Litauen findet verlorene Millionen bei Schweizer Banken

Eine litauische Bank sucht mehr als eine halbe Milliarde, die von ihren einstigen Besitzern abgezweigt worden sein soll. Bei der Bank Julius Bär und der Bank Syz wurde sie fündig.

Ein russischer Banker und ein litauischer Geschäftsmann deponierten Geld bei der Bank Julius Bär. Foto: M. Buholzer (Reuters)

Ein russischer Banker und ein litauischer Geschäftsmann deponierten Geld bei der Bank Julius Bär. Foto: M. Buholzer (Reuters)

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Seit sieben Jahren suchen die litauischen Behörden Geld aus der grössten Pleite, die das Land bis dato gesehen hat. 565 Millionen Euro sollen bei der 2011 in höchster Not verstaatlichten Bank Snoras veruntreut worden sein. Litauens Regierung macht dafür die beiden wichtigsten Aktionäre der Bank verantwortlich – und will das Geld eintreiben, das von ihnen abgezweigt worden sein soll.

In der Schweiz wurden die Snoras-­Abwickler fündig. 27 Millionen Franken wurden vor wenigen Wochen bei der Bank Julius Bär gepfändet. Sie gehörten dem russischen Banker Wladimir Antonow. Er kontrollierte einst zwei Drittel der Snoras-Aktien. Nun fanden die Ermittler noch einmal 7 Millionen Franken – wieder bei der Bank Bär. Die Gelder stammen diesmal vom litauischen Geschäftsmann Raimondas Baranauskas und wurden ebenfalls gepfändet. Er war mit einem Anteil von 25 Prozent der zweitwichtigste Aktionär bei der Bank Snoras und amtete als ihr Präsident. ­Zusammen mit Antonow lenkte er die Geschicke der grössten Bank Litauens bis zu ihrem Crash.

Die Staatsanwaltschaft in der litauischen Hauptstadt Vilnius wirft den beiden Geschäftsmännern Veruntreuung, Dokumentenfälschung, Unterschlagung und Geldwäsche vor und sucht sie per internationalem Haftbefehl. Die Schweizer Behörden arbeiten mit den litauischen Ermittlern zusammen. Das Bundesamt für Justiz habe in diesem Zusammenhang ein Rechtshilfeersuchen an die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich zum Vollzug delegiert, teilt ein Sprecher mit. Eine Sprecherin der Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigt: «Es wurde Rechtshilfe geleistet, und es wurden Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe gesperrt.» Es seien Beziehungen bei verschiedenen Banken betroffen.

Auch Bank Syz wird genannt

Die Bank Julius Bär nimmt zum erneuten Fund keine Stellung. Die Zürcher Privatbank ist aber nicht das einzige Institut, auf das Vermögen aus der Snoras-Pleite geflossen sind. Auch bei der Genfer Bank Syz sollen Gelder aus Litauen gelandet sein. Darauf lassen Dokumente schliessen, die Bernerzeitung.ch/Newsnet vorliegen. «Bank Syz äussert sich weder zu der Existenz noch zu der Nichtexistenz ihrer Kundenbeziehungen», so ein Pressesprecher der Bank Syz.

Die Bank Snoras erlebte einen rasanten Aufstieg. Nach der politischen Wende in Osteuropa gegründet, expandierte sie schon bald in die Nachbarstaaten. Noch 2009 wollten sie ihr Geschäft gar nach Grossbritannien ausweiten. Snoras brach das Vorhaben aber ab, weil die britische Finanzmarktaufsicht der Bank keine Lizenz für den britischen Markt erteilte. Die Aufseher hatten Zweifel an ihrem Hauptaktionär Antonow.

Antonow sorgte mit mehreren Deals international für Aufsehen. Im Juni 2011 übernahm er den englischen Fussballclub Portsmouth. Schon im Herbst 2011, nach nur gerade fünf Monaten, verliess er den Club wieder. Dieser blieb auf ­unbezahlten Steuerrechnungen von 1,6 Millionen Pfund sitzen. Antonow übernahm auch den niederländischen Rennwagenhersteller Spyker und warf später auch ein Auge auf den schwedischen Autohersteller Saab. Bei den Geschäften spielte auch die litauische Bank Snoras von Antonow und Baranauskas eine Rolle. Sie soll etwa 70 Millionen Euro in die Sportwagenfirma Spyker investiert haben.

Ende 2011 krachte Snoras zusammen. Es kam zu einem klassischen Bankrun, bei dem Kunden ihr verbleibendes ­Erspartes abheben wollten. Antonow und Baranauskas hielten sich damals in Grossbritannien auf. Sie wehrten sich jahrelang juristisch gegen die Auslieferung nach Litauen, wo die Behörden auf sie warteten. Bevor sie ausgeliefert werden konnten, setzten sich Antonow und Baranauskas nach Russland ab.

Weitere Machenschaften

Dort kam Antonow laut russischen ­Medienberichten vor kurzem in Untersuchungshaft. Ursache dafür sind aber nicht die Vorgänge bei dem litauischen Bankhaus Snoras. Ihm werden ähnliche Machenschaften bei einer russischen Bank vorgeworfen. Auch Baranauskas soll sich noch immer in Russland aufhalten. Litauen verlange nun erneut seine Auslieferung, berichten lokale Medien.

Antonow und Baranauskas bestritten die Vorwürfe stets. Laut ihren Anwälten handle es sich um eine politische ­Kampagne gegen sie. Die litauischen ­Behörden würden versuchen, ihnen die Schuld für das Ende der Bank in die Schuhe zu schieben. Antonow reagierte schon vor einiger Zeit mit einer Gegenklage und fordert von den litauischen Behörden mehr als 600 Millionen Euro Schadenersatz, weil diese seine Bank ruiniert hätten.

Auch der Liquidator der litauischen Snoras-Bank reichte eine Klage ein. 2013 forderte er von der Bank mehr als 440 Millionen Euro. Daraus wurde 2017 eine Klage gegen die Bank Bär mit einem Streitwert von rund 300 Millionen Euro. Der Abwickler wirft der Bank vor, nicht genügend unternommen zu haben, um die Herkunft der Gelder abzuklären. Die Bank bestritt die Forderung. Vor einem litauischen Gericht ist der Liquidator mit seiner Klage abgeblitzt. Grund: Das dortige Gericht befand sich für nicht ­zuständig.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.06.2018, 22:31 Uhr

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