Immobilien: Finma anerkennt Selbstregulierung der Banken

Die Schweizer Banken sollen im überhitzten Markt für Renditeliegenschaften selbst auf die Bremse treten.

Die Schweizer Banken sollen im überhitzten Markt für Renditeliegenschaften selbst auf die Bremse treten: Wohnungen auf dem Kunzareal in Windisch. Foto: Keystone

Die Schweizer Banken sollen im überhitzten Markt für Renditeliegenschaften selbst auf die Bremse treten: Wohnungen auf dem Kunzareal in Windisch. Foto: Keystone

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat am Mittwoch die Vorschläge der Bankiervereinigung (SBVg) zur Selbstregulierung anerkannt. Der Bundesrat hatte zuvor verschärfte Kapitalvorschriften vorgeschlagen. Banken sollten Hypotheken für Wohnrenditeliegenschaften mit mehr Eigenkapital unterlegen und damit ihre Widerstandsfähigkeit für den Fall von Preiskorrekturen stärken.

Sollte der Bundesrat der Banken-Selbstregulierung den Vorzug geben - und davon geht die Bankiervereinigung in einer eigenen Stellungnahme aus - treten die verschärften Bedingungen per 1. Januar 2020 in Kraft. Das Finanzdepartement hatte bereits im Frühling signalisiert, man ziehe eine verstärkte Selbstregulierung vor.

Renditeliegenschaften sind Immobilien, die von Investoren als Geldanlage gehalten werden - etwa Mehrfamilienhäuser. Angesichts der tiefen Zinsen haben institutionelle Anleger in den letzten Jahren verstärkt Wohnungen gekauft und weitervermietet, was Sorgen vor einer möglichen Blase schürte.

Risikoappetit zügeln

Schweizer Banken standen in der Folge unter Druck der Finma und der Nationalbank, ihren Risikoappetit bei der Vergabe von Hypotheken für Renditeliegenschaften zu zügeln. Denn ein scharfer Preiszerfall in diesem Immobiliensegment würde einige Institute in Schieflage bringen.

Unter dem Eindruck der drohenden Eigenmittelvorschriften reicht die Bankiervereinigung Mitte Juli ihre nun abgesegneten Vorschläge bei der Finma ein. Demnach wollen Schweizer Banken bei der Hypothekenvergabe für Miethäuser oder weitere Renditeobjekte von den Kreditnehmern künftig Eigenmittel von mindestens 25 Prozent des Belehnungswerts verlangen, statt nur 10 Prozent wie bisher.

Ausserdem sollen die Kreditnehmer ihre Hypothekarschuld innert maximal 10 Jahren (bisher 15) auf zwei Drittel des Belehnungswertes amortisieren. Von den Anpassungen nicht betroffen sind selbstgenutzte Wohnliegenschaften.

Finma: Ja, aber

Die von der Banken vorgeschlagenen Anpassungen sind im Urteil der Finma «insgesamt moderat», gingen aber in die richtige Richtung. Ganz zufrieden ist die Finanzmarktaufsicht aber offenbar nicht.

Denn die SBVg schliesse in ihrer Definition des Begriff «Renditeimmobilien» das sogenannte «Buy-to-let»-Segment, also den privaten Zweitimmobilienbesitz, nicht explizit ein. Dabei handelt es sich um Wohnungen und Einfamilienhäuser, die von Privatpersonen gekauft wurden, um sie weiterzuvermieten.

Dieses Segment mache aber rund einen Viertel aller Wohnrenditeobjekt-Finanzierungen von Banken aus und sollte daher nach Auffassung der Finma von den Banken gleichbehandelt werden. Geschehe dies nicht, werde die Wirksamkeit der verschärften Regeln eingeschränkt.

Banken zufrieden

Etwas wohlwollender fällt selbstredend das Statement der Bankiervereinigung aus. Mit der angepassten Selbstregulierung setze die Branche eine Massnahme um, die rasch und gezielt wirke. Damit leiste man auch einen wichtigen Beitrag für einen weiterhin stabilen Finanzplatz. Eine Verschärfung der Eigenmittelverordnung sei hingegen abzulehnen.

step/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt