Zum Hauptinhalt springen

Ölpreis-Rutsch bringt Venezuela an den Rand des Ruins

Der Ölpreis fällt weiter und weiter. Anleger spekulieren bereits auf eine Staatspleite. Jetzt sind Reformen nötig.

Die Ölpreise setzen die venezolanische Regierung unter Druck: Präsident Nicolas Maduro präsentiert während einem Besuch des Hafens von Guaraguao neue Öltanker.  (20. März 2013)
Die Ölpreise setzen die venezolanische Regierung unter Druck: Präsident Nicolas Maduro präsentiert während einem Besuch des Hafens von Guaraguao neue Öltanker. (20. März 2013)
Miraflores Press, Keystone
Die Raffinerie von Amuay ist die grösste ihrer Art in ganz Venezuela. Sie ist Teil der Erdölraffinerie Paraguaná im Staat Falcón. (28. August 2012)
Die Raffinerie von Amuay ist die grösste ihrer Art in ganz Venezuela. Sie ist Teil der Erdölraffinerie Paraguaná im Staat Falcón. (28. August 2012)
Ariana Cubillos, Keystone
Venezuelas Präsident Nicolas Maduro spricht während einer Amtshandlung in Caracas. Maduro hat wegen den sinkenden Ölpreisen Haushaltskürzungen angeordnet. Er deutete an, die Saläre der Führungsetage würden unter die Lupe genommen - «begonnen beim Präsidenten». (28. November 2014)
Venezuelas Präsident Nicolas Maduro spricht während einer Amtshandlung in Caracas. Maduro hat wegen den sinkenden Ölpreisen Haushaltskürzungen angeordnet. Er deutete an, die Saläre der Führungsetage würden unter die Lupe genommen - «begonnen beim Präsidenten». (28. November 2014)
Miraflores Press, Keystone
1 / 4

Der Ölpreis setzt die Regierung von Präsident Nicolas Maduro unter Druck. Noch habe Venezuela Möglichkeiten, einen drohenden Staatsbankrott abzuwenden. Notwendig seien vor allem Reformen, um die heimische Konjunktur anzukurbeln, sagt Alberto Abes, Co-Chefökonom der Bank Merrill Lynch.

Er rechnet für 2015 immerhin mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, nach einem Minus von 3,3 Prozent im laufenden Jahr. Venezolanischen Oppositionspolitikern zufolge ist das Bruttoinlandprodukt in den ersten drei Quartalen des Jahres allerdings um 4,2 Prozent geschrumpft.

Abwertung der Währung als Chance

Eine weitere Option sei die Abwertung der Landeswährung Bolivar, fügt Abes hinzu. Dadurch könne die Regierung unter Präsident Nicolas Maduro für die gleiche Summe an Devisen-Einnahmen einen grösseren Teil des Haushalts finanzieren.

Bis zum Jahresende sagen die Merrill-Experten einen Anstieg des offiziellen Dollar-Kurses von derzeit etwa 6,30 Bolivar auf 13 Bolivar voraus. Bis Ende kommenden Jahres werde der Kurs auf 30 Bolivar steigen, um sich 2016 noch einmal auf bis zu 66 Bolivar zu verdoppeln.

Andere Börsenspekulanten verweisen darauf, dass Venezuela Staatseigentum verkaufen und Subventionen kürzen könne, um den Haushalt zu entlasten.

Investoren wollen Anleihen loswerden

Investoren bezweifeln dennoch, dass Venezuela seine Probleme schnell in den Griff bekommt. Aus diesem Grund werfen sie die Anleihen des Landes aus ihren Depots. Dies treibt die Rendite der 2027 auslaufenden Bonds auf derzeit knapp 24 Prozent. Vor Beginn des Ölpreis-Verfalls im Sommer lag sie gerade einmal halb so hoch.

Gleichzeitig steigen die Prämien für Kreditausfall-Versicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS). Für die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets venezolanischer Anleihen müssen Anleger dem Datenanbieter Markit zufolge derzeit eine Anzahlung von etwa 5,9 Millionen Dollar leisten.

Hinzu kommen bei CDS mit einer Laufzeit bis Ende 2019 Zahlungen von 500'000 Dollar jährlich. CDS-Anbieter verlangen Vorauszahlungen üblicherweise nur für Anleihen von Staaten oder Unternehmen, die als Pleitekandidaten gelten.

Export von Erdöl

Venezuela erwirtschaftet 96 Prozent seiner Deviseneinnahmen mit dem Export von Erdöl. Mit dem Geld finanziert die Regierung unter anderem ihre milliardenschweren Sozialprogramme.

Wegen eines Überangebotes ist der Weltmarktpreis für diesen Rohstoff seit dem Sommer um mehr als 40 Prozent gefallen. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee ist mit 60,28 Dollar so billig wie zuletzt im Juli 2009.

SDA/rsc

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch