei den Anlegern kam die Richtungsänderung nicht gut an: Die Bär-Aktie gab knapp 4 Prozent nach.

Grössere Konkurrenten haben bereits vorgelegt

Mit dem neuen Fokus vollzieht Bär einen Strategieschwenk, den grössere Konkurrenten wie UBS und Credit Suisse bereits seit einiger Zeit eingeleitet haben. «Bär geht nun – etwas später – auch in diese Richtung», sagte Analyst Venditti.

Die UBS strebt in ihrer grössten Sparte Vermögensverwaltung unter dem neuen Chef Iqbal Khan über mehrere Jahre hinweg eine Steigerung des Vorsteuergewinns von 10 bis 15 Prozent an – auch wenn sie dieses Ziel bislang nicht erreicht hat. Das Nettoneugeld weist die grösste Schweizer Bank noch aus – will sich aber nicht mehr daran messen.

Und auch bei der Credit Suisse verliert diese Messgrösse nach Einschätzung von Bankenanalyst Venditti an Bedeutung. «Was dort in den letzten Jahren zum Gewinnwachstum beigetragen hat, war insbesondere die Senkung der Kosten», sagte er. Das dürfte mit dem angekündigten Sparprogramm wohl künftig auch bei Bär so sein.

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