Was Anleger bei Rohstoffen beachten sollten

Das Bankkonto bringt keinen Ertrag mehr. Zu viele Aktien sind nicht empfehlenswert, zumal einige Analysten vor einem Bärenmarkt warnen. Werden nun für Anleger Rohstoffe wieder attraktiv?

Der Handel mit Rohstoffen ist unter Umständen auch für Private lukrativ.

Der Handel mit Rohstoffen ist unter Umständen auch für Private lukrativ. Bild: Fotolia

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Wie aktuelle Enthüllungen um die Paradise Papers zeigen, wird der Rohstoffhandel gelegentlich mit dubiosen Geschäften in Zusammenhang gebracht. Oft sind hochrangige Leute in Schwellenländern mit Rohstoffvorkommen in solche Machenschaften in­volviert.

Schweizer Privatanleger sind davon weit entfernt. Sie träumen immer noch vom «Superzyklus», der ihnen nach der Jahrtausendwende rund zehn Jahre lang traumhafte Renditen bescherte. Die Industrialisierung und die boomenden Grossstädte Chinas sorgten für eine weltweit anhaltend starke Nachfrage.

Doch darauf folgte ein ernüchternder Abschwung. Zwischen 2011 und 2015 haben sich die Preise wichtiger Rohstoffe wie Erdöl oder Kupfer mehr als halbiert. So kam es, dass sich viele Anleger vom Rohstoffhandel abwandten und auch eine Reihe von Finanzinstituten dieses Geschäft verkleinerten oder sogar ganz aufgaben.

Ermutigende Zeichen

In jüngster Zeit ist wieder von ermutigenden Zeichen die Rede. So sagt beispielsweise David-Michael Lincke, Rohstoffexperte beim Vermögensverwalter Picard Angst AG: «Es mehren sich Anzeichen, dass sich die Rohstoffmärkte in einer frühen Phase eines neuen zyklischen Aufschwungs befinden.» Denn einerseits würden bei Anbietern über mehrere Sektoren hinweg Überkapazitäten abgebaut.

Andererseits steige auch die Nachfrage. «Sofern eine globale Rezession vermieden werden kann, ist über die nächsten vier bis fünf Jahre mit einer anhaltenden Erholung der Preise für Rohstoffe zu rechnen», folgert er.

Giovanni Staunovo, Rohstoffstratege bei der UBS, stellt fest, dass «nach fünf mageren Jahren in diesem Jahr wieder Renditen um die 3 Prozent» erzielt werden. Doch gleichzeitig relativiert er: «Vom starken Wachstum der Jahre 2009 und 2010 sind wir weit entfernt.»

Insbesondere Industriemetalle seien derzeit interessant, sagt Staunovo. Zum Beispiel Palladium, das Hersteller in Katalysatoren verbauen, hat seit Jahresbeginn um mehr als 40 Prozent zugelegt. Längerfristig dürften laut Staunovo auch exotische Metalle wie Lithium oder Kobalt von Preisanstiegen profitieren. Der Grund: Elektroautos sind zu­nehmend gefragt, und diese Metalle werden für den Bau der Autobatterien benötigt.

Stabiler Ölpreis

Die meisten Investoren konzen­trieren sich auf Gold, Silber und Öl. Beim Ölpreis, den auch viele Hausbesitzer genau beobachten, orientiert sich Staunovo nicht zuletzt an Lagerbeständen. Sinken diese, so deutet das auf steigende Preise hin.

«Seit Juli sind die Lagerbestände aufgrund einer starken Beschleunigung der Weltwirtschaft und der Produktionskürzungen der Opec-Staaten zusammen mit Russland stark gesunken.» Staunovo geht deshalb davon aus, dass sich der Ölpreis nach dem Einbruch von Anfang Jahr jetzt auf dem aktuellen Niveau von 60 Dollar pro Fass stabilisiert.

Die Risiken

Der Rohstoffhandel für Anleger ist ein Nischenmarkt. In den Portfolios von Schweizer Pensionskassen machen Rohstoff­anlagen nicht viel mehr als ein Prozent aus. Dafür gibt es triftige Gründe. Rohstoffpreise können äusserst volatil sein, der Handel ist teilweise sehr komplex, und schliesslich drohen bei einigen Geschäften deutlich höhere Ver­luste als bei Aktien.

Besonders bei Derivaten gehen Verluste ins Geld. Der Investor zahlt bei gehebelten Produkten nur einen Bruchteil des Warenwerts. Fällt der Kurs, kann es deshalb zu einer Nachschusspflicht kommen. Das gibt es bei Aktien nicht – hier verliert der Investor höchstens seinen Einsatz.

Und noch auf etwas Weiteres weist Staunovo hin: Anleger vergessen oft, dass sie Rohstoffe in aller Regel nicht kaufen und physisch irgendwo lagern. Sie schliessen stattdessen nur be­fristete Kontrakte ab. Sobald ein Vertrag ausläuft, wird er durch einen neuen ersetzt, für den andere Bedingungen gelten. Häufig geht dabei sogar bei steigendem Kurs Geld verloren. Dass solche Rollkosten Kapital wegfressen können, ist für viele Anleger schwer nachvollziehbar.

Warum kann es trotzdem interessant sein, in Rohstoffe zu investieren? Als Hauptgrund nennt Staunovo die Diversifikation. Beispielsweise tendiert Gold dazu, sich negativ zu Aktienmärkten zu entwickeln. Vereinfacht gesagt gilt oft, dass bei steigenden Aktienmärkten Gold fällt und um­gekehrt. Zudem haben Rohstoffe einen anderen Zyklus als Aktien.

Aktien ziehen rasch an, wenn die Wirtschaft auf Touren kommt, da die Anleger hier die zukünftige Entwicklung schon vorwegnehmen. Die Rohstoffpreise reagieren hingegen erst später, wenn die Industrie mehr einkauft, um die steigende Nachfrage nach Produkten zu befriedigen. Wenn der Aufschwung sich dem Ende zuneigt, bleiben Rohstoffe für Anleger in der Regel noch eine Weile attraktiv, während die Aktien rasch fallen.

Tipps für Anleger

Lincke rät von risikoreichen Wetten auf einzelne Rohstoffe ab. «Für Privatanleger kommen eigentlich nur kollektive Gefässe wie Fonds oder Exchange-Traded Funds (ETFs) infrage.» Diese Produkte bilden jeweils einen ganzen Korb ab, was das Risiko starker Schwankungen einzelner Bereiche abfedert.

Bei der Auswahl sollte der Kunde nicht nur längerfristige Ren­diten und Risiken genauer prüfen, sondern auch die Gebühren. Diese fallen aufgrund des höheren Aufwands in der Regel etwas höher aus als in der klassischen Wertschriftenverwaltung. «Viele Fonds sowie ETFs weisen in ihrer Gesamt­kostenquote nicht sämtliche Kosten aus», erläutert Lincke.

Wer trotzdem in risikoreichere Hebelprodukte investieren möchte, sollte wenigstens einen «Stop Loss» einschliessen – das ist eine Preisschwelle, bei der ein Rohstoff automatisch verkauft wird. «Das ist klüger als abwarten und hoffen, dass es besser wird», sagt Staunovo. Sonst können sich auch aufgrund der Rollkosten schmerzhafte Verluste anhäufen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.11.2017, 13:26 Uhr

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